Heilige Umsteigemobilität:

RGTR komplett neu – im September 2021

Es ist schon von besonderer Güte, wenn gestern Mobilitätsminister Francois François Bausch auf einer Pressekonferenz zum landesweiten Busdienst betonte, da würden 125.000 Passagiere pro Tag befördert. Denn diese Zahlen wurden im September 2016 ermittelt, also vor drei Jahren. Inzwischen hat das Land 45.000 Arbeitsplätze mehr, wobei 48 Prozent in der Hauptstadt selbst sind und 27 Prozent in den Anliegergemeinden, weshalb die Zahl der Wege in den Zentralraum kräftig zunahm.
Am Ende ist zu erfahren, daß die geplante Reorganisation mit detaillierten Plänen für jede Linie nächste Woche an die Gemeinden geht. Diese haben sechs Wochen Zeit für ihre Stellungnahme. Das werde dann eingearbeitet und Anfang 2020 dem ehrenwerten Publikum in öffentlichen Versammlungen vorgestellt. Im Mai 2020 beginne dann die Umsetzung in Phasen, wonach das neue Busnetz im September 2021, also in zwei Jahren, komplett fertig laufe.

Bis dahin gibt es, geht die Entwicklung so weiter wie zuletzt, zusätzliche 35.000 Arbeitsplätze im Land, wobei immer noch 48 Prozent in der Hauptstadt und 27 Prozent in den Anrainergemeinden sein werden, weil da in den Allgemeinen Bebauungsplänen genug Platz für die Zunahme vorgesehen ist und es an (un)-verantwortlicher Stelle keinen politischen Willen für eine Änderung dieser Überzentralisierung gibt.

Dumm gelaufen also, auch wenn Alex Kies, Chef der Planungsabteilung im Transportministerium, auf unsere Nachfrage hin sagte, man habe das im Auge, es gäbe ständige Anpassungen und der neue Mobilitätsplan, der die Entwicklung bis 2035 beinhalte, sei in Arbeit und werde zur Mitte der Legislatur vorgestellt. Wir wünschen viel Spaß bei der Planung rund um das Chaos, das da organisiert wird!

Große Prinzipien

Genaues wurde gestern nicht verraten. Es soll aber alles besser werden, z.B. indem die Busse sich an Ampeln nicht mehr über Schleifen im Boden kurz vor ihr anmelden, sondern über das Geolokalisierungssystem. Dafür ist aber noch »ein kleines Invest zusätzlich« nötig. Bis wann das erfolgt, wurde nicht angekündigt.

Zugegeben wurde, daß es z.B. im Norden nur einen Weitertransport an den Zughaltestellen bis 20 Uhr gibt. Es kommen dort aber täglich Züge bis 1 Uhr früh an. Gesagt wurde, es sei eine Zielsetzung, dem Freizeitverkehr mehr Rechnung zu tragen, aber es wurde sich konsequent geweigert, eine Uhrzeit zu nennen, bis wann eine Weiterfahrt vom Bahnhof aus möglich werden soll. Das auch nicht mit einem Rufbus, ein System das künftig in ländlichen Gegenden außerhalb der Spitzenzeiten eingeführt werden soll. Als Beispiel hieß es da, um 10 Uhr vormittags seien nicht viele Leute im Bus, da sei ein Rufbus, der zur gewünschten Haltestelle kommt, wirtschaftlicher.

Grundsätzlich solle bis 23 Uhr gefahren werden, auch am Wochenende, aber nur auf Hauptlinien. Für den Rufbus soll eine eigene Zentrale entstehen – es werde daran gearbeitet. Bestellt werden soll vor allem mit Smartphone-Apps, es soll aber möglich bleiben, einfach nur telefonisch zu bestellen. Verraten wurde, es werde mit der Stadt Luxemburg »angedacht«, Busse aus dem Süden des Landes zum Glacis zu führen. Am unteren Glacis gibt es außerhalb der Schueberfouer einen Busparkplatz, aber?

Genaueres später!

2030 soll das ganze RGTR-Netz mit elektrischen Bussen funktionieren. Die Batteriehersteller dürfen jubeln, der Treibhausgasausstoß wird delokalisiert.
Es kommt ein neues System der Busnumerierung, aber erst ganz am Ende. Die erste Nummer gibt dann die Richtung an: 1 in den Norden, 2 Richtung Echternach, 3 Richtung Wasserbillig, 4 Richtung Remich/Mondorf, 5 Richtung Thionville, 6 Richtung Esch/Alzette, 7 Richtung Petingen, 8 Richtung Steinfort, 9 Richtung Redingen. Die zweite Nummer gibt dann die Kategorie an: 0 für Express-Busse, 1 für regionale Hauptlinien, 2 für regionale Sekundarlinien, 5 für Querlinien, die nicht durch die Hauptstadt führen, 3, 4, 6, 7, 8 und 9 für Lokallinien, die zu Express- und Querlinien führen.

Damoklesschwert Ausschreibung

Kurz vor Inkrafttreten der Ausschreibungsdirektive der EU 2009 waren die Luxemburger Verkehrsleistungen nach dem freihändigen Vergabesystem für weitere zehn Jahre verlängert worden. Das endet im laufenden Jahr. Zur Zeit wird im Ministerium am Lastenheft für die vorgeschriebene EU-weite Ausschreibung gebastelt. In einem Nebensatz verriet Minister Bausch, daß womöglich Linie für Linie ausgeschrieben wird. Das wäre schlau, um ausländische Großkonzerne zu benachteiligen, wie das ja auch bei Bauaufträgen geschieht. Aber auch hier gilt: »Laß Dich überraschen!« Wie es aussieht und welche Qualitätsforderungen im Detail gestellt werden, muß aber rasch feststehen.

Wobei Alex Kies gestern ein länderübergreifendes Problem ausmachte: »Es ist schwierig, gutes Personal zu finden.« An bessere Bezahlung scheint nicht gedacht zu werden, bei der Luxtram funktioniert die schlechtere Entlohnung schließlich prächtig! Wobei selbst bei den CFL die Zeit zwischen dem Anfangs- und dem Endgehalt gewaltig gestreckt wurde, was sich höchst negativ auf das Gesamteinkommen eines Arbeitslebens auswirkt und die Rekrutierung zur Überraschung einiger mit Höchstgehältern gewaltig erschwert hat, weil nicht einfach Grenzgänger mangels nötiger Luxemburgischkenntnisse eingestellt werden können. Asoziale Gehälterschemata wirken sich eben aus!

jmj

Mittwoch 11. September 2019