Bausch plädiert für »grünere, ethischere und effizientere« EU-Militärmacht

Grüner Armeeminister einer der Hauptredner auf EDA-Jahreskonferenz in Brüssel

Am Donnerstag war der grüne Armeeminister François Bausch einer der Hauptredner auf der Jahreskonferenz der »Europäischen Verteidigungsagentur« (EDA) in Brüssel. Einem am Dienstag von der Direction de la défense vorab verschickten Kommuniqué zufolge sollte er zusammen mit seinen Amtskollegen aus Polen, Mariusz Blaszczak, Österreich, Thomas Starlinger, und Portugal, João Gomes Cravinho, die Frage »Quo vadis European defence ?« erörtern. Gestern in der Mittagsstunde teilte das Außenministerium dann über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, Bausch habe in Brüssel für eine »grünere, ethischere und effizientere« EU-Militärmacht plädiert.

In voller Länge lautet der Tweed : »Ministre de la Défense François #Bausch à la #EDAconf19 : “L’Europe de la Défense doit devenir plus verte, plus éthique et plus efficiente.” #EUDefence« . Mehr wurde leider auch in einer am Nachmittag verschickten weiteren Mitteilung der Direction de la défense nicht mitgeteilt, es blieb bei den Schlagworten. Nun gut, auf eine Steigerung der militärischen Effizienz EU-Europas wurde die EDA schon bei ihrer Gründung im Jahr 2004 festgelegt ; und »ethisch« bzw. »humanitär« verbrämte Kriege kennen wir längst von der NATO ; wir hätten aber zu gerne erfahren, wie Bausch gedenkt, die hundsmiserable Umwelt- und vor allem Klimabilanz von Kampfjets, Kriegsschiffen und Bomben zu verbessern.
Erst im Juni dieses Jahres hatte eine Studie der Brown University belegt, daß das US-amerikanische Militär als weltgrößter Verbraucher von aus Erdöl hergestellten Treibstoffen auch der größte Erzeuger von Treibhausgasen ist. Allein im Jahr 2017 übertrafen die Treibhausgasemissionen des Pentagons die der Emissionen ganz Dänemarks oder Schwedens. Das dürfte auch der Grund gewesen sein, daß die USA-Regierung darauf drängte, »militärbedingte Emissionen« aus dem 1997 unterzeichneten Kyoto-Protokoll auszuklammern.

Dabei sind die hohen »militärbedingten Emissionen« nicht allein auf die ständigen Kriegseinsätze zurückzuführen, sondern auch auf große und kleinere Manöver und auf sonstige militärische Übungen. Das Kriegsgerät verbraucht halt unheimlich viel Treibstoff und erzeugt damit viel Treibhausgas. So werden in einer einzigen Flugstunde des Jagdflugzeugs »Eurofighter« elf Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen – ungefähr so viel wie von einer Durchschnittsperson in einem ganzen Jahr. Auch Manöverunfälle führen oft zu erheblichen Umwelt- und Klimaschäden – z.B. wenn es zu Waldbränden kommt, bei denen gewaltige Mengen Treibhausgase und Feinstaub freigesetzt werden.

Im (von Déi Gréng damals noch von den Oppositionsbänken aus mitgetragenen) NATO-Krieg gegen Jugoslawien wurde 1999 unter anderem die Kunststoffabrik HIPetrohemija, die Raffinerie NIS und die Düngemittelfabrik HIP Azotara in serbischen Pancevo bombardiert. Der leichtentzündliche Treibstoff brannte wochenlang und verschmutzte Luft und Boden für lange Zeit. Zu nennen ist auch der Einsatz von Uranmunition durch die USA auf dem Balkan, von weißem Phosphor im irakischen Falludscha, des hochgiftigen Entlaubungsmittels »Agent Orange« und von Napalm im Vietnamkrieg sowie von Atombomben gegen die japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg.

Während Bausch & Co. versuchen, den Klimawandel als »sicherheitspolitische Herausforderung« darzustellen, die das Militär benötigt, um die Lage unter Kontrolle bzw. den Status Quo der ökonomischen und geopolitischen Kapitalinteressen zu halten, gehört das Militär tatsächlich zu den wichtigsten Verursachern dieser Klimakatastrophe.

oe

François Bausch (2.v.l.) gestern bei der EDA auf dem Podium (Foto : Außenministerium)

Oliver Wagner : jeudi 28 novembre 2019