Landesverband votiert für Ehe auf Probe

FNCTTFEL soll »ein autonomes Syndikat im OGBL« werden. Verbandsleitung spricht von »provisorischer Integration«

Drei Viertel der Delegierten des außerordentlichen Kongresses des FNCTTFEL-Landesverbands haben für eine »provisorische Integration« in den OGBL gestimmt. Wie Verbandspräsident Georges Merenz am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Casino Syndical in Luxemburg-Bonneweg erklärte, stimmten am Vorabend 76,19 Prozent der Delegierten für den Antrag der Verbandsleitung über »die Intensivierung und die Absicherung der Zusammenarbeit mit dem OGBL«, 17,14 Prozent votierten dagegen und 6,67 Prozent enthielten sich.

Wenn Ende dieser Woche auch die Delegierten des OGBL-Kongresses mehrheitlich dafür stimmen, dann wird die 1909 gegründete Fédération Nationale des Cheminots, Travailleurs du Transport, Fonctionnaires et Employés Luxembourgeois zunächst zu einem »autonomen Syndikat im OGBL«, bevor Ende 2024 ein Kongreß entscheiden soll, ob es zur »definitiven Integration« des Landesverbands in den Onofhängege Gewerkschaftsbond kommt. Für Ende 2022 ist eine Zwischenbilanz der »provisorischen Integration« vorgesehen, diese soll am 1. Juli nächsten Jahres beginnen, wenn der OGBL die Einkassierung der Mitglieder übernimmt.

Sowohl Verbandspräsident Merenz als auch sein Vorvorgänger und Ehrenpräsident Nico Wennmacher betonten die weitreichende Unabhängigkeit des noch zu gründenden OGBL-Syndikats »Eisenbahnen FNCTTFEL-Landesverband«, das »allen Mitarbeitern schienengebundener Unternehmen« offenstehe – also neben den Mitarbeitern einer CFL-Tochter auch die der Luxtram S.A.

Die Verbandsleitung hatte sich schon vor zwei Jahren per Kongreßbeschluß auffordern lassen, Gespräche mit dem OGBL über eine engere Zusammenarbeit »bis hin zu einer Fusion« zu führen. Die 17 Prozent Nein-Stimmen erklärte Wennmacher auf Nachfrage mit »emotionalen Gründen«, die aber durchaus verständlich und wohl darauf zurückzuführen seien, daß Landesverband und OGBL »nicht immer auf einer Linie« gewesen seien. So habe der OGBL den Widerstand des Landesverbands gegen die erste Indexmanipulation im Jahr 1981 anfangs nicht mitgetragen, habe sich dann aber im April 1982 am Streik der 80.000 gegen die Indexmanipulation beteiligt.

Gegensätze wie es sie auch 1998 hinsichtlich der Pensionsreform zwischen den beiden Gewerkschaften gab, seien »längst überwunden«, versicherte Ehrenpräsident Wennmacher. Fusionsskeptikern in den eigenen Reihen hielt er entgegen, das künftige OGBL-Syndikat Eisenbahnen werde den Namen der Traditionsgewerkschaft weiter führen und es werde wie das Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) eine Sonderstellung einnehmen.

Und so wird in der Kongreßresolution des Landesverbands nicht nur »eine strukturelle Erhöhung des Mindestlohns, die deren Bezieher vom Armutsrisiko befreit« gefordert, sondern auch »die Wiedereinführung der Vorschußindextranche von 1,5 Prozent«. Damit würde die erste Indexmanipulation von Anfang der 80er Jahre rückgängig gemacht.

oe

Die Leitung des Landesverbands auf der gestrigen Pressekonferenz (v.l.n.r.): Generalsekretär Georges Melchers, der Präsident des Sektors Öffentlicher Dienst Fernand Schiltz, Verbandspräsident Georges Merenz und sein Vorvorgänger und Ehrenpräsident Nico Wennmacher
(Foto: ZLV)

Dienstag 3. Dezember 2019