Am Beispiel Verkehrsbehinderung:

Gréng-Ideologie als falsches Bewußtsein

In der Rue des Celtes in Merl gibt es kein Durchkommen mehr nach Leudelingen seit es die Doppelgleisigkeit der Bahnstrecke Luxemburg-Dippach-Petingen gibt. Dafür gibt es einen guten Grund: hinter den Gleisen wäre bei einem beschrankten Bahnübergang nur mehr Platz für ein normales Auto, ein zweites Auto (und jedes andere längere Fahrzeug) würde bereits ins Gleis hineinragen, wenn es nicht sofort möglich ist, nach rechts oder links in die Straße nach Zessingen oder zum Schléiwenhaff einzubiegen.

Deshalb war von Anfang an eine zehn Meter breite Unterführung geplant, die aber nicht gleichzeitig mit den Arbeiten an der Bahnstrecke verwirklicht werden konnte, weil sich die Grundstückseigentümer zierten, die dafür nötigen Quadratmeter abzutreten. Das ist unter ganz normale fehlende vorausschauende Planung in Luxemburg abzuheften, ein Kapitel in dem hierzulande viel Verbesserungsbedarf besteht. Aber die Ewigvorgestrigen Anhänger der liberalen Säulenheiligen des 18. Jahrhunderts haben es in aller Marktgläubigkeit nicht wirklich mit der Planung, die sie als Übel von Karl Marx betrachten, der im 19. Jahrhundert die Irrungen und Wirrungen der Liberalen aufdeckte.

In den Jahren, in denen die Rue des Celtes nun schon eine Sackgasse ist, haben sich ganz besonders einige gut gestellte Villenbesitzer an die Ruhe gewöhnt und möchten die nun beibehalten. Motto: »Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd das des Nachbarn an.« Sie haben Verbündete bei den Gréng gefunden, denen alles gefällt, was den Verkehr behindert.

Wobei die Sackgasse Rue des Celtes einiges an Verkehrsbehinderung produziert – in der Rue des Merles, am Autobahnende ab dem Kreisverkehr, in Hollerich und in Zessingen. Denn im Zwickelt zwischen der Eisenbahnstrecke nach Arlon und der nach Dippach befindet sich ein großer Bauernhof. Der hat sich wohl inzwischen so organisiert, daß er seine Grundstücke im Zwickel als Kuhweide nutzt, aber seine Ackerflächen liegen jenseits der Dippacher Eisenbahngleise, über die es keinen Durchgang mehr gibt.

Folglich muß zur Bewirtschaftung (Pflügen, Eggen, Säen, Mähen, Einbringen) mit schwerem Gerät der Umweg über Hollerich und Zessingen gefahren werden, wo jedesmal hunderte von normalen Verkehrsteilnehmern behindert werden, umso mehr oft mehr als eine Fahrspur ganz besonders an den Kreuzungen fürs Einbiegen benutzt werden muß. Das freut die Gréng, sind sie doch in ihrem falschen Bewußtsein der Überzeugung, daß gehinderte Autofahrer von heute morgen in Zug und Bus sitzen. Deshalb lassen sie ja auch die Busse mitten in der Straße anhalten anstatt sie in Haltestellenbuchten einfahren zu lassen.

Verkehr funktioniert aber nicht so. Die meisten Wege von Lohnabhängigen sind nicht freiwillig, sondern müssen gezwungenermaßen erledigt werden.

Sei es, daß sie zu einer bestimmten Zeit am Arbeitsplatz zu erscheinen haben, wo Züge und Busse schon überfüllt sind, oder wo deren Verbindungen mit dem Wohnort unmöglich mehr Zeit in Anspruch nehmen oder gar nicht existieren so früh oder so spät. Spätestens wenn auch noch Kinder außerhalb des Wohnorts in einer Kinderkrippe abzuliefern und wieder abzuholen sind, geht mit öffentlichem Verkehr gar nichts mehr. Worauf bessergestellte Gréng mit ihren sauberen Vorgärten sicher nie selbst kommen werden!

Der Hollericher Interessenverein hat nun einen Baum aufgestellt dagegen mit einem offenen Brief an den Schöffenrat und den Verkehrsminister, den sie vor kurzem in diesen Spalten lesen konnten. Zumindest auf Gemeindeebene sind die ersten Reaktionen positiv – Gréng-Minister Bausch hüllt sich dagegen in Schweigen. Wir werden auf jeden Fall dranbleiben und berichten, wann immer etwas sich in der Sache tut.

jmj

Hier ging es mal von der Leudelinger Seite über die eingleisige Bahnstrecke. Die Signalanlagen stehen noch, doch durchs Gatter führt kein Weg mehr. Logisch, der Abstand zur Straße ist wirklich zu gering.

Montag 12. August 2019