Differdingen : Déi Lénk und DP fordern Rücktritt von Bürgermeister Traversini

In Differdingen fordern die Räte von Déi Lénk und DP den Rücktritt von Bürgermeister Roberto Traversini. Sie werfen dem grünen Député-maire vor, er habe an einem geerbten Haus ohne Genehmigung Renovierungsarbeiten ausführen lassen. Auch habe Traversini »einen kleinen Schuppen hinter dem Haus ausbauen und in eine Art „Chalet“ umbauen« lassen, obwohl sich der Schuppen bereits in einer Grünzone und diese sich wiederum im Naturreservat »Prënzebierg« , das Teil des »Natura 2000« -Schutzgebiets sei, befinde.

Die Rücktrittsforderungen wurden von Lénk-Rat Gary Diderich und DP-Rat François Meisch am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der Gaststätte »Bache Jang« erhoben, zu der auch die LSAP Differdingen mit eingeladen hatte. LSAP-Rat Erny Muller schloß sich der Rücktrittsforderung indes ausdrücklich nicht an. Bis zum Schuldbeweis gelte die Unschuldsvermutung. Die LSAP beließ es jedoch nicht bei der Forderung nach »Aufklärung« und »Transparenz« : Alle drei Oppositionsparteien erklärten, sie hätten jeweils eine administrative Klage gegen Bürgermeister Traversini eingereicht.

In einem reichbebilderten 18-seitigen Pressedossier der drei Parteien wird die Titelfrage »Ist Bürgermeister Traversini noch tragbar ?« (wohl aus Rücksicht auf die LSAP) nicht beantwortet, und die von Diderich und Meisch aufgestellte Behauptung, ein Teil der inkriminierten Renovierungsarbeiten am geerbten Haus sei von Mitarbeitern der von Traversini präsidierten Differdinger Beschäftigungsinitiative CIGL ausgeführt worden, wird nicht wiederholt. Zur Art der ausgeführten Arbeiten heißt es im Dossier, es seien »alle Fenster und Türen ausgewechselt« worden und im Innern seien »ausführliche Renovierungsarbeiten vorgenommen« worden.

Der ebenfalls grünen Umweltministerin Carole Dieschbourg werfen Déi Lénk und DP Differdingen vor, Traversini die nötige Baugenehmigung »nachträglich« erteilt zu haben, obwohl er mit den bereits aufgenommenen Arbeiten »gegen das Naturschutzgesetz verstoßen« habe. Um den Schuppen herum sei Boden ausgehoben, Bäume gefällt und Hecken entfernt worden.

Noch schärfer als Diderich, der den vermeintlichen Skandal Mitte Juli »aufdeckte« , forderte gestern Meisch, der allzugern den Bürgermeisterstuhl von seinem in die Regierung gewechselten Bruder geerbt hätte, Traversinis Rücktritt. Meisch sprach von einer »erdrückenden Beweislast« und bezichtigte Traversini gar der Lüge, als der Bürgermeister behauptet habe, alle notwendigen Baugenehmigungen für die Arbeiten hätten vorgelegen.

Bürgermeister Traversini und KPL-Rat Ali Ruckert, die sich beide derzeit im Ausland aufhalten, haben angekündigt, am Mittwoch nächster Woche im Gemeinderat Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Gegenüber der »Zeitung« erklärte der Vertreter der vierten Oppositionspartei im Differdinger Gemeinderat, die Kommunisten hätten sich nicht an der Pressekonferenz beteiligt, weil man den Eindruck habe, es werde »Revanche für politische Niederlagen« geübt. »Hier wird doch eher der Mann, als der Ball gespielt« , so Ali Ruckert.

oe

Oliver Wagner : mercredi 11 septembre 2019