Nach dem UNO-Bericht zum Artensterben der Aufruf:

Change the System!

Im Rahmen der UNO hat die »Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services« am 6. Mai einen 1.800 Seiten starken Bericht veröffentlicht. Vertreter aus 132 UNO-Mitgliedsländern, 145 Experten aus 50 Ländern, unterstützt von weiteren 310 Wissenschaftlern verantworten diesen wissenschaftlichen Bericht zur biologischen Vielfalt, die abgekürzt Biodiversität geheißen wird, und den Zustand der Ökosysteme auf unserem Planeten.

Festgestellt wird:

Die Feststellungen sind deutlich: eine Million Pflanzen- und Tierarten von acht bis neun Millionen sind weltweit gefährdet. Die Menschheit ist dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören:

»Denn die Artenvielfalt ist der Garant für die mannigfaltigen Ökosystemleistungen, die für den Menschen lebensnotwenig sind, wie u.a. folgende Konsequenzen – stellvertretend für andere – aufzeigen:

– drastisch sinkende Nahrungsmittelproduktion (mehr als 75% aller für die menschliche Ernährung genutzten Pflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen);
– schwindende Bodenfruchtbarkeit (die gesamte Agrarproduktion der Erde hat um 23% abgenommen, weil Bodenfauna und -flora abnehmen);
– Gefährdung unserer Gesundheit, da die Artenvielfalt ein ‚Apothekenschrank‘ mit Medikamenten für 7,6 Milliarden Menschen ist;
– Überflutung der küstennahen, stark besiedelten Regionen durch Absterben der Korallenriffe. Gekoppelt mit der Erderwärmung werden bis zu 300 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen.«
Es werden fünf Hauptursachen für den weltweiten Verlust an Biodiversität genannt:
»– direkte Nutzung und Nutzungsänderung der Boden und Meere;
– direkte Ausbeutung der Arten (z.B. Überfischung);
– Klimawandel;
– Umweltverschmutzung;
– Zunahme exotischer invasiver Arten.«

Zur Umweltverschmutzung zählt auch die Verwendung von Pestiziden und von chemischem Dünger, was zu Humusverlusten und damit zur schwindenden Bodenfruchtbarkeit führt.

Schlußfolgerungen:

»Nur ein Umdenken in Gesellschaft und Wirtschaft kann den Zusammenbruch der Biodiversität verhindern.« Und das gilt auch in Luxemburg, erklärten im Naturmuseum gestern deren Direktion, die »Association des Biologistes Luxembourgeois«, der »Mouvement Ecologique«, der Verein »natur&emwëlt« und die »Société des naturalistes luxembourgeois« bei einer Pressekonferenz. Eine »grundsätzliche Umorientierung unseres Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells« sei »eine Voraussetzung für ein Überleben des Menschen auf diesem Planeten«.

Es braucht also einen Systemwechsel, und es wurde ausdrücklich auf die Tafeln mit der Inschrift »Change the System« bei den Demonstrationen Jugendlicher in vielen Ländern verwiesen, nicht aber auf die Plakate der KPL zur Wahl des EU-Parlaments. Das hat seinen guten Grund: Kapitalismus heißt das Sy­stem, das es zu wechseln gibt, bevor es den Planeten kaputt gemacht hat, und das sagt die KPL, nicht aber die fünf bei der Pressekonferenz oder der Bericht übers Artensterben. Da wird von »unserem System«, von »unserem Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell« geredet, obwohl das weder Dein noch mein System ist, sondern das des Kapitals, weswegen es ja auch Kapitalismus heißt.

Wer sich nun aber nicht traut, dem Schuldigen seinen Namen zu geben, weil er dessen Macht fürchtet, die er in »seinem System« ja durchaus hat, der wird ihn leider nicht besiegen können!

Da hilft es dann auch nicht festzustellen, daß von den 1.323 Gefäßpflanzenarten Luxemburgs 101 Arten bereits ausgestorben und 439 gefährdet oder sehr selten sind, daß von 599 Moosarten Luxemburgs fünf schon ausgestorben sind und weitere 207 vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet sind, daß von den 143 Brutvögeln in Luxemburg 13 Arten bereits ausgestorben und weitere 24 vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind usw.

Noch ist Zeit zu handeln

Das sagen die Wissenschaftler, die ein grundsätzliches Umdenken und eine gerechte Verteilung der Ressourcen fordern. Realistisch ist das jedoch nicht unter kapitalistischen Bedingungen, denn der Kapitalismus ist einerseits institutionalisierte Gier des Kapitals (etwas wie ein Profit, der nicht höher zu sein braucht, gibt es nicht) und andererseits eine Umverteilungsmaschine von unten nach oben. Unter diesen Umständen muß der Aufruf ins Leere laufen, »die gesamte Gesellschaft, Politik und Medien sind gefordert ihre Verantwortung zu übernehmen«, denn sie haben vor einem Systemwechsel nicht die Macht, das durchzusetzen, was dem Kapital wehtut.

So ist das Verbot von Glyphosat in der EU gescheitert und diese Produkte sind weiterhin in jedem Baumarkt in der Gartenabteilung erhältlich. Es reicht da auch nicht, eine »drastische Einschränkung des Pestizidgebrauchs« und mehr Biolandwirtschaft zu fordern oder gar einen Umbau des Wirtschaftssystems, das nicht benannt wird!
Klar, wir brauchen einen gerechten Welthandel und Freihandel ist ein Übel, weil er zu Gunsten des Höchstentwickelten ist. Aber im Kapitalismus ist das nicht verwirklichbar, und nur die KPL fordert von der EU Schluß mit den sogenannten AKP-Partnerschaftsabkommen, die deren Märkte schutzlos öffnen und den Raub an Bodenschätzen ermöglichen.

jmj

(wird fortgesetzt)

Freitag 17. Mai 2019