US-Automobilzulieferer Delphi lagert Betriebsabteilungen aus

In Niederkerschen stehen 250 Arbeitsplätze auf der Kippe

Der US-amerikanische Automobilzulieferer Delphi Technologies kündigte am 31. Oktober für die Zeit bis 2021 einen umfassenden Restrukturierungsplan in seinen Produktionsanlagen an. Davon betroffen sein soll auch die Niederlassung in Niederkerschen (Bascharage) im Süden des Landes. Dort sollen mehr als 250 der insgesamt 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Hinzu käme eine gewisse Anzahl von Beschäftigten, die bei Subunternehmen auf dem Werksgelände und bei Zulieferern von außerhalb arbeiten.

Das Unternehmen setzte die Belegschaft aus Niederkerschen davon in Kenntnis, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre zwei Betriebsabteilungen – die Abteilung »Kraftstoffeinspritzsystem« und die Abteilung »Komponenten« – geschlossen und hauptsächlich nach Blois im Departement Loir-et-Cher im Zentrum Frankreichs ausgelagert werden sollen, wo Delphi seit 2011 eine Niederlassung hat.

OGBL fordert Plan zur Aufrechterhaltung der Beschäftigung
Noch bevor der Rationalisierungsplan öffentlich wurde, hatte die Personaldelegation, unterstützt von der Gewerkschaft OGBL, die den Kollektivvertrag mit dem Unternehmen ausgehandelt und unterzeichnet hatte, die Direktion aufgefordert, sich der Diskussion über einen Plan zur Aufrechterhaltung der Beschäftigung (»Plan de maintien dans l’emploi«) zu stellen. Damit soll verhindert werden, dass 250 Beschäftigte kurzerhand entlassen werden.

Delphi betreibt seit 1971 eine Niederlassung in Niederkerschen, hat im Laufe der vergangenen 10 Jahre aber bereits mehrmals Betriebsabteilungen geschlossen, beziehungsweise verkauft und zahlreiche Beschäftigte über Sozialpläne auf die Straße gesetzt. Im Jahr 2015 hatte der deutsche Automobilzulieferer Mahle die Thermomanagement-Abteilung von Delphi samt der ganzen Belegschaft übernommen.

Mahle hatte allerdings bereits im vergangenen Jahr 63 Beschäftigte über einen Sozialplan abgebaut, und am 23. Oktober dieses Jahres hatte der Konzern angekündigt, den Standort in Foetz bis Mitte 2021 ganz schließen zu wollen. Davon betroffen sind 78 Beschäftigte.

Entscheidungsträger sitzen im Ausland

In der Mitteilung des OGBL zum Abbau bei Delphi Technologies in Niederkerschen heißt es, die Gewerkschaft »beobachte mit großer Verbitterung, dass die Entscheidungsträger von solchen Restrukturierungsmaßnahmen, welche bei den Beschäftigten für Ungewissheit und Angst sorgen, sich im Ausland befinden, und dass die attraktiven und wettbewerbsfähigen Aspekte des Standorts Luxemburg zu oft und weitgehend ignoriert oder sogar verschweigen werden.«

Tatsache ist, dass die Konzerne die einzelnen Standorte in Konkurrenz setzen und hemmungslos gegeneinander ausspielen. Strategische Neuausrichtungen, Restrukturierungen und Produktionsverlagerungen richten sich in allen Fällen und allein nach dem zu erwartenden Maximalprofit. Aus.

Bei Mahle liest das sich in der Mitteilung vom 23. Oktober 2019 wie folgt: »Im März 2019 hat Mahle ein internes Programm zur Kostensenkung gestartet, das die bereits Anfang 2018 initiierten Programme zur Profitabilitätssteigerung ergänzt. In diesem Zuge hat der Konzern die kontinuierliche Überprüfung seiner globalen Standorte und Strukturen forciert«.

Nationale Industriepolitik fehlt

Tatsache ist auch, dass wir es hier mit den Folgen einer Industriepolitik zu tun haben, welche sich weitgehend darauf beschränkt, über Steuergeschenke und alle möglichen Subventionen Niederlassungen von ausländischen Konzernen in Luxemburg anzusiedeln. Bestrebungen über einen staatlichen Beteiligungsfonds ganz gezielt Investitionen in den Aufbau von nationalen Industrie- und Handwerksbetrieben vorzunehmen, blieben bisher aus.

A.R.

Im Werk von Delphi in Niederkerschen sollen 250 der insgesamt 500 Arbeitsplätze abgebaut werden (Foto: ZLV)

Ali Ruckert : Montag 4. November 2019