Israel will neues jüdisches Viertel in Hebron bauen

Jerusalem – Israel will inmitten der geteilten Stadt Hebron im Westjordanland ein neues jüdisches Viertel bauen. Kriegsminister Naftali Bennett verkündete am Sonntag Baupläne für den seit 1994 geschlossenen palästinensischen Großmarkt. Außerdem will Israel umgerechnet gut zehn Millionen Euro in die Sicherheit seiner Siedlungen im Westjordanland investieren, wie Regierungschef Benjamin Netanjahu am Sonntag in Jerusalem sagte.

Die israelische Friedensorganisation Peace Now kritisierte die Baupläne in Hebron umgehend. Ein neues jüdisches Viertel in der Stadt werde Israel »moralisch, sicherheitspolitisch und juristisch schweren Schaden zufügen«, sagte ihre Sprecherin Chagit Ofran. Die israelische Präsenz in der Stadt sei eine Bürde für die Armee und lähme seit Jahrzehnten das palästinensische Alltagsleben.

Seit 1998 ist Hebron zweigeteilt: Einen Teil kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde, den anderen Israel. Mitten in der Stadt mit rund 210.000 Palästinensern leben rund 800 israelische Siedler. Wegen der Präsenz von Siedlern und Soldaten mußten Palästinenser im Stadtzentrum Geschäfte und Wohnungen aufgeben.
Laut Bennetts Plan sollen die Gebäude auf dem Markt abgerissen und neu gebaut werden. Die palästinensischen Geschäfte im Erdgeschoß sollten aber bestehen bleiben und die Rechte der Besitzer nicht beeinträchtigt werden, wird in der Mitteilung behauptet.

Das neue Viertel solle eine territoriale Verbindung zwischen dem jüdischen Viertel Avraham Avinu und den Patriarchengräbern in Hebron schaffen sowie die Zahl der israelischen Siedler in der Stadt verdoppeln. Bis zu einem Massaker einer arabischen Menge an 67 Juden in Hebron 1929 sei der Markt in jüdischem Besitz gewesen. Die Patriarchengräber sind für Juden, Christen und Muslime heilig – und heute auf eine Moschee und eine Synagoge aufgeteilt.

Die israelischen Behörden hatten den palästinensischen Großmarkt nach dem »Goldstein-Massaker« im Februar 1994 geschlossen. Der extremistische Siedler Baruch Goldstein hatte im Patriarchen-Grab 29 betende Muslime erschossen.

Israel hatte 1967 während des Sechstagekriegs unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem besetzt. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil eines unabhängigen Staates. Der UNO-Sicherheitsrat hatte 2016 einen kompletten Stop des israelischen Siedlungsbaus gefordert. USA-Außenminister Mike Pompeo hatte allerdings vor zwei Wochen erklärt, der Bau von israelischen Siedlungen im Westjordanland sei aus Sicht der USA »nicht per se unvereinbar mit Internationalem Recht«.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sagte: »Die israelische Entscheidung zum Bau einer neuen illegalen Siedlung im besetzten Hebron ist das erste greifbare Ergebnis der USA-Entscheidung, die Besiedlung zu legitimieren.« Er forderte konkrete Schritte der »internationalen Gemeinschaft« gegen Israels Siedlungspolitik, einschließlich von Sanktionen.

(dpa/ZLV)

Der alte Markt in Hebron (1.12.12019) (Foto: HAZEM BADER/AFP)

Montag 2. Dezember 2019