Was sofort ginge:

Begleiten statt behindern

In dieser Serie haben wir bisher zwei große Verkehrsquellen identifiziert. Das eine sind die zu vielen Arbeitsplätze in einem zentralen Raum – wie für 560.000 Einwohner in der Hauptstadt und wie für 314.400 Einwohner in den Anliegergemeinden – sowie der damit zusammenhängende Liefer- und Kundenverkehr. Das zweite sind die Einkaufswege, die aus der räumlichen Trennung der Funktionen in sämtlichen Ortschaften entstanden sind und deren sichtbarste Folge das Einkaufszentrum ist, egal ob auf der grünen Wiese oder in einer Größe innerhalb einer Ortschaft oder einem Stadtviertel, wo dafür nicht genug Kundschaft wohnt.

Zwar gibt es den leichterkennbaren Weg zum Gegensteuern im Zusammenbringen der Funktionen, wie es früher einmal war. Das bedingt eine Dezentralisierung der Arbeitsplätze wie der Einkaufsmöglichkeiten über das ganze Land, damit dort gearbeitet und eingekauft werden kann, wo auch gewohnt wird.

Es ist wohl bedauerlich feststellen zu müssen, daß das Vorstellungen bei Gewählten in der Politik sind, die allenfalls in Sonntagsreden angesprochen werden, nie aber Gegenstand konkreter Entscheidungen sind. Einmal abgesehen von symbolischen Aktionen wie der Aussiedlung von Wasser- und Umweltverwaltung auf den Belval oder von der Natur- und Waldverwaltung nach Diekirch, beides aus der Hauptstadt heraus.

Allerdings wäre damit, würde es ernstgenommen, kurzfristig keine Verbesserungen im Stau zu erreichen. Mittel- wie langfristig allerdings kann nur das Erleichterung bringen, doch dafür braucht es eindeutig andere Wahlergebnisse, die als erstes einen einheitlichen Gewerbesteuerhebesatz im Land durchsetzbar machen. Denn ohne den ist keine Dezentralisierung der großen Firmenniederlassungen durchsetzbar. Niemand ist bereit, freiwillig drei bis sechs Prozent mehr Steuern auf den Gewinn abzugeben, als beim niedrigstmöglichen Hebesatz verlangt wird – das nicht einzusehen, erfordert eine völlig verquere Denke.

Unrealistisch ist es auch, eine sofortige Verbesserung über ein größeres Angebot beim öffentlichen Personennahverkehr zu erwarten. Dazu fehlt einfach das Material und der Wille der Regierung, der CFL zu erlauben, gebrauchtes Material zu kaufen, zu leasen oder zu mieten, das sofort erhältlich wäre unter https://heros-rail.com oder unter www.db-gebrauchtzug.de. Allerdings ist im Gegensatz zu vor drei Jahren heute nicht mehr die aktuelle Doppelstockserie, mit der die CFL noch unterwegs ist, zu bekommen, sondern nur mehr die Serie von davor.

Mit solchem Material ließe sich allerdings durchaus in Luxemburg das Auslangen finden, auch wenn es mit 120 oder 140 km/h und nicht mit 160 km/h zugelassen ist. Denn so schnell wird in Luxemburg und in der Grenzregion sowieso nicht gefahren. Es ließen sich damit aber endlich – bei einem entsprechenden Regierungsbeschluß schon im Monat danach – 200 Meter lange Züge fahren und so die Kapazität blitzartig um ein Drittel erhöhen, ohne daß mehr Züge gefahren werden müßten. Doch wo kein Wille, da ist auch kein Weg.

Was rasch ginge und wenig kosten würde

In früheren Zeiten wurden die Ampeln so gesteuert, daß sich eine grüne Welle ergab bei Geschwindigkeiten von 5 km/h unterhalb der lokal zugelassenen Geschwindigkeit. Busse fuhren in Buchten ein an den Haltestellen, wo sie dann den sonstigen Verkehr nicht behinderten während der Zeit, wo Passagiere aus- und einstiegen.
Das war, bevor sich die grüne Behinderungs- und Erziehungsideologie durchsetzte. Heute wird dafür alles getan, um den Verkehr auszubremsen. Sei es mit der roten Welle, sei es mit mitten in der Straße haltenden Bussen. Bei der Einführung in der Hauptstadt in der ersten DP-Gréng-Schöffenratskoalition wurde wortwörtlich gesagt, das geschehe, um den Autofahrern zu demonstrieren, sie hätten es besser, säßen sie im Bus.

Doch schon damals war das grober Unfug, denn die Busse hatten zur Spitzenzeit gar nicht genug freien Platz für alle durch sie behinderte Autofahrer, wobei zudem viele dieser Geplagten gar nicht die Möglichkeit hatten, in diese Busse an ihrem Wohnort einzusteigen. Heute ist diese »Erziehungsmaßnahme« um einiges verrückter geworden, haben doch Zug und Bus nicht im entferntesten die Kapazität, um nur die 201.714 Grenzgänger von Ende Juli 2019 an ihren Arbeitsplatz zu bringen, unabhängig von allen anderen, die ebenfalls zu transportieren sind.

Angesichts der Unfähigkeit, die Kapazität im öffentlichen Personennahverkehr an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, ist es hoch an der Zeit mit allem aufzuhören, was den Verkehrsfluß auf den Straßen stört. Denn das setzt dort die Kapazität herab und führt zu mehr Staus. Da aber diese Wege zur Arbeit erledigt werden müssen, um am Ende des Monats das Geld zu haben, mit dem die Rechnungen bezahlt werden können, ist die Wahl nicht da, sie nicht zu erledigen.

Wobei aus steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Gründen Grenzgänger gar nicht im nötigen Maß, um stauverringernd wirken zu können, auf Telearbeit zurückgreifen können. Zwar bieten mittlerweile Fondsverwaltungsfirmen in der Hauptstadt ihren Beschäftigten an, wenn sie es wollen an drei Tagen zu Hause zu arbeiten, aber das können nur Leute, die im Land wohnen. Daß es diese Möglichkeit bereits vielfach gibt, hat sich daher nicht bemerkbar gemacht auf den Straßen oder in den Öffis.

Das hängt stark zusammen mit dem Zuwachs an Arbeitsplätzen im Zentralraum und dem damit verbundenen Ansteigen der Grenzgänger. 1.650 mehr in zwei Monaten sind so viele, daß auch eine erfolgreiche Carsharing-Initiative keine Entspannung bringt!

jmj
(wird fortgesetzt)

Donnerstag 5. September 2019