Das statistische Amt prognostiziert weniger Inflation und keine Indextranche für 2020

Aber der Handels- und Währungskrieg der USA gegen China schafft große Unsicherheiten

Seit Ende 2018 hat Luxemburg eine Inflationsrate nahe an 2 Prozent. Das ist mehr als in unseren Nachbarländern und weitgehend auf die Preisentwicklung im Bereich der Dienstleistungen zurückzuführen.

Die Prognose des statistischen Amtes für die nächsten Monate lautet, dass die Inflation leicht zurückgehen, dann aber wieder ansteigen wird nach dem Erfall einer Indextranche im vierten Trimester 2019. Das hat weniger damit zu tun, dass nachträglich die durch die Geldentwertung rückläufige Kaufkraft der Lohnabhängigen wieder teilweise hergestellt wird, sondern mehr damit, dass die Unternehmer ihre Profitrate halten, beziehungsweise erhöhen wollen.

Um das zu rechtfertigen, behauptet die Kapitalseite, der Index sei inflationstreibend, und so gab es innerhalb der vergangenen Jahrzehnte mehr als einmal Bestrebungen, den Index abzuschaffen, beziehungsweise Entscheidungen, den Index-Mechanismus außer Kraft zu setzen oder zu manipulieren.

Die Lohnabhängigen in Luxemburg würden allerdings einem permanenten Kaufkraftverlust ausgesetzt sein, gäbe es den Index nicht. Das trifft in besonderem Maße für die Schaffenden zu – und das ist mehr als die Hälfte – die keinen Kollektivvertrag haben und oft jahrelang auf eine kleine Lohnerhöhung warten müssen.

Der kostenlose

öffentliche Transport wird sich mäßigend auf die Preisentwicklung auswirken
Dass die Inflation in diesem Sommer knapp unter 2 Prozent verharrte, ist auf die relativ hohe Kerninflation und Preiserhöhungen für eine Reihe von Dienstleistungen zurückzuführen, während die Entwicklung der Preise im Energiesektor, die in stärkerem Maße Schwankungen ausgesetzt sind und nicht bei der Berechnung der Kerninflation berücksichtigt werden, weniger ins Gewicht fielen.

Für 2020 hat das STATEC zwei Elemente ausgemacht, welche sich mäßigend auf die Entwicklung der Preise auswirken sollen: der für den 1. März angekündigte kostenlose öffentliche Transport und, so weit zu diesem Zeitpunkt absehbar, das Ausbleiben einer Indextranche während des ganzen Jahres.

Das heißt allerdings keineswegs, dass diese prognostischen Erwartungen, die von einer Inflation von 1,7 Prozent ausgehen, sich auch erfüllen werden, denn sie sind weitgehend abhängig von der internationalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, so dass größere Veränderungen immer auch Auswirkungen auf das Ausmaß der Inflation in Luxemburg haben werden.

Drei Szenarien, um der Volatilität der Erdölpreise gerecht zu werden

Nicht abzusehen ist zum diesem Zeitpunkt zum Beispiel, wie sich der von den USA losgetretene Handels- und Währungskrieg gegen China entwickeln wird. Doch heute schon hinterlässt dieser Konflikt auf internationaler Ebene deutliche Spuren, unter anderem beim Aufkommen der weltweiten Luftfracht, was auf die Luxemburger Frachtfluggesellschaft Cargolux nicht ohne Auswirkungen bleiben dürfte.

Da infolge dessen auch Erschütterungen an den Rohstoff- oder Lebensmittelbörsen nicht auszuschließen sind und die Volatilität der Erdölpreise ohnehin schnell zu dramatischen Veränderungen führen kann, gehört es zur Aufgabe des statistischen Amtes, für ihre Prognose immer gleich drei Szenarien zu entwickeln.

Das mittlere Szenario setzt voraus, dass der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Sorte Brent während der verbleibenden Monate dieses Jahres in etwa bei der Marke von 65 US-Dollar stabilisieren und im Jahr 2020 im Durchschnitt 63 Dollar betragen wird.

Die zwei anderen Szenarien stützen sich darauf, dass Rohöl um zusätzlich einen Dollar pro Monat billiger, beziehungsweise teurer wird. Gegenwärtig wird ein Barrel Rohöl der Sorte Brent für 57,4 Dollar gehandelt, Mitte Mai waren es aber noch 75 Dollar.

Um der Volatilität der Erdölpreise Rechnung zu tragen, hat das STATEC drei Szenarien für das restliche Jahr 2019 und das Jahr 2020 ausgearbeitet

Samstag 10. August 2019