Unser Leitartikel:
Alternativen zur Konzernlogik

Während der vergangenen Woche kamen gleich zwei Hiobsbotschaften aus dem Industriebereich. Der in Niederkerschen ansässige Automobilzulieferer Delphi, der 500 Beschäftigte zählt, wird bis 2021 einen Teil der Produktion nach Blois in Frankreich auslagern und die Hälfte seiner Belegschaft abbauen, während das in Foetz angesiedelte Unternehmen Mahle, das im gleichen Wirtschaftsbereich tätig ist und 2015 sogar eine ganze Abteilung von Delphi übernommen hatte, ganz schließen und 78 Beschäftigte auf die Straße setzen wird.

Dies hat direkt mit der Umstellung der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor auf Elektromobilität zu tun, welche zu einem ganz massiven Abbau von Arbeitsplätzen im Bereich der Automobilindustrie und deren Zulieferern führen wird, was auch damit zusammenhängt, dass ein Achtzylindermotor 1.200 Teile hat, ein Elektromotor aber nur 17 Teile. Bei Mahle klang das so: »Durch den starken Trend zu elektrifizierten Fahrzeugen ist eine integrierte Produktentwicklung des elektrischen Kompressors ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit. Mit der Verlagerung der Entwicklungsaktivitäten aus Luxemburg an Mahle-Standorte mit Expertise in den Bereichen Elektromotoren und Elektronik werden nun auch die räumlichen Voraussetzungen für eine noch effizientere Verzahnung und eine effektivere Zusammenarbeit der Entwicklungsteams geschaffen.«

Was nach Vernunft klingt, ist in Wirklichkeit knallharte Konzernlogik, ausgerichtet allein auf den Profit. In diesem Fall spielt zwar der schnelle technologische Wandel eine gewisse Rolle, aber auch unter »normalen« Umständen ist Standortbestimmung bei Konzernen immer an die Profimaximierung gekoppelt. Die Beschäftigten eines Werkes oder die Region, in welcher sich das Werk befindet, werden ganz schnell abgeschrieben, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Für Luxemburg heißt das auch, dass Entscheidungen über Fortbestand oder Auslagerung (fast) immer im Ausland fallen.

Das hinderte die aufeinander folgenden Regierungen nicht daran, eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, welche – neben der Förderung des Finanzkapitalismus – weitgehend darin besteht, über Steuervorteile und sonstige Subventionen Niederlassungen von ausländischen Konzernen nach Luxemburg zu holen und die besten Rahmenbedingungen für die Kapitalverwertung und die Umverteilung zugunsten des Großkapitals zu schaffen.

Die negativen Folgen einer solchen Politik haben immer die Lohnabhängigen zu tragen, und ihren Gewerkschaften ist es dann im besten Fall vorbehalten, Sozialpläne und Entschädigungen auszuhandeln, um den tiefen Fall erträglicher zu gestalten.
Bleibt die Frage, ob es dazu Alternativen gibt. Die Frage ist leicht mit Ja zu beantworten, aber deren Verwirklichung ist kompliziert. Dazu zählt, dass die Beteiligungen des Luxemburger Staates an mehr als hundert Unternehmen in einem Investitionsfonds gebündelt und genutzt werden könnten, um ganz gezielt Investitionen in nationale Industrie- und Handwerksbetriebe vorzunehmen, und parallel dazu eine Reihe Großbetriebe und Banken zu vergesellschaften.

Voraussetzung für einen solchen Systemwechsel ist, dass große Teile der Lohnabhängigen sich dieser Notwendigkeit bewusst werden und dem entsprechend handeln. Was nicht ist, aber noch werden kann.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Freitag 8. November 2019