Soziale Ungleichheiten in Luxemburg (2)

Die Ungleichheiten bei den Einkommen werden immer krasser

Auch wenn die ungerechte Einkommensverteilung zwischen Kapital und Arbeit die Hauptursache für soziale Ungleichheiten ist, heißt das keineswegs, dass die Ungleichheiten beim Einkommen klein sind. Im Gegenteil.

Um diese Unterschiede zu messen, bediente sich die Salariatskammer der Rechnungsmethode Ratio S60/S20, die es möglich macht festzustellen, um wieviel höher die Einkommen der 20 Prozent Reichsten gegenüber den Einkommen der 20 Prozent Ärm­sten sind.

Die Studie kommt zum Schluß, dass Luxemburg eines der wenigen Länder im Euroraum ist, in denen der Abstand zwischen den oberen 20 Prozent und dem unteren Fünftel in den Jahren zwischen 2005 und 2017 größer wurde, um 2017 zu stagnieren.
Festgestellt wurde auch, dass die Einkommensunterschiedene bei den Menschen im arbeitsfähigen Alter (zwischen 18 und 65) größer sind als bei den Rentnern.
Diese Unterschiede werden auch offengelegt, wenn man auf das statistische Maß des Gini-Koeffizienten zurückgreift, das es erlaubt, die ungleiche Einkommensverteilung in der gesamten Bevölkerung zu messen.

Die Unterschiede werden nach Steuern und Sozialtransfers zwar kleiner, ändern aber nichts daran, dass die Ungleichheiten seit Ende der 1990er Jahre immer größer wurden, um 2013 EU-Durchschnitt zu erreichen, 2014 und 2015 vorübergehend zurückzugehen und anschließend wieder anzusteigen und den EU-Durchschnitt zu übertreffen.

Luxemburg ist also doch kein EU-Musterschüler im Lohn- und Sozialbereich, wie das gerne von den Regierenden behauptet wird, denn diese Entwicklung macht deutlich, dass die Regierung im Laufe der vergangenen Jahre keinesfalls die Umverteilungspolitik machte, die notwendig gewesen wäre, um die Einkommensunterschiede zu verringern. Dies macht sich nicht nur, aber besonders stark bei den Rentnern bemerkbar.
Die ungleiche Einkommensverteilung tritt auch zutage, wenn man auf das Äquivalenzeinkommen zurückgreift, um das Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied zu vergleichen.

Die Studie zeigt, dass Haushalte mit Kindern generell ein niedrigeres Äquivalenzeinkommen haben als Haushalte ohne Kinder.

Besonders stark trifft das auf die Alleinerziehenden zu, die nur auf 61 Prozent des Äquivalenzeinkommens kommen, und die Familien mit drei und mehr Kindern. Hingegen haben Haushalte ohne Kinder oder mit einem Kind ein Äquivalenzeinkommen, das mindestens 10 Prozent über dem Landesdurchschnitt ist.

Zwischen 2015 und 2016 nahm das Äquivalenzeinkommen generell ab, um ein Jahr später erneut anzuwachsen, nicht aber für Familien mit drei und mehr Kindern, für alleinstehende Personen und Alleinerzieher.

Die Reichen sind eindeutig die Gewinner der vergangenen zwanzig Jahre

Besonders krasse Unterschiede zeigen sich bei der Verteilung des nationalen Äquivalenzeinkommens.

Die 10 Prozent reichsten Haushalte hatten 2017 ein Äquivalenzeinkommen, das insgesamt 8,1 Mal höher war als die 10 Prozent ärmsten Haushalte.

Bis zum Jahr 2000 hatte dies sich noch auf das fünf- bis sechsfache beschränkt. Seither wurden die Reichen immer reicher und die Einkommensunterschiede größer.

Die Reichen sind damit eindeutig die Gewinner der vergangenen zwanzig Jahre, und die derzeitige Regierung tut nichts, um den wachsenden Ungleichheiten entgegenzuwirken und – wie das die Kommunisten befürworten – bei den Reichen einen Teil des Einkommens über die Steuern abzuschöpfen, um es im Interesse der niedrigeren Einkommensbezieher umzuverteilen.

A.R.

Die Studie zeigt, dass Haushalte mit Kindern generell ein niedrigeres Äquivalenzeinkommen haben als Haushalte ohne Kinder – besonders stark trifft das auf die Alleinerziehenden und die Familien mit drei und mehr Kindern zu

Montag 12. August 2019