Unser Leitartikel :
Wie das Handwerk aufzuwerten ist

Das Handwerk müsse aufgewertet werden. Dazu benötige es flexibles und bestens ausgebildetes Personal, so zwei rezente Aussagen der Handwerksföderation. Forderungen, die für uns Kommunisten kein Neuland sind, treten wir doch schon seit vielen Jahren dafür ein.

Eine Aufwertung, die allerdings nicht zu Lasten der Schaffenden erfolgen darf. Doch genau dies fordert besagte Patronatsorganisation. Wer nämlich für eine bessere Berufsausbildung und eine Aufwertung des Handwerks eintreten will, darf nicht im gleichen Atemzug bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen den Mindestlohn stänkern, für eine moderatere Lohnpolitik eintreten und sich für eine Beschneidung hart erkämpfter Errungenschaften stark machen.

Das kann so nicht akzeptiert werden. Wer junge Menschen wirklich für das Handwerk begeistern will, muss ihnen Zukunftsperspektiven bieten. Zu diesen gehören ordentliche Löhne, Aufstiegschancen im erlernten Beruf und – was in Krisenzeiten nicht minder wichtig ist – eine Arbeitsplatzgarantie.

Hinzu kommt, dass jungen Menschen, die man für das Erlernen eines Berufs gewinnen will, vor Beginn der Lehre garantiert werden muss, nach bestandener Lehre vom Betrieb übernommen zu werden. Was heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. So kommt es immer häufiger vor, dass jungen Menschen nach bestandener Gesellprüfung kein Arbeitsvertrag angeboten wird. Was dazu führt, dass immer weniger junge Menschen das Risiko einzugehen bereit sind, während drei Jahren als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, um dann trotz erlerntem Beruf auf der Straße zu landen.

Eine weitere Hemmschwelle, eine Lehre anzutreten, besteht darin, dass die Arbeit, die man im Privatsektor als Handwerker zu verrichten hat – sollte man nach Ende der betrieblichen und schulischen Ausbildung im erlernten Beruf eine Anstellung finden – vielfach unterbezahlt ist. Und dies nicht nur in den Anfangsjahren der beruflichen Laufbahn. Ein Blick in so manchen Kollektivvertrag zeigt, dass Handwerker trotz Qualifikation vielfach nur mit dem qualifizierten Mindestlohn – oder nur knapp darüber – abgespeist werden. Zu wenig, um ein Leben in Würde führen zu können.
Eine nicht minder große Hürde, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, ist die hohe Zahl an Handwerksbetrieben, die sich in den letzten Jahren in Schwierigkeiten wähnten und für negative Schlagzeilen sorgen.

Eine Aufwertung des Handwerks kann nur über eine Umverteilung der Gewinne erreicht werden. Gewinne, die nicht weiter vorrangig in die Taschen der Betriebsinhaber fließen dürfen, sondern in eine qualitativ bessere Berufsausbildung, in neue Arbeitsplätze – auch solche für Hilfshandwerker mit weniger Qualifikation – in höhere Löhne und in die Absicherung der Arbeitsplätze investiert werden müssen.
Wer jedoch, so wie es die Handwerkskammer tut, verlorene Markanteile über Sozialabbau und eine Reduzierung der Lohnmasse zurückgewinnen will, muss mit der Kritik leben, dass ihre Forderung, das Handwerk aufzuwerten, an Heuchelei kaum zu überbieten ist. Nicht an echten Zukunftsperspektiven für die im Handwerk beschäftigten Arbeiter ist das Patronat interessiert, sondern an einer Maximierung der Profite.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : mardi 3 décembre 2019