Unser Leitartikel:
Gezielt in neue Arbeitsplätze investieren

Die Zahl der Arbeitslosen wuchs innerhalb der letzten 12 Monate um 2,9 Prozent. Verständlich also, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt den Gewerkschaften nach wie vor größte Sorgen bereitet. Immerhin werden derzeit in den Listen der ADEM fast doppelt so viele Arbeitsuchende geführt wie zu Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2000, als die Zahl der Arbeitsuchenden mit 4.500 angegeben wurde, sind es deren heute sogar rund dreieinhalb Mal mehr. Hinzu kommt, dass von den 15.370 im letzten Monat registrierten Arbeitsuchenden nur 7.953 Arbeitslosengeld beziehen.

Nahezu die Hälfte aller offiziell geführten Erwerbslosen sind älter als 40, weisen vielfach nur eine geringe Qualifikation auf, sind bereits länger als ein Jahr ohne festen Arbeitsplatz und haben unter den jetzigen Umständen kaum noch Aussichten, zurück ins aktive Arbeitsleben zu finden. Eine Situation, die als dramatisch zu bezeichnen ist, besonders wenn man zu den Arbeitslosen auch die nahezu 4.000 Frauen und Männer hinzurechnet, die nur zeitbegrenzt in Beschäftigungsmaßnahmen eingebunden sind.
Nicht mehr in den Statistiken geführt werden bekanntlich in Luxemburg wohnende krankgeschriebene Arbeitsuchende und arbeitslose Frauen im Mutterschaftsurlaub. Das gleiche gilt für rund 2.500 Grenzgänger, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr in Lage sind die ihnen abverlangte Arbeit auszuüben, denen als »Reklassierte« (reclassement externe)« allerdings kein neuer Arbeitsplatz angeboten werden konnte.

Rechnet man dann auch noch die vielen Frauen und Männer hinzu, die die Hoffnung auf Arbeit aufgegeben haben und nicht mehr beim Arbeitsamt vorsprechen, so kommt man auf eine Zahl von Menschen ohne Arbeit, die um ein Vielfaches höher liegt als die, die allmonatlich von der Arbeitsmarktverwaltung angegeben wird. Es ist also keinesfalls übertrieben, wenn man die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt als katastrophal bezeichnet.
Um diese abzufedern, bedarf es eines Umdenkens in der Beschäftigungspolitik. Fakt ist, dass schnellstens neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Dabei darf jedoch nicht weiter vorrangig in die Hochtechnologie investiert werden, es müssen unbedingt auch endlich ausreichend neue Arbeitsplätze her, die sowohl Arbeitsuchenden mit nur geringer Qualifikation wie auch Erwerbstätigen, die nicht mehr in der Lage sind jederzeit 100 Prozent abzuliefern, zugänglich wären. Sektoren, die sich hierzu eignen, gibt es zuhauf.

Darüber hinaus wären eine Einführung der 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, eine sechste Urlaubswoche, die strikte Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten, Neueinstellungen statt der vielen Überstunden, weniger Deregulierung der Arbeitszeitregelung sowie das Recht auf eine Vollrente für alle Beschäftigte im Alter von 57 Jahren bei 35 Beitragsjahren weitere wichtige Schritte im Kampf gegen das Übel Arbeitslosigkeit.

Sollte sich die Regierung dazu entscheiden, auch nur einige dieser Vorschläge anzugehen, an Beschäftigung würde es den Beschäftigten der zuständigen Ministerien in den kommenden Jahren sicher nicht fehlen.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Montag 30. September 2019