Wie Profitgier Innovation gefährdet:

Stabilität des Stromnetzes in Gefahr

Es soll aus den fossilen Energiequellen Uran, Kohle, Erdöl und Erdgas ausgestiegen werden. Dies um weniger Treibhausgase auszustoßen, aber durchaus ebenfalls aus Gründen der Volksgesundheit. Das bedeutet fürs Stromnetz, daß als Grundlast-Kraftwerke nur mehr Laufkraftwerke an Fließgewässern übrig bleiben. Denn Versuche mit Großkraftwerken im Rahmen der Erdwärme mußten nach dadurch hervorgerufenen Erdbeben eingestellt werden.

Nun ist es keineswegs unmöglich, mit Wind und Sonne die Menge Strom zu erzeugen, die bisher auf Basis von Uran, Kohle, Erdöl und Erdgas entstand, doch hat das negative Folgen für die Netzstabilität. Denn der Wind hat so seine Launen.
Seine Kraft, die zum Antreiben der Windräder genutzt wird, kann innerhalb von Sekundenbruchteilen gewaltig nach oben wie nach unten ausschlagen. Folglich ist die Menge des Stroms aus Wind nicht nur saisonal variabel, was für Photovoltaik genauso gilt, sondern auch sonst zu jeder Zeit. Es ist zwar schon positiv, daß Photovoltaik im Sommer am meisten liefert, der Wind aber im Winter, aber damit läßt sich die sekundengenauen Einspeisung von Strom, die sich mit dem Verbrauch decken muß, nicht lösen.

Fakten bleiben Fakten

Es ist leider eine unumstößliche Tatsache, daß elektrische Anlagen schwankende Spannung und Frequenz nicht vertragen. Sie funktionieren dann nicht nur nicht ordentlich, sie gehen schlimmstenfalls sogar kaputt. Das zwingt zu engen Grenzen bei Spannung wie Frequenz im Netz. Beim Endverbraucher darf die Spannung nicht mehr als 10% nach oben wie nach unten von der Norm abweichen, während die Frequenz von 50 Hz idealerweise nicht mehr als 0,1 Hz nach oben bzw nach unten abweichen soll, auf keinen Fall aber die Grenzen von 49,8 und 50,2 Hz unter- bzw. überschreiten darf.

Bei Verbrauchsschwankungen nach oben wie nach unten muß daher die Produktion sofort angepaßt werden. Das funktionierte bislang recht gut, wobei die größten Spitzen in Nachfrage und Erzeugung mit den Pumpspeicherkraftwerken ausgeglichen wurden, von denen eines hierzulande bei Vianden steht. Weniger volatile Schwankungen wurden mit Gas- und Dampfturbinen bewältigt, wobei das Twinerg-Werk in Raemerich längs der Autobahn A4 abgerissen wurde, lange bevor es rentabel hätte sein können.

Aber mit Gas soll ja kein Strom mehr erzeugt werden, mit Kohle, Erdöl und Uran auch nicht mehr, und so muß zwangsläufig die Menge von Wind- und Photovoltaik-Strom im Netz enorm zunehmen. Mit deren Volatilität und extrem kurzfristigen Leistungsschwankungen wird es immer schwieriger für die nötige Netzstabilität zu sorgen.

Denn die Pumpspeicherwerke sind da dreifach überfordert. Erstens bei der verfügbaren Menge, die sich so einfach nicht multiplizieren läßt, sind doch diese Anlagen nicht nur nicht kurzfristig hinzustellen, sondern auch noch stark beschränkt durch die dafür zu erfüllenden Standortbedingungen. Zweitens springen die Turbinen nicht in jenen Sekundenbruchteilen an, in denen es einen starken Einbruch bei der Windenergie geben kann. Drittens gilt dasselbe für die Pumpen, wenn die Windenergie eine plötzliche Spitze liefert.

Das hat tatsächlich in den letzten drei Jahren in der BRD schon zu gefährlichen Situationen geführt, bei denen Netzzusammenbrüche zuletzt nur durch plötzliche zusätzliche Stromimporte und -exporte vermieden werden konnten. Aber auch das wird immer weniger gut funktionieren, weil europaweit der Anteil von Windenergie fast schon von Monat zu Monat zunimmt. Selbiges gilt auch für die Photovoltaik, wo eine große Wolke reicht für einen deutlichen Produktionsabfall.

Nun lassen sich Anlagen zwar einfach wegschalten – und notfalls geht es auch so – bloß geht dadurch Energie verloren, die sinnvoll genutzt werden könnte, wäre das in der Erdölindustrie mit den vielen längst abgeschriebenen Anlagen engagierte Kapital nicht derart gut mit der bürgerlichen Politik vernetzt, daß diese beim Einstieg ins Wasserstoff-Zeitalter voll auf der Bremse steht. Damit werden die Extraprofite des Erdöl-Kapitals verlängert auf Kosten der Netzstabilität. Womöglich steckt da auch noch der Hintergedanke mit drin, so »beweisen zu können«, daß das mit dem Strom aus erneuerbaren Quellen nicht funktioniert. Insgesamt ist das nichts mehr und nichts weniger als ein Innovationshemmnis!

Denn natürlich gibt es eine technische Lösung für das Problem, die zudem leicht dezentral funktionieren kann. Mit überschüssigem Strom könnte Wasserstoff erzeugt werden, aus dem ebenso schnell wieder Strom werden kann, wenn davon mehr gebraucht wird als gerade erzeugt wird. Und das ohne daß dieser Strom über weite Strecken transportiert werden muß, wie das bei den Pumpspeicherkraftwerken der Fall ist.

Es muß uns bewußt sein, daß Energiesicherheit ohne Energiespeicher nicht zu haben ist. Je volatiler die Stromerzeugung ist, desto wichtiger werden die Speicher. Klar geworden müßte seit 2004, wo der Wanderprediger Rifkin begann das Reich der billigen und leistungsfähigen Batterie anzukündigen, daß das nicht kommt, auch nicht mit der Lithium-Schwefel-Batterie, die zwar ohne Nickel und Kobalt auskommt, aber eben nicht ohne Lithium. Und das ist nichts anderes als eine der seltenen Erden, die es, wie der Name sagt, nicht häufig gibt. Deren Schürfung führt zu denselben Mondlandschaften wie anderweitig der Uranbergbau. Blöd nur, daß der Irrweg kurzfristig höhere Profite verspricht, auch wenn das nichts anderes als delokalisierte Treibhausgas-Erzeugung bedeutet!

jmj

Montag 13. Januar 2020