Steuermann in Not:

Schaffen wir elf Prozent erneuerbare Energie bis 2020?

Da gilt es schon 2020 beim Gesamtenergieverbrauch elf Prozent Erneuerbare zu haben, und das wird eng, vor allem weil es einen von der LSAP gestellten Ressortchef gab, der energisch abbremste bei Photovoltaik, damit die Belastung des Strompreises durch den Kompensationsfonds niedrig bleibe. Dafür war die Regierung aus DP, LSAP und Grünen bereit, diejenigen nach 15 Jahren aus dieser Vergütung rauszuschmeißen, obwohl ihnen das zur Jahrtausendwende von der CSV/DP-Regierung für 20 Jahre versprochen worden war. Nur die Subvention aus dem Budget gibt es weiter für 20 Jahre.

Das ist nicht nur ein unerhörter Vorgang, sondern auch ein Verstoß gegen die Rechtsstaatlichkeit, weil diese »first movers« damit schlechter als versprochen gestellt wurden. Zudem mußten die ersten, die bereit waren, auf Sonnenstrom zu setzen, sowieso damit leben, daß die tatsächliche Ernte weit niedriger ausfiel als versprochen, weil damals die Zahl der Sonnenstunden für Luxemburg gar nicht vorlag und mit Saarbrücker Werten hantiert wurde. Das, so gestern Minister Claude Turmes, sei mittlerweile anders, weil inzwischen für die letzten 15 Jahren lokale hiesige Werte verfügbar sind.

In der letzten Dreierkoalition war zudem ein jährliches Absinken der Vergütung um neun Prozent eingeführt worden. Da aber die Installationskosten nicht Jahr um Jahr um so viel sanken, wurde das immer uninteressanter. Als Folge gab es eine starke Verlangsamung bei Neuanlagen. Die installierte Leistung, die von 2011 bis 2014 noch stark anstieg, wuchs immer langsamer – von 2017 auf 2018 nur noch um drei Megawatt auf insgesamt 131 MW. Das brachte zwar die siebte Stelle aller EU-Länder bei der Pro-Kopf-Einspeisung mit 222,6 statt 215 Watt im Vorjahr, aber das reißt das Land wegen der atypischen Zusammensetzung des Gesamtenergieverbrauchs nicht raus. Da hilft es auch nicht weiter, sich daran aufzugeilen, daß die installierte Leistung 2018 533 Prozent höher als 2008 lag.

Bei der Windenergie ging es von 2008 auf 2018 zwar nur um 410 Prozent nach oben, hier aber mit der tatsächlichen Erzeugung. Dabei brauchte es bis 2016, um von 62 auf 127 Gigawattstunden zu kommen, doch dann ging es Schlag auf Schlag. 2017 wurden 185 GWh erreicht, 2018 gar 255 und für 2019 wie für 2020 werden ähnliche Sprünge erwartet. Dies weil in diesen Jahren ganz große und damit höhere Anlagen in Betrieb gingen bzw. gehen, die pro installiertem MW mehr Strom erzeugen.

Das ist schön, bloß ist der Stromanteil am Gesamtenergieverbrauch in Luxemburg niedriger als sonstwo. Dies weil allein der Transportsektor 60 Prozent des Verbrauchs ausmacht, in den anderen EU-Ländern aber nur 25 bis 30 Prozent. Die Industrie verbraucht 16 Prozent, die Haushalte 13 und der Dienstleistungssektor elf Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Es bleiben also null Prozent für die Landwirtschaft, weil der Spritverbrauch der Traktoren und Landmaschinen unter »Transport« verbucht wurde, der Wohnbereich der Bauern unter »Haushalte«, so daß für die Ställe kaum noch was anfiel für Beleuchtung und Melkroboter. Das war übrigens die Aufteilung für 2017, für 2018 gibt es noch keine Zahlen.

Prinzip Hoffnung

Im April gab es nun ein neues Einspeisungsschema mit günstigeren Tarifen für neue Anlagen. Dies ganz besonders für Kleinstanlagen bis 10 Kilowatt und für Kooperativen, die eine neue Kategorie von 200 bis 500 kW installierte elektrische Leistung erhielten. Das hat, so Turmes gestern, zu 700 neuen Anlagen geführt, davon 110 von Kooperativen, die auf eine Gesamtleistung von 50 MW kommen. Das ist ein ordentliches Plus auf die bisherigen 131 MW mit 7.000 Anlagen!

2018 war erstmals ein Schönheitswettbewerb in zwei Kategorien für 20 MW ausgeschrieben worden. Dabei wurden allerdings nur 15 MW realisiert, wobei zwei Projekte auf Industrieflächen zu einem Einspeisungspreis von 88,9Euro pro MWh waren und acht große Dächer zu 120 Euro pro MWh. Bei diesen Projekten ist ein Aussiedlerhof dabei, hieß es.

Nun werden noch einmal 40 MW ausgeschrieben für Großanlagen in fünf Kategorien, wobei daran gedacht ist, die einstweilen den Kategorien zugedachten Mengen flexibel zu handhaben, wenn in einer mehr und in einer anderen weniger angeboten wird. Die Investoren sind gebeten, unter dem Maximalpreis anzubieten, um den Zuschlag zu erhalten.

Auf Industriegelände dürfen die Anlagen 500 kW bis fünf MW groß sein bei einem Höchsteinspeisepreis von 89 Euro pro MWh. Außen auf Gebäuden (vornehmlich auf dem Dach) gibt es höchstens 120 Euro pro MWh für Anlagen von 200 bis 500 kW und 115 Euro pro MWh bei Anlagen zwischen 500 kW und 5 MW. Anlagen auf Beschattungsdächern über Parkplätzen oder schwimmende Anlagen auf Kühlweihern dürfen für 200 bis 500 kW höchstens 145 Euro pro MWh verlangen und für 500 bis 5 MW installierter Leistung höchstens 140 Euro pro MWh.

Ausgeschrieben wird heute bis zum 16. März 2020. Im Mai erfolgt der Zuschlag nach den niedrigsten angebotenen Preisen mit der Verpflichtung, innerhalb von 18 Monaten einzuspeisen. Was leider dem Steuermann in Not nicht mehr hilft, die elf Prozent erneuerbare Energie 2020 zu erreichen. Aber danach gibt es ja schon wieder neue Ziele, die erreicht werden sollen!

Dafür will Turmes im Oktober den nationalen Klimaplan fertig haben, der dann im Internet, in der Chamber und in einem Workshop zur Diskussion gestellt werden soll. Der Plan werde auch gemeinsame Maßnahmen mit Frankreich, Deutschland und den Nachbarn an der Nordsee enthalten. Bis Jahresende muß er der EU-Kommission vorgelegt werden.

jmj

Dienstag 10. September 2019