Weder nachhaltig noch regional

Meco: Regierung will 573 Tonnen Schulobst von einem einzigen Großlieferanten kaufen. Die Produktionsbedingungen spielen keine Rolle, nur der Preis

Der Mouvement Ecologique (Meco) kritisiert die bereits angelaufene Ausschreibung der Regierung für die Lieferung von 572.992 Kilogramm Obst für die 360 Schulen des Landes im Schuljahr 2019/2020. Entscheidend für die Auftragszuteilung sei laut Lastenheft in allererster Linie der geforderte Preis, kritisiert der Umweltschutzverband, während es dem »Landwirtschaftsministerium und zumindest Teile(n) der Regierung« offenbar nicht auf Nachhaltigkeit, Regionalität und die Produktionsbedingungen ankomme. Bei der Auftragsvergabe für die Lieferung des Schulobstes, so der Vorwurf, werde »nach wie vor nach alten Denkmustern« vorgegangen.

Neben der Bedingung, die gesamten 573 Tonnen Schulobst, und nicht etwa nur einen Teil oder bestimmte Obstsorten zu liefern, kritisiert der Meco, daß die Angebote für die seit dem 26. August laufende Ausschreibung bereits bis zum 23. September eingereicht sein müssen, obwohl kleine und mittelgroße Landwirte und Obstbauern, deren Betrieb keine eigene Verwaltung hat, derzeit mit der Ernte beschäftigt seien.
Weiter heißt es in der Pressemitteilung, der angebotene Preis mache laut Lastenheft bis zu 150 Punkte von 200 möglichen Punkten, die über die Auftragsvergabe entscheiden, aus. Biete der Bewerber Bioobst an, bringe ihm das maximal 25 Punkte ein. Vor allem aber gebe es keinen Punkt, wenn der Bewerber regional und nachhaltig angebautes Obst anbiete, das einen viel kürzeren Anlieferungsweg hat. Dabei sei nach dem Ausschreibungsgesetz auch eine andere Gewichtung erlaubt gewesen.

Im Lastenheft seien statt dessen keine generellen Anbaukriterien zu finden, lediglich Bananen müßten das Label »Fairtrade« tragen. Angesichts der »erheblichen Mengen« von im konventionellen Obstanbau eingesetzten »sogenannten Pflanzenschutzmittel« werde der »Aktionsplan Pestizide« ein weiteres Mal konterkariert.

Auch die im Lastenheft verlangten lediglich fünf Prozent Bioanteil beim zu liefernden Schulobst würden dem vom Landwirtschaftsministerium herausgegebenen Ziel, den Bioanteil bei der landwirtschaftlichen Anbaufläche des Landes auf 20 Prozent auszuweiten, zuwiderlaufen. Weiter wird kritisiert, im Vorhinein strikt festgelegte Liefermengen würden es den Schülern verunmöglichen, etwas gegen die ansonsten vielkritisierte Entsorgung von noch genießbaren Lebensmitteln zu unternehmen. Nicht nachvollziehbar sei auch die Forderung, nur maximal zehn Prozent der gelieferten Äpfel dürften kleinere »Schönheitsfehler« aufweisen und ihr Umfang dürfe lediglich um maximal fünf Zentimeter (bei Birnen und Bananen um neun Zentimeter) von dem der anderen Früchte abweichen. So würden die luxemburgischen Schüler von klein auf an genormtes und vermeintlich fehlerfreies Obst gewöhnt, kritisiert der Meco.

Der zuständige Landwirtschaftsminister antwortete prompt. Die Obstverteilung an Schulen gehe auf ein Programm der EU zurück, erklärte Romain Schneider, deshalb müßten auch deren Vorgaben im Lastenheft berücksichtigt werden. Äpfel, Birnen und Karotten würden bereits von luxemburgischen Obst- und Gemüsebauern bezogen. Im vergangenen Jahr habe der Bioanteil bei 35 Prozent gelegen, doch sei die meisten Biofrüchte und -gemüse aus dem Ausland importiert worden, da die nationale Produktion noch zu gering sei.

Der Meco hatte die zu erwartende Reaktion des Ministers bereits vorab kommentiert: Eben weil es in Luxemburg noch nicht genug nachhaltig produzierende Obst- und Gemüsebauern gibt, wäre es wichtig gewesen, den Großauftrag zur Lieferung von 573 Tonnen Schulobst aufzuteilen oder aber kleinen Produzenten aus der Großregion zu erlauben, sich dafür zusammenzuschließen.

oe

(Foto: dpa)

Oliver Wagner : Freitag 6. September 2019