Unser Leitartikel:
So kann es nicht weitergehen!

Aus den Betrieben hört man immer häufiger, dass die Posten unterbesetzt sind, das Arbeitsvolumen, das die Belegschaften zu bewältigen haben, permanent wächst. Völlige Erschöpfung bis hin zu zunehmenden psychischen Erkrankungen ist die logische Folge. Von Erwerbstätigen, die an Burnout erkranken, ist aus den Betrieben jedenfalls immer häufiger zu hören.

Doch statt neue Arbeitskräfte einzustellen und damit das Personal zu entlasten, wird weiter abgebaut, indem normale Abgänge immer seltener ersetzt werden. Reservefaktoren bei der Errechnung der notwendigen Postenbesetzung gibt es schon lange nicht mehr. Bei krankheitsbedingten Abwesenheiten sowie während den Urlaubsperioden wird die anstehende Mehrarbeit ganz einfach rücksichtslos auf das Restpersonal abgewälzt.

Doch damit nicht genug. Es mehren sich die Beschwerden, dass das Patronat immer willkürlicher auch über Ruhepausen und Urlaubstage seiner Mitarbeiter verfügt. So soll es sich nicht mehr nur um Einzelfälle handeln, dass Beschäftigte, die in den Augen ihres Vorgesetzten nicht ausreichend ausgelastet sind, einfach nach Hause geschickt werden und die aufgezwungenen Fehlstunden als Urlaub verrechnet bekommen.

Dass das Arbeitsklima unter solchen Umständen leidet und die Stimmung in den Betrieben zunehmend gereizter wird, ist verständlich. Zumal neben den immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen die Ausbeutung spürbar zunimmt, die Löhne seit Jahren stagnieren, die Beschwerden über Reallohnverluste zunehmen. Erinnert sei daran, dass vielerorts Einstiegslöhne gekürzt, Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen, außer Kraft gesetzt, Prämien gestrichen, Überstunden immer seltener als solche finanziell vergütet werden.

Hinzu kommt, dass neue Arbeitskräfte zunehmend nur mehr mit zeitbegrenzten Verträgen (CDD) statt der früher üblichen unbefristeten Verträgen (CDI) eingestellt werden. Längerfristig planen können diese Menschen nicht, zumal die Praxis zeigt, dass viele dieser Arbeitsverträge entweder schon während der Probezeit oder direkt nach Ablauf der Vertragsdauer gekündigt werden. Eine Vorgehensweise, die nicht nur dazu dient, den Druck auf die Neueingestellten, sondern auf die gesamte Belegschaft massiv zu erhöhen, und darüber hinaus zur Folge hat, dass – ob in Betrieben mit oder ohne Kollektivvertrag – ein immer größerer Teil der Belegschaft mit Niedriglöhnen abgespeist werden kann.

Doch nicht allein die stagnierende oder gar degressive Lohnentwicklung macht den arbeitenden Menschen immer schwerer zu schaffen. Erschwerend gesellt sich dazu, dass maximale Flexibilisierung und zunehmende Deregulierung der Arbeitszeitorganisation inzwischen dazu geführt haben, dass öfters abgeänderte und längere Arbeitszeiten, zunehmende Arbeit an Wochenenden, Mehrarbeit und Überstunden vielerorts praktisch zur Normalität geworden sind. Was es den Beschäftigten immer schwerer macht, Beruf, Familie und Freizeit unter einen Hut zu kriegen.

Eine Entwicklung, die so nicht weiter hingenommen werden kann. Im Interesse aller Schaffenden muss sie schnellstens gestoppt werden, ganz im Sinne von »De Mënsch virum Profit«!

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 19. November 2019