Die Hürden für die älteren Beschäftigte werden immer höher

Lange Jahre wurde auf Drängen der EU daran gebastelt, um die Erwerbstätigen länger im Arbeitsprozess zu halten. So trat beispielsweise bereits im Juni 2002 ein Gesetz in Kraft, das zum Ziel hatte, die Schaffenden durch finanzielle Anreize im späteren Pensionsalter dazu zu bewegen, erst später in Pension zu treten. Der erhoffte Erfolg blieb allerdings aus, die »Erfolgsmeldungen« blieben weit hinter den Erwartungen zurück. So wurde an einer weiteren Lösung gebastelt, die dann zehn Jahre später mit der Rentenkürzungsreform in Kraft trat.

Das reformierte Gesetz hielt nämlich fest, dass jeder, der ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes in den Arbeitsprozess tritt, drei Jahre länger arbeiten muss, wenn er keine drastische Rentenkürzung in Kauf nehmen will. Wer aus welchen Gründen auch immer, schon nach 40 Versicherungsjahren (wie vor der Reform üblich) in den Ruhestand treten will oder muss, wird bekanntlich 15 Prozent weniger Rente beziehen als vor der Reform. »Pension à la carte« hatte der zuständige LSAP-Minister die Reform damals heuchlerisch genannt.

Aufgrund der sich ständig verschlechternden Arbeitsbedingungen – massive Flexibilisierung und zunehmende Deregulierung der Arbeitszeitregelung – muss die Frage erlaubt sein, ob es dem Großteil der Schaffenden überhaupt möglich sein wird, drei Jahre länger im Arbeitsprozess zu bleiben? Kaum, denn die Realität um Terrain belegt in aller Deutlichkeit, dass das Patronat immer weniger auf »ältere« Mitarbeiter setzt. Die Hürden, die ihnen in den Weg gestellt werden, werden immer unüberwindbarer. Und zwar in einem Maße, dass man in manchen Sektoren schon mit 40 zum »alten Eisen« gezählt wird.

Beispiele, die dies belegen, gibt es zuhauf. Werden beispielsweise bei Restrukturierungen Arbeitsplätze gestrichen, dann stehen »ältere« Mitarbeiter meistens ganz oben auf den Abbaulisten. Der Weg zurück ins aktive Leben bleibt ihnen dann anschließend meistens versperrt, wie es aus den Statistiken der ADEM herauszulesen ist. So war im vorangegangenen Monat fast die Hälfte aller Arbeitslosen älter als 45.

Wieso das so ist, müsste eigentlich allen klar sein: Unternehmer betrachten jüngere Mitarbeiter ganz einfach als flexibler, polyvalenter, unverbrauchter und weitaus billiger als erfahrenere Arbeitskräfte.

Fakt ist, dass im reichen Luxemburg aufgrund dieser Beschäftigungspolitik nahezu jeder Zweite von der ADEM geführte Arbeitsuchende bereits länger als 12 Monate ohne festen Arbeitsplatz ist.

Abschließend sei daran erinnert, dass hierzulande jeder Versicherte gesetzlich Anspruch auf eine Altersrente hat, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat und mindestens 120 Versicherungsmonate (10 Jahre) Pflicht-, Weiter-, freiwillige oder Nachversicherung nachweisen kann.

Darüber hinaus gibt es nach wie vor die vorgezogenen Altersrenten (»rentes anticipées«) – die eine bei Erreichen des 60. Lebensjahrs, bei 480 Monaten effektive, angerechnete und freiwillige Versicherungszeiten (davon mindestens 120 Monate Pflichtversicherungszeiten), die andere bei Erreichen des 57. Lebensjahrs, bei 480 Monaten (40 Jahre) Pflichtversicherungszeiten.

g.s.

Donnerstag 7. November 2019