Der Fluch der Tram-Tat:

Zusatzchaos am Boulevard Roosevelt ab September

Es ist wie verhext. Als wäre mit der verheerenden Tram-Baustelle in der Hauptstadt die Verkehrssituation nicht schon angespannt genug, wurde gestern von Minister Bausch und Bürgermeisterin Polfer die näch­ste Großbaustelle im Zentrum angekündigt. Es dreht sich um den Boulevard Roosevelt zwischen Viaduc, wo die Verbreiterung bis 3. November fertig sein soll, und Place de Bruxelles. Grund dafür ist schon wieder die Tram.
Am Ende wird es in jede Fahrtrichtung eine Busspur längs der Bürgersteige und eine Fahrspur für den restlichen Verkehr in der Mitte geben. Die Fahrräder kriegen eine Spur in beide Richtungen auf der Seite des Terres-Rouge-Gebäudes, die allerdings nur zwischen zwei und zweieinhalb Meter schmal wird. Das ist auf keinen Fall ausreichend für viel Fahrrad-Verkehr, wird doch da schon das Kreuzen zur Präzisionsarbeit! Für zehn Prozent der Wege, die laut politischen Erklärungen mit dem Fahrrad erledigt werden sollen in der Hauptstadt, geht sich das nie aus. Alle heutigen Abstellflächen für Autos verschwinden, womit unter anderem dem englischen Botschafter zusätzliches Leid bereitet wird. Es bleibt nur eine Ladezone.

Die Bäume sollen großteils erhalten bleiben. Allerdings wird der grüne Hügel zwischen britischer Botschaft und Justizpalast zuerst abgeholzt, dann versetzt, wobei er schmäler wird, und schließlich neu mit Bäumen bepflanzt.

Weil sich die Arbeiten bis zum 4. November hinziehen, wird das mehr als »sportlich« (wie eine der neuesten Polit-Vokabeln heißt) ab Mitte September, wenn mit Schulbeginn wieder alle zurück im Land sind. Schließlich war der Bd Roosevelt vorm Sommer schon viele Stunden am Tag Stauzone.

Da die Arbeiten gleichzeitig mit denen auf dem Viaduc fertig werden, wird gleich anschließend Anfang November der gesamte Busverkehr aus der Neuen Avenue entfernt und über Boulevard Roosevelt, Viaduc und Alte Avenue in beide Richtungen geführt. Für Autos ist dann in der Alten Avenue kein Platz mehr. Nur die Fahrräder behalten eine Fahrradspur in beide Richtungen.

Das muß so sein, weil dann der Gleisbau in der Neuen Avenue auf Hochtouren läuft und da kein Platz mehr für Busse bleibt.

Ende Dezember, wenn die Tram bis zum Hauptbahnhof fährt, werden alle 2.400 Fahrten der RGTR-Busse, die heute noch durch die Stadt die Passagiere dorthin bringen, wo sie hinmüssen, »abgebunden«. Diese neue Polit-Vokabel drückt aus, daß die RGTR-Passagiere an einer Stelle aus dem Bus geschmissen werden, wo sie gar nicht hinwollen. Sie dürfen dann schauen, wo sie bleiben – mit der Tram oder einem AVL-Bus oder mit beiden. Umsteigen ist schließlich ein toller Sport, der keinerlei Zeit kostet und bei dem auch niemand naß wird. Und wenn doch: Pech gehabt.

Es sollen am Ende »nur« 40 Busfahrten in Spitzenstunden pro Richtung über Alte Avenue, Viaduc und Boulevard Roosevelt bleiben. Der größere Teil davon wird dort geradeaus fahren, ein kleiner Teil wird rechts in den Boulevard Royal einbiegen zur eigenen Busspur und Haltestelle beim Royal Hamilius neben der Tram. Am Star und auf der Place de Bruxelles wird das Aufeinandertreffen mit der Tram ampelgeregelt und laut Bürgermeisterin bleibt diese bei rot stehen. Das ist interessant, hieß es doch bislang, die Tram kriege automatisch grün wenn sie komme, damit sie an keiner Ampel stehen bleiben müsse, weil sonst eine Garnitur auf die nächste aufschließt. »Sportlich« wird das sowieso, wenn dem Normalverkehr am Ende des Bd Roosevelt statt einer Linksabbiegespur und zwei Spuren für geradeaus nur mehr eine bleibt.

Place de la Constitution autofrei

Darüber hinaus soll die Place de la Constitution autofrei werden und eine Liftverbindung ins Petrustal bekommen mit einer Kabine für 10 Fußgänger und fünf Fahrräder. Laut bürgermeisterlicher Aussagen wird seit Jahren am Lastenheft für einen Architektenwettbewerb gearbeitet. Im Herbst sei es nun soweit, daß der gestartet werde.

Bis zum Jahresende sollen Projekte da sein, damit die Jury bis April 2020 entscheiden kann.

Angesichts der Erfahrungen mit dem Pfaffenthaler Lift, der an 12 Tagen im Jahr zur Wartung nicht fährt und an mindestens ebenso vielen Tagen unplanmäßig ausfällt, wobei sich zudem am Wochenende wegen zu geringer Kapazität lange Warteschlangen oben wie unten bilden, erlaubten wir uns die Frage, ob es nicht ratsam ist, bei einem Lift in die Petrus von Anfang an zwei Kabinen vorzusehen, damit zumindest immer eine funktioniert. Die Antwort darauf wurde klar verweigert mit der Meldung, da müsse der Wettbewerb abgewartet werden. Das Ergebnis wird allerdings vom Lastenheft abhängen. Wenn da nicht steht, es sollten zwei unabhängig funktionierende Kabinen geplant werden, wird das kaum Eingang in die Projekte finden.

Sei es wie‘s sei, bringen Sie viel Zeit mit, wenn sie mit dem Auto ab Mitte September in die Hauptstadt kommen. Sollten sie nicht gerne im Stau stehen, umfahren sie sie großräumig. Wenn Sie mit RGTR-Bussen kommen müssen, seien sie unseres Beileids versichert für die aufgezwungene Umsteigerei. Legen Sie sich sicherheitshalber einen kleinen Regenschirm zu, damit Sie nicht zu oft naß werden! Bleibt eigentlich nur noch der Zug, dessen Benutzung empfehlenswert ist. Fürs Fahrrad kann das nicht mehr gesagt werden angesichts zu schmaler Pisten! Und der Fußgänger ist sowieso immer der letzte, an den gedacht wird – derzeit führt z.B. für ihn kein Weg mehr über die Neue Brücke, es geht nur noch über die Fahrradbrücke darunter.

Aber sonst ist alles klar auf der Andrea Doria, und die ist bekanntlich abgesoffen.

jmj

Aktuell ist die Verkehrslage schon mehr als gespannt dort wo der Boulevard Roosevelt mit nur mehr einer statt davor drei Spuren auf der Place de Bruxelles auf den Boulevard Royal mit der Tram-Baustelle trifft. Das läßt für den Schulbeginn Böses ahnen – und jetzt wird auch noch mitgeteilt, daß die einspurige »Lösung« zum Dauerzustand wird.

Donnerstag 22. August 2019