Marketinggag von Siemens verpufft

Sprecherin von »Fridays for Future« lehnt Aufsichtsratssitz bei Konzern ab

Die deutsche Sprecherin der Klimabewegung »Fridays for Future« (FFF), Luisa Neubauer, will einen ihr angebotenen Sitz im Aufsichtsgremium der künftigen Konzerntochter Siemens Energy nicht haben. Zugleich machte die Aktivistin dem Vorstandschef des Industriekonzerns, Josef Käser (»Joe Kaeser«), einen anderen Vorschlag. »Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können, habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der ›Scientists for Future‹ weiterzugeben«, wurde sie am Sonntag von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Käser bedauerte am Sonntag Neubauers Entscheidung.

Hintergrund des Angebots ist der von FFF thematisierte Streit um die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien. Siemens hat am Sonntag ungeachtet der Proteste gegen Kohlekraftwerke in Australien entschieden, die Anlage zu liefern. Der indische Konzern Adani Group baut in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt.

Die FFF-Kampagne ist gut terminiert. Australien ist gegenwärtig von den verheerendsten Buschbränden seit Jahren betroffen – einem Phänomen, dessen Dimensionen die Aktivisten ebenso wie inzwischen auch der konservative Premier Scott Morrison auf den Klimawandel zurückführen. Bei der Kritik an dem Projekt geht es zudem auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum.

Käser hatte Neubauer am Freitag bei einem Gespräch über das Vorhaben einen Sitz in einem Aufsichtsgremium angeboten. Der Konzern will sein Energiegeschäft im Frühjahr als Siemens Energy abspalten und voraussichtlich im September an die Börse bringen. Der Konzernchef hatte wohl gehofft, Neubauer als klimapolitisches Feigenblatt für sein Unternehmen zu rekrutieren. Sie hätte im Aufsichtsrat an der Lösung der Klimaproblematik mitwirken können »und dabei auch Einblicke in komplexe unternehmerische Zusammenhänge bekommen«, zitiert ihn dpa.

Sie kenne das Aktienrecht, erklärte Neubauer ihre Ablehnung. »Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren. Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren«, wurde sie zitiert. »Ich kann bestätigen, daß ›Joe Kaeser‹ über die desaströsen Konsequenzen der Kohleförderung durch die Adani Mine Bescheid weiß«, sagte Neubauer weiter. »Er hat im Gespräch zugegeben, daß es ein Fehler war, den Vertrag mit Adani zu unterschreiben.« Siemens habe für das Projekt eine Schlüsselrolle. Zwei Firmen, die für den Auftrag auch in Frage kämen, hätten schon abgesagt.

(dpa/jW/ZLV)

Gerissen: Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
(Foto: Soeren Stache/dpa)

Montag 13. Januar 2020