Erziehungsminister Meisch in aller Selbstzufriedenheit:

»Weiter so« – eine gefährliche Drohung

Das Schuljahr 2019/20 soll wie die Legislaturperiode 2019/23 im Zeichen von Kontinuität und Konsolidierung stehen, wenn es nach Erziehungsminister Claude Meisch geht. Das bedeutet eine weitere Zersplitterung der früher einmal einheitlichen öffentlichen Schule in noch mehr »unterschiedliche Schulen für unterschiedliche Kinder«.

Gleich einleitend bei seiner gestrigen Pressekonferenz im ersten Stock des »Forums« am Geesseknäppchen wußte Meisch mitzuteilen, er habe am Vortag im großen Saal im Erdgeschoß 450 »Akteuren« gesagt, sie sollten sich trauen, alle Möglichkeiten zu nutzen, um zu innovieren. Die Schulen sollen also nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler auf ein Niveau heben, sondern sie sollen hier und da Sonderangebote einführen, womit sie sich dann in Konkurrenz zu den anderen Schulen setzen. Das führt am Ende zu mehr und längeren Schulwegen, wenn wir davon ausgehen, daß »besondere Schüler« durch etwas »Besonderes« angezogen werden.

Natürlich will Meisch noch mehr »internationale« Angebote verwirklichen, weil aktuell erst 3,3 Prozent in der öffentlichen Schule nach solchen Programmen unterrichtet werden, die irgendwo im Ausland zusammengestellt wurden und die ganz sicher nicht auf hiesige lokale Bedürfnisse angepaßt sind. Aber egal, wenn es gilt, den Schmelztiegel der Nation zu zerschlagen, dann mit ganzer Kraft!

Minister Meisch lobte sich für 287 neue Posten für Lehrkräfte und für 193,5 neue Posten zur »Inklusion von Kindern mit besonderen Bedürfnissen«. Von den letzteren werden 45 von den 15 regionalen Direktionen verwaltet, 35 kommen in die Lyzeen und 113,5 bekommen die acht »Kompetenzzentren«, die von »privaten Akteuren« geführt werden. Diese haben den Zuschlag nach einer Ausschreibung und dem Vorlegen eines pädagogischen Konzepts erhalten. Selbst auf die Gefahr hin, es uns mit dem Roten Kreuz zu verderben, die einen dieser »Akteure« stellen, müssen wir festhalten, daß das die Ausgliederung und Privatisierung einer wesentlichen Aufgabe der öffentlichen Schule darstellt, die wir nicht billigen können. Das ist neoliberaler Ungeist in Aktion!

Auch wenn der SEW dem Ministerium gerade eben erst Arroganz und Hochnäsigkeit vorgeworfen hat, gibt es zumindest zwei Punkte, wo der Minister der Gewerkschaftskritik nachgegeben hat.

Das eine ist der beklagte ins Kraut geschossene Verwaltungsaufwand. Aktuell ist eine Arbeitsgruppe tätig, die vom Ministerium, dem SNE und dem SEW beschickt ist, um die Kommunikation der Lehrkräfte mit den regionalen Direktionen weniger bürokratisch zu gestalten. Danach soll weitergearbeitet werden an der Vereinfachung, »um uns allen das Leben einfacher zu machen« in den Schulen und auch im Ministerium. Wurde aber auch Zeit!

Das zweite ist der Bildungstisch. Die beiden Gewerkschaften SEW und SNE hatten sich darüber aufgeregt, daß da schon wieder ein neues Gremium geschaffen werden solle, wo es doch schon den »Conseil Supérieur de l‘Education Nationale« gibt. Minister Meisch hat nun eingesehen, daß da die meisten vertreten sind, die er am Bildungstisch haben wollte. Anstatt ein weiteres Gremium zu schaffen, sollen jetzt in einer Reform in den bestehenden Rat jene hineinkommen, die noch nicht drin sind, wobei der im letzten Jahr geschaffene »Observatoire de la Qualité Scolaire« dem dann wissenschaftlich zuarbeiten soll.

Ansonsten führt der Minister seinen »Dialog« aber lieber informell an den Gewerkschaften vorbei mit Schulbesuchen und Abendveranstaltungen wie jenen fünf im März 2019, wohin sich 500 Leute begaben.

Das Klima mit Besteck retten?

Im realexistierenden Kapitalismus lassen sich vor allem symbolische Maßnahmen durchsetzen, die zwar nichts Wirkliches in Sachen Klima bewirken, die aber für den einen oder anderen Profit bringen. So etwas hat auch Restopolis, der ministerielle Dienst mit 72 Kantinen und 52 Cafeterias. Für stolze neun Euro gibt es ein Inox-Behältnis für einen halben Liter kalte oder warme Flüssigkeit, was es sonstwo sicher um ein Drittel günstiger gibt. Die Plastik-Ecobox für fünf Euro, bekannt aus der Gastronomie, wird es jetzt auch bei Restopolis geben.

Dem Faß den Boden schlägt aber die Idee aus, die Schülerinnen und Schüler sollten für drei Euro eine Gabel, ein Messer und einen Löffel aus Inox in einer »trousse pratique« erwerben als Alternative zum Einmalgeschirr in den Cafeterias. Wo diese von den Jugendlichen gereinigt werden sollen, bleibt ein Geheimnis, denn so viele Waschbecken gibt es in den Schultoiletten gar nicht, um dem Ansturm in kurzer Zeit standzuhalten.

Dabei kann das Besteck ja nicht vor einer Reinigung in die praktische »trousse«, weil die sonst auch noch dreckig wird, und das Ganze dann nicht nur unhygienisch wird, sondern auch garstig stinkt in den Schließfächern. Wobei wir schnell am Geesseknäppchen nachgefragt haben: dort wurde noch kein Einweggeschirr gesichtet. Bislang gab es dort normales Besteck, und das ist genau wie die Teller von Restopolis gereinigt worden. Was also soll der Unfug?

Das erinnert an das ebenso nicht durchdachte digitale Klassenbuch, wofür jetzt alle ein Smartphone benötigen, das bisher während der Schulzeit im Gebäude verboten war. Ach ja, die Schulbücher sollen jetzt auch digitalisiert werden – aber das Mitbringen eigener Computer in die Schulstunde ist doch auch verboten?

Egal, dafür sollen die Kinderchen jetzt schon in der Grundschule programmieren und algorithmisch denken ab dem Schuljahr 2020/21 und im Jahr danach in einem neuen Fach im Untergrad der Sekundarschulen…

jmj

Wenn jede Schülerin und jeder Schüler sein eigenes Besteck bekommt, wo sollen Messer, Gabel und Löffel nach dem Essen gereinigt werden?
(Foto: dpa)

Freitag 13. September 2019