Aus dem Gemeinderat der Stadt Esch/Alzette:

Nochmals weniger Schulstunden

Alles schönzureden ist klarerweise möglich. So freut sich der Schöffenrat, daß der Koeffizient für Esch wieder einmal gestiegen ist. Allerdings heißt das, daß die soziale Lage schlechter wurde, denn genau das bewirkt diese Steigerung. Mit 3.292 Kindern wird im nächsten Schuljahr fast wieder das Niveau des Jahres 2017/18 erreicht, das gerade noch eine Einheit höher lag. Im Vorjahr ging es auf 3.231 zurück.

Trotzdem gibt es am Ende fünf Klassen weniger für 61 Kinder mehr, womit dann auch der Durchschnitt pro Klasse über 15 auf 15,17 steigt. Am höchsten ist er mit 15,77 in der letzten Grundschulklasse, wo der Übergang in die Sekundarschule ansteht. Es ist ein Jammer, daß der Schöffenrat das einfach so hinnimmt. Dessen Freude, daß im »Précoce« von 358 Kindern in dieser Altersstufe im nächsten Schuljahr 55 Prozent oder 197 Kinder eingeschrieben sind, nachdem es im zu Ende gehenden Schuljahr erst 49,62 Prozent waren, ist stark übertrieben. Für einen besseren Schulerfolg in einer Stadt mit so vielen Nicht-Luxemburger Kindern müßte der Anteil stark erhöht werden, indem den Eltern die Wichtigkeit des Besuchs erklärt wird. Nur noch 37 Prozent in der Grundschule haben schließlich die Luxemburger Staatsbürgerschaft.

Bei den Maisons Relais gelingt es 154 Kinder mehr anzunehmen, also 1.294 statt 1.140. Dadurch sinkt allerdings die Warteliste nur um 28 Kinder auf 854. Dafür ist keinerlei Zufriedenheit erlaubt.

Am Brill und im Bruch gibt es zu viele Kinder; die Annexen sind keine Lösung, zumindest keine pädagogisch sinnvolle, moniert die Lénk, die ein langfristiges, aber schnell umzusetzendes Konzept mit mehr Schulstandorten zusätzlich im Zentrum, im Neudorf und in der Hiel fordert.

In der internationalen Schule im Victor Hugo-Gebäude sind nächstes Jahr statt 24 nur mehr 9 Escher Kinder. Es ist erschreckend, daß die LSAP über Vera Spautz diese Sprengung der einheitlichen öffentlichen Schule als positiv für Esch bezeichnet. Dies ist umso erschreckender nach den Aussagen des SEW/OGBL vom Vortag. Da wurde in der Umfrage übrigens die Escher Regionaldirektion ganz besonders schlecht bewertet, was auch sonst niemand mitbekommen hat.

Nachdem sich der vormalige Schulschöffe Tonnar wortreich beklagt hatte, der Schöffenrat habe jeden Einfluß auf die Schule verloren – in welcher Partei hatte Mady Delvaux-Stehres eigentlich 2009 eine Mitgliedskarte? – erklärt CSV-Sprecher Weis, die Entscheidungen würden nun eben vermehrt im Erziehungsministerium getroffen. Daß er versucht zu behaupten, die Warteliste der Maisons Relais sei um 250 Kinder kleiner, ist aber kühn, zeigen doch die vom Schöffenrat vorgestellten Zahlen nur ein Minus von 28. Und der Mann wird im näch­sten Jahr Schulschöffe!

Der abtrünnige LSAP-Rat Codello sieht »navigation à vue« und keinerlei Lösungsansätze. Deshalb gäbe es keine Einstimmigkeit für diese Schulorganisation. Pim Knaff spricht nicht für die DP, sondern für den Schöffenrat, um die Vorwürfe einfach so als unberechtigt zurückzuweisen. Er tritt sozusagen als Anwalt für Noch-Schulschöffin Ragni auf. Die Vorwürfe bezeichnet er als »insulte an die enseignants«. Klabumm!
Im Oktober kommt die definitive Schulorganisation in den Gemeinderat. Die provisorische kriegt jedenfalls nur das Ja der Koalition, die Opposition stimmt geschlossen mit Nein, was es zuvor selten gab.

Daraufhin werden die Tarife für Schulärzte, die zuletzt 1990 festgelegt wurden, von 70 Flux auf 18,40 Euro und für Zahnärzte von 45 Flux auf 8,45 Euro pro Untersuchung angehoben. Das geht einstimmig.

UNESCO-Man and Biosphere

Im Rahmen des Südgemeindesyndikats ProSud wird intensiv daran gearbeitet, für alle Südgemeinden die Anerkennung im Rahmen dieses Programms zu bekommen. Es gilt dies mit einer Abstimmung zu unterstützen, um das vorliegende Dossier am 30. September mit Erfolgsaussicht einreichen zu können. Angestrebt wird eine Bewußtseinsbildung in der Region zu Vergangenheit und Zukunft, was von allen begrüßt wird.

Es wird vom Schöffenrat daran erinnert, daß minde­stens ein Drittel der Fläche im Vorgarten grün sein muß. Das werde nun angesichts der vielen Steinwüsten kontrolliert im Interesse von mehr Biodiversität. Liebe Leute, laßt bitte 1.000 Blumen blühen!
Einstimmig schließt sich der Gemeinderat der Kandidatur an.

Kulturprojekt Bridderhaus

Demnächst beginne die Baustelle, auch wenn noch kein abstimmungsreifes Projekt da ist für die kulturelle Umwidmung des ersten Escher Spitals, eröffnet 1878, das seit 2018 wieder der Stadt gehört. Es soll ab 2022 als »Artistenresidenz« von 3 Monaten bis 1 Jahr zur Verfügung stehen, was die Aufnahme von 17 »Artisten« im Jahr ermöglichen soll. Das Ganze soll großregional eingebunden und begleitet werden in einem drumherum aufgebauten Netzwerk. Es ist irgendwie bezeichnend, daß da nicht von Kulturschaffenden geredet wird, hat doch im Luxemburgischen das Wort »Artist« einen reichlich negativen Beigeschmack.

Jedenfalls muß zuerst Asbest aus dem Bau entfernt werden, bevor sonst was passiert. Auf das endgültige Projekt heißt es zu warten.

Konventioniert wird

Abzusegnen ist die Konvention für Abrisud und Maison Michels für 2019, die 943.402,50 Euro vom Staat bringt, was die Hälfte der Ko­sten ausmacht. Dagegen ist niemand.
Damit die Löhne weiterhin bezahlt werden können, wurde die ursprünglich nicht auf der Tagesordnung vorgesehene Konvention zum Jugendhaus, die erst am Mittwoch unterschrieben wurde von Papa Staat, ebenfalls einstimmig abgesegnet. Damit kann das Geld vom Staat fließen.

Das Kapital der Sudstroum S.àr.l. & Co S.e.c.s. wird um 4 Millionen Euro verdoppelt aus dem Gewinn von 7.131.855 € des Jahres 2017, in dem es einen Umsatz von 28,34 Mio. gab. Trotz der Bereitschaft dem zuzustimmen, kritisieren die drei Oppositionsgruppen, daß Schöffe Kox Vorsitzender im »Conseil de Surveillance« ist, sich also selbst überwacht. Völlig daneben liegt Henri Hinterscheid mit seiner Lobpreisung des »Smart Meters«, denn niemand braucht einen Zähler, der Strom verbraucht um ihn zu messen, und der einen ausspionieren kann, um seinen Stromverbrauch zu überdenken. Schöffe Kox (er vertritt Esch mit seiner 42%-Beteiligung übrigens in der Sudgaz) kritisiert, daß Sudgaz sich in den Strombereich begibt und Sudstroum ausgeladen habe bei der Windenergie. Auch bei der Photovoltaik seien Sudstroum und Sudgaz Konkurrenten. Am Ende stimmen alle der Kapitalerhöhung zu bis auf Jean Tonnar, Ex-Präsident der Sudgaz, der sich enthält, um sagen zu dürfen, es sei die Intention der Sudgaz gewesen mit der Sudstroum zusammenzuarbeiten, um in allen 13 Mitgliedsgemeinden ein Paket mit Gas und Strom anzubieten. Es war nie Sudgaz-Absicht, der Sudstroum irgendeinen Kunden abspenstig zu machen. Jedenfalls ist kein Escher mehr im Büro der Sudgaz vertreten – wer dafür die Verantwortung trägt, bleibt umstritten.

jmj

Freitag 14. Juni 2019