Zur Verbesserung der Verkehrsprobleme:

Zusatzkapazitäten braucht das Land

So lange die Ortseinfahrten nicht erweiterbar bleiben, macht es wenig Sinn, die Autobahnen zur Hauptstadt hin dreispurig auszubauen. Damit würde der Stau nur von der Länge in die Breite verteilt. Sinnvoll wäre hingegen die Schließung des Autobahnrings um die Hauptstadt und Sachen wie der seit Jahrzehnten angekündigte Boulevard de Merl und Boulevard de Cessange. Denn auf die im Stübben-Plan vorgesehenen Boulevards bei weiterer Ausdehnung der Stadt wurde nach dem Bd de la Foire und seiner Fortsetzung zur Escher Straße hin vergessen.

Natürlich wäre es eine große Hilfe zur Verkehrsverbesserung, wenn nicht mehr 48 Prozent aller Arbeitsplätze in der Hauptstadt und 27% in den direkten Anliegergemeinden wären – doch alle deren Schöffenräte wehren sich mit Händen und Füßen gegen ein Ende dieser Überzentralisierung.

Also bleibt leider nur die Überlegung, wie sich Verkehr aus den Richtung Hauptstadt führenden Autobahnen und größeren Straßen rausnehmen ließe, indem ein Teil auf die Eisenbahn verlagert wird. Denn einen Monorail in der Luft von Metz bis Luxemburg, der auch dabei etwas brächte, will die aktuelle Regierung bekanntlich unter keinen Umständen verwirklichen. Der Herr Unternehmer Guy Rollinger ist den Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei leider ein ebensolcher Gottseibeiuns mit www.monorail.lu wie Ing. Georges Schummer mit www.busbunn.net mit dem direkten Zug im Tunnel unter der Hauptstadt.

Immerhin hat sich noch niemand gegen die Eisenbahn als solche ausgesprochen, auch wenn die Regierung trotz des dräuenden Nulltarifs der CFL keine 200 Meter langen Doppelstockzüge ermöglichen will, was mit gebrauchtem Material bis 1. März zu schaffen wäre mit dem nötigen Kleingeld.

Streckenverlängerung zur Straßenentlastung

Auf den bestehenden Linien wird bereits so viel gearbeitet, erneuert und ausgebaut, daß mehr kurzfristig dort wirklich nicht geht. Was aber zusätzlich ginge ist die Verlängerung gewisser Stichstrecken, um Grenzgänger vom Auto in den Zug zu bringen, was wesentlich streßfreier für alle Beteiligten wäre.

Um Vehikel aus der Autobahn Arlon-Luxemburg zu nehmen könnte eine Verlängerung der Strecke von Wiltz nach Bastogne dienen. Das könnte etlichen Grenzgänger ersparen, die N4 auf belgischer Seite längs der Luxemburger Grenze hinunterzufahren, um sich dann ab Arlon mit allen anderen in den Stau auf der Autobahn einzureihen. Das würde natürlich dort die Staulast verringern. Die Strecke funktionierte übrigens schon vom 1.7.1888 bis zum Sommer 1944, wo ein Partisanenanschlag auf belgischem Gebiet erfolgte. Vom Januar 1946 an gab es wieder Personenverkehr, aber bis Bastogne nur bis zum 8.10.1950. Seit 24.9.1967 wird nur mehr bis Wiltz gefahren – der Rest der Strecke wurde zum Radweg.

Bei einem Neubau der Strecke müßte nicht jede der alten Kurven nachgefahren werden, denn beim Bau zu Ende des 19. Jh. waren diese nicht alle technisch bedingt. Viele entstanden, wenn sich ein Bürgermeister oder Bauer querlegte, um schneller weiterzukommen ohne lang zu prozessieren. Ein paar Kurven mehr, und schon war viel Zeit gewonnen!

Jedenfalls könnte das etlichen Druck aus der Arloner Autobahn nehmen und vielen Leuten das Leben erleichtern. Umweltfreundlicher wäre es allemal, falls das für irgendwen interessant ist, und zwar ohne neue Steuern erfinden zu müssen.
Ähnliches läßt sich sagen für die Strecke Diekirch-Echternach, die eingleisig über 27,25 km vom 8.12.1873 bis zum 27.5.1964 in Betrieb war. Vom 20.5.1874 bis zum 4.3.1963 wurde auf zusätzlichen 22,26 km zwischen Echternach und Wasserbillig gefahren und von dort auf weiteren 6,16 km bis Grevenmacher vom 25.11.1891 bis ebenfalls zum 4.3.1963.

Sinnvoll wäre aktuell die neuerliche Verlängerung von Diekirch bis Echternach, um dort die deutschen Grenzgänger aus dem Raum Bitburg auf den Zug zu bringen. Das würde ihre Autos aus dem Verkehr Richtung Hauptstadt nehmen, was alle anderen vor deren Toren Erleichterung brächte.

Auch hier ist es sinnvoll, von der ursprünglichen Route etwas abzuweichen, ganz besonders um den Diekircher Schulcampus an die Bahn anschließen zu können. Ansonsten gilt zu den Kurven hier ebenfalls das bereits zuvor Gesagte.
Beide Vorschläge wurden immer wieder vor Wahlen von der KPL in die Arena geworfen – von Mal zu Mal wurden sie sinnvoller, stieg doch die Zahl der Grenzgänger, die so etwas sinnvoll nutzen können, in früher für unmöglich gehaltene Größenordnungen. Wobei die offizielle Landespolitik inzwischen von einer weiteren Verdoppelung in den nächsten dreißig Jahren träumt, etwas das ohne zusätzliche Verkehrswege nur ins Chaos führen kann.

Allerdings braucht es dafür das nötige Budget zur Investition in die Strecken, die intelligenterweise zu Baubeginn fertig durchgeplant sein müssen, damit es deutlich schneller geht wie auf den wenigen Kilometern zwischen Bettemburg und Luxemburg. Dazu kommt es dort, weil manche Teile fertiggestellt waren, bevor bei anderen die Planung erst in Angriff genommen wurde – ein totaler Unfug!
Wir haben bereits mehrmals darauf hingewiesen, daß ein Invest, das nicht einmal das bestehende Problem löst, ganz banal als nicht ausreichend zu bezeichnen ist, selbst wenn es noch so teuer kommt. Diese hier gemachten beiden Vorschläge haben zumindest die Fähigkeit, Teil einer Lösung zu sein für eine tatsächliche Verbesserung der Verkehrs- wie Staulage.

jmj

Einen Monorail in der Luft von Metz bis Luxemburg will die aktuelle Regierung bekanntlich unter keinen Umständen verwirklichen

Freitag 10. Januar 2020