Johnny Clegg gestorben

»Weißer Zulu« und Anti-Apartheid-Sänger

Es gibt viele politische Lieder, aber wenige sind so einflußreich wie »Asimbonanga« von Johnny Clegg. Der in England geborene weiße Musiker sang in Südafrika gegen die Apartheid an – bis Nelson Mandela als freier Mann neben ihm auf der Bühne tanzen konnte.

Als junger Mann lernt der 1953 in England geborene Jonathan »Johnny« Clegg im südafrikanischen Johannesburg, irische und schottische Folksongs zu spielen. Dann erlebt er an einer Straßenecke einen Zulu-Musiker mit den traditionellen Liedern der gemeinsamen, von gnadenlosem Rassismus gespaltenen Heimat. Für Clegg ist es »eine Offenbarung« – und »das erste Fenster in eine andere Welt, von der ich nicht wußte, daß sie existiert«, wie er später sagt.

Das Straßenecken-Erlebnis hat die Welt des Gitarristen, Sängers, Songschreibers und Tänzers für immer verändert – und ihm letztlich den Ehrentitel »Weißer Zulu« eintragen, zu dessen Musik auch Nelson Mandela tanzte. Am Dienstag ist der nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent hochverehrte Künstler mit 66 Jahren in Johannesburg an Krebs gestorben. Zahllose Musikfans nahmen am Mittwoch mit bewegenden Worten in den sozialen Netzwerken Abschied.

Mit Liedern wie »Asimbonanga« oder »Scatterlings Of Africa« und seiner mitreißenden Stilmixtur aus Rock, Folk und afrikanischen Rhythmen war Johnny Clegg einer der weltweit wichtigsten Musiker im Kampf gegen die Apartheid. Neben den US-amerikanischen und britischen Künstlern von Phil Collins bis zu Stevie Wonder, die sich 1988 bei einem Londoner Mega-Konzert für Mandelas Freilassung einsetzten, war er die authentische Protest-Stimme seines über Jahrzehnte rassistisch regierten Landes. »Es war ein totalitäres System, das alles für Dich entschied«, sagte Johnny Clegg über das Südafrika von damals.

»Johnny hinterläßt tiefe Spuren in den Herzen aller, die sich als Afrikaner betrachten«, hieß es nun in einer von mehreren lokalen Medien verbreiteten Reaktion des langjährigen Clegg-Managers Roddy Quin. »Mit seinem einzigartigen Musikstil überwand er kulturelle Grenzen wie kaum ein anderer.« Auf die Tanzkünste und das musikalische Erbe seiner schwarzen Freunde sei er zunächst neidisch gewesen – »das wollte ich auch können«, erzählte Johnny Clegg später gern mit blitzenden Augen. Für diese Annäherung riskierte er, seine weißen Freunde zu verlieren – und bisweilen auch Südafrikas Zensur.

Dafür wuchs Clegg in den 80er Jahren mit seinen Bands Juluka und Savuka zur anerkannten Leitfigur einer modernen südafrikanischen Popmusik heran. Er sei zudem »ein Katalysator des politischen Bewußtseins« geworden, würdigte der Schlagzeuger und Sänger Sipho Mabuse (»Jive Soweto«) – 1988 ebenfalls beim Mandela-Tribute von London vertreten – den Freund und Kollegen. »Johnny begab sich in eine Sphäre, in die sich nicht viele Weiße wagten.«

Johnny Clegg war aber nicht nur konsequent auf Seiten der bis zum Ende der Apartheid brutal unterdrückten Schwarzen, sondern auch sehr erfolgreich. Allein 1988 verkaufte der damals noch weitgehend unbekannte Musiker innerhalb weniger Monate fast zwei Millionen Alben, sein Mandela gewidmeter Song »Asimbonanga« machte ihn zum Star. Darin beklagte er auf Zulu »Wir haben ihn noch nie gesehen« – es ging um das Fehlen des seit 1962 im Gefängnis sitzenden, erst 1990 freigelassenen Freiheitskämpfers.
Als Mandela Jahre später heimlich neben ihn auf eine Konzertbühne tänzelte, war das »der Höhepunkt meines Lebens als Songwriter«, wie Clegg in dem Arte-Film »Der weiße Zulu« sagte. »Ein Schock – pure Magie.« Auch als es musikalisch ruhiger um ihn wurde, blieb der Ruhm eines unermüdlichen gesellschaftlichen Engagements, beispielsweise auch im Kampf gegen Aids.

Werner Herpell und Kristin Palitza, dpa

(Foto: screenshot youtube)

Donnerstag 18. Juli 2019