Eisenbahn: Trotz hohem Invest kein Problem gelöst:

Zu wenig, zu spät

Es fehlt eindeutig an Redundanz im Luxemburger Schienennetz, das eigentlich seit Schleifung der Ringlinie kein Netz mehr ist, da alle Linien nur noch von und zur Hauptstadt verlaufen mit einer einzigen Verbindung zweier Linien in Petingen nebst einiger Antennen.

Am vergangenen Dienstag tat das mal wieder so richtig weh, als wegen einer elektrischen Panne im Bettemburger Stellwerk der Zugverkehr nach und aus Frankreich von 6 bis 14 Uhr lahmgelegt war. Denn nicht nur bei den Schienen, auch in den Stellwerken ist nichts doppelt ausgelegt. Das würde richtige Euros kosten, und die wollte noch keine Regierung der CFL zur Verfügung stellen.

Egal wie viel in der CFL-Direktion zeitweise gemurrt wurde, wenn es wieder mal galt, sich mit einer zu kurzen Finanzdecke abzufinden, noch nie war der Mut da, die Regierung öffentlich bloßzustellen und dem werten Publikum mitzuteilen, man habe ja ums nötige Budget für mehr Material und mehr Wartungspersonal angesucht, vom Verkehrs- wie vom Finanzminister aber eine Abfuhr erteilt bekommen – und eine Intervention beim Premier habe daran nichts geändert. So lästern dann eben die geplagten Passagiere im Fall der Fälle wie gestern auch über »Chaos und Fehlplanung Landesweit«, beschimpfen jeden am Mißstand unschuldigen Bahnbediensten, den sie sehen, anstatt die wirklich Schuldigen in der Regierung an den Pranger zu stellen.

Selbiges passiert ebenfalls, wenn mal wieder mehrere Türen mit schönen gelben Zetteln verziert sind, weil mangels genügender Wartungsarbeiter keine vorbeugende Gelenksreinigung der Türen erfolgen kann, sondern abgewartet werden muß, bis sie wirklich nicht mehr funktionieren. Daß jede Tür, die den Geist aufgibt, wenn sie offensteht, für mindestens eine Viertelstunde Verspätung sorgt, bevor sie mit Gewalt geschlossen wurde, ist zwar bekannt, ist dem Premier, dem Finanz- und dem Verkehrsminister aber trotzdem egal. Schließlich haben sie darunter nicht zu leiden, denn sie fahren nicht Zug.

Ohne Budget keine Besserung

Damit haben wir bereits zwei wesentliche Punkte angesprochen, die eigentlich leicht und eher kurzfristig verbesserbar sind – bei entsprechendem Budget. Denn das braucht es für zusätzliches Personal für eine vorbeugende Wartung von Türen und Kompressoren (auch solche sind bereits ausgefallen, und dann machen die Bremsen zu und der Zug steht bis eine andere Lok da ist mit funktionierendem Kompressor).

Das braucht es auch, um zumindest einmal damit anzufangen, sicherheitsrelevante Anlagen doppelt auszulegen, damit nicht immer wieder ein kleines Problem reicht, den Verkehr auf Stunden auf einer Linie stillzulegen. Denn in den wenigsten Fällen läßt sich mangels Verfügbarkeit von Bussen ein Schienenersatzverkehr organisieren, ganz besonders wenn der Vorfall wie vorgestern an einem Schultag mit freiem Nachmittag erfolgt. Denn da sind alle Busse in der Früh und ab Mittag verplant für den Schülertransport! Und so wurde zwischen Bettemburg und Hettange-la-Grande am Dienstag zwischen 6 und 14 Uhr auch kein Schienenersatzverkehr organisiert.
Da hilft es überhaupt nicht weiter, wenn diese Regierung mit stolz geschwellter Brust verkündet, in Luxemburg werde seit 2018 jedes Jahr pro Einwohner mehr in die Schiene investiert als sonstwo in Europa. Selbst die Schweiz tut weniger, betont ganz besonders oft Minister Bausch.

Die Schweiz hat allerdings in den über 50 Jahren, in denen in Luxemburg gar nichts in die Schiene investiert wurde, jedes Jahr so viel getan! Und die Schweiz hat in beiläufig derselben Zeit, wie in Luxemburg an den paar Kilometern zwischen Bettemburg und der Hauptstadt herumgedoktort wird (wenn das denn wirklich 2024 fertig wird), den rund 57 km langen Gotthardt-Basistunnel mit zwei eingleisigen getrennten Röhren fertiggestellt. Das hat eine gewaltige Kapazitätserweiterung gebracht!

Weil wir gerade bei der Kapazität sind: Eisenbahner, die im Kontakt mit den Passagieren sind, graut vor dem 1. April. Denn sie können nicht glauben, daß der Nulltarif nicht zu mehr Passagieren führt. Da die Regierung aber kurzfristig über das bereits bestellte Zugmaterial, das ab 2024 geliefert wird, kein Budget für Zusatzmaterial bereitstellen will, können in die Züge zur Spitzenzeit gar nicht mehr Leute rein als heute, wo sie schon mehr als voll sind. Sie fürchten mit gutem Grund, daß sie auch dafür wieder ihr Fett wegkriegen – und nicht die Regierung.
Warum keine Zusatzstrecke öffnen?

Von Bettemburg führt eine zweigleisige Strecke nach Frankreich und eine eingleisige Stichstrecke nach Düdelingen und Volmerange-les-Mines. Das sind Luxemburger Schienen und eine Luxemburger Haltestelle in Frankreich, die unter der CSV-DP-Regierung, die zur Jahrtausendwende amtierte, gebaut wurden.

Die KPL hat schon öfter vorgeschlagen, die Strecke von Volmerange-les-Mines bis zur Strecke Bettemburg-Thionville zu verlängern, und zwar dorthin, wo diese in Frankreich bereits dreigleisig ist. Es gäbe dann auch drei Gleise bis nach Luxemburg hinein und gleichzeitig eine Umfahrungsmöglichkeit bei solchen Problemen, wie sie diese Woche am Dienstag auftraten.

Wäre dieses Gleis zu diesem Zeitpunkt bereit gelegt gewesen, wäre der Zugverkehr eben nicht total zusammengebrochen während acht Stunden, sondern hätte über Volmerange-les-Mines umgeleitet werden können. Die Folge wären dann nur leichte Verspätungen gewesen und alle hätten in einer vernünftigen Zeit ihren Arbeitsplatz erreichen können.

Also bitte: wann ist da endlich Baubeginn?

jmj

Mittwoch 8. Januar 2020