Faschistisches Netzwerk in Italien

Waffen, Bomben, Sprengstoff und Nazi-Dokumente bei einer »Nationalsozialistischen Italienischen Arbeiterpartei« sichergestellt

Italienische Medien meldeten am Wochenende, daß es der italienischen Antiterror-Polizei (DIGOS) nach umfangreichen Ermittlungen gelang, eine rechtsextreme Organisation, die sich »Nationalsozialistische Italienische Arbeiterpartei« (NSIAP) nannte, zu zerschlagen. Im Rahmen der Operation führten die Beamten der DIGOS, laut der staatlichen Nachrichtenagentur ANSA in ganz Italien eine Vielzahl von Hausdurchsuchungen durch, wobei umfangreiches rechtsextremes, antisemitisches Propagandamaterial, darunter ein Partei-Programm, sowie Waffen, Bomben und Sprengstoff sichergestellt wurden.

Unter den Dokumenten habe sich auch ein Flugblatt mit Drohungen gegen einen Politiker der sozialdemokratischen Partei PD befunden. Das »umfangreiches Netzwerk rechtsextremer Zellen« sei dabei gewesen, sich »zu einer größeren Organisation zusammenzuschließen und eine neonazistische, fremdenfeindliche und antisemitische Partei, den ‚Partito Nazionalsocialista Italiano dei Lavoratori’ zu gründen«, schrieb das Online-Portal der »Südtirol News«.

In Vincenza, Verona, Padua und weiteren Städten wurden die Wohnungen von 19 Personen durchsucht, darunter die einer 48 -jährigen verheirateten Frau und Mutter, die sich im Netz »Hitlers Oberfeldwebel« nannte und sich leidenschaftlich zum »Führer« bekannte, berichtete der Mailänder »Corriere della Sera«. Als Mitglied der »Nationalen Leitung« habe sie sich als Frauenleiterin besonders der Gewinnung von Frauen für die NSIAP gewidmet. Eine 26-Jährige aus Pozzo d’Adda in der Provinz Mailand sei zur »Miss Hitler« gewählt worden. Die Frauenchefin habe in der Region Veneto – regiert von der Lega Salvinis – zahlreiche Werbe-Veranstaltungen durchführen können. Gegen sie werde u.a. »wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und Verherrlichung des Antisemitismus« ermittelt, teilte der Leiter der DIGOS von Padua, Giovanni Di Stavola mit.

In Lissabon habe es, so der »Corriere« weiter, bereits ein Treffen mit einer »nationalsozialistisch orientierten Bewegung Portugals« gegeben, um eine transnationale Allianz der Faschisten Portugals, Italiens und Frankreichs zu bilden.
ANSA zitiert aus einem DIGOS-Bericht der Stadt Enna auf Sizilien und des Internen Antiterrorismus-Dienstes, daß zu den Akteuren des Netzwerkes ein führender Vertreter der »Ndrangheta«, der Mafia der süditalienischen Region Calabria gehört, die als mächtigste kriminelle Organisation im weltweiten Drogenhandel gilt und der »in der Vergangenheit ein Kollaborateur der Justiz« gewesen sei, sowie ein Vertreter der Forza Nuova für den Westen Liguriens.

Die Forza Nuova (Neue Kraft) ist eine 1997 aus früheren neofaschistische Organisationen, darunter der pseudorevolutionär getarnten Nuclei Armati RIvoluzionari (Bewaffneten Revolutionären Zellen) hervorgegangene Terrororganisation, die als »Sturmtrupp« der Lega Salvinis agiert. Ihr Gründer und Leiter Roberto Fiore war an dem faschistischen Anschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna von 1980 mit 85 Toten und mehr als 100 Verletzten beteiligt. Er floh nach Britannien und wurde in Abwesenheit zu neun Jahren Haft verurteilt. London verweigerte seine Auslieferung, weil er angeblich für den britischen Geheimdienst gearbeitet habe. Später kehrte er nach Italien zurück, verbüßte einen Teil der Strafe. Nachdem die ins EU-Parlament gewählte Mussolini-Enkelin Alessandra Mussolini, mit der die FN zur Wahl angetreten war, ihr Mandat als EU-Parlamentarierin niederlegte, übernahm Roberto Fiore deren Mandat in Straßburg. Offensichtlich stört man sich dort nicht daran, daß Faschisten und Terroristen auf den Bänken des EU-Parlaments sitzen.

Die Aufdeckung des neuen schwarzen Netzwerkes ordnet sich in eine Vielzahl erst kürzlich enthüllter Aktivitäten ein, die in bedrohlicher Weise den am faschistischen Diktator Mussolinis orientierten Kurs der Lega Salvinis deutlich machen. Darunter im Oktober die Aufdeckung einer neofaschistischen Gruppe, die in der Toskana bei Siena mit der Sprengung einer Gasleitung einen Anschlag auf eine Moschee geplant hatte.
Von besagter Forza Nuova rotteten sich am 22. Oktober, dem Jahrestag des »Marsches auf Rom«, des faschistischen Putsches Mussolinis, 5.000 Faschisten in Predappio, dem Geburts- und Begräbnisort des »Duce« zusammen, der von einem Bürgermeister der Lega regiert wird, und verherrlichten nach dem zuvor von Salvini gezeigten Beispiel mit »Führergruß« und »Sieg Heil«-Rufen dessen Herrschaft.

Gerhard Feldbauer

Waffen und Propagandamaterial, das von der italienischen Staatspolizei am 28. November bei einer Durchsuchung im süditalienischen Enna gefunden wurde
(Foto: EPA-EFE/ITALIAN STATE POLICE)

Montag 2. Dezember 2019