Geld und Anerkennung

In Neuseeland streikten 50.000 Pädagogen

In Neuseeland sind am Mittwoch vergangener Woche 50.000 Lehrerinnen und Lehrer in einen »Mega-Streik« getreten. Es war bereits der dritte Ausstand seit der Übernahme der Regierung durch eine von Sozialdemokraten geführte Koalition 2017. Vergangene Woche streikten jedoch das erste Mal Lehrkräfte der Grundschulen und der weiterführenden Schulen gemeinsam.

Den Lehrern geht es um eine bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, höheres Ansehen für den Lehrerberuf und vor allem um Entlastung. Eine Angebot von 3 Prozent Lohnerhöhung von Seiten der Regierung haben die Lehrer abgelehnt, sie fordern mit ihren Gewerkschaften Post Primary Teachers‘ Association (PPTA) und New Zealand Educational Institute (NZEI Te Riu Roa) 15 Prozent mehr Lohn. Die Regierung argumentiert dagegen mit leeren Kassen.

Gegenüber dem »Guardian« sagte Khali Oliveira, eine Grundschullehrerin aus Auckland, der Streik sei ein letzter Ausweg. Sie sei seit mehr als 20 Jahren Lehrerin, und Burn-Out sei inzwischen an der Tagesordnung. Wenn die Forderungen der Lehrer nicht erfüllt würden, müsse sie kündigen und in der Privatwirtschaft arbeiten.
Obwohl während des Streiks jede zweite staatliche Schule komplett geschlossen wurde, in anderen nur eine Notbetreuung geboten wurde und für mehr als 770.000 Schülerinnen und Schüler alternative Betreuung organisiert werden mußte, stehen Eltern und Schüler hinter den Streikenden und nahmen an den mehr als 50 Demonstrationen und Aktionen im ganzen Land teil.

Die Regierung scheint von ihrer Position aber nicht abzurücken. Lynda Stuart, Präsidentin der NZEI Te Riu Roa, sagte, das gesamte Bildungssystem Neuseelands sei in einer Krise. »Die Lehrer haben gesprochen – sie möchten, daß die Regierung jetzt eine Lösung findet. Unsere Kinder können nicht warten und unsere Lehrer auch nicht. Die Angebote, die wir von der Regierung erhalten haben, haben sich nicht mit den Problemen befaßt, mit denen unser Beruf konfrontiert ist. Sie werden die sich abzeichnende Bildungskrise nicht umkehren.«

Melina Deymann

»Bezahlt meine Lehrer!« – beim Streik der Pädagogen gingen auch Schülerinnen und Schüler auf die Straße (Foto: NZEI Te Riu Roa)

Freitag 7. Juni 2019