Unser Leitartikel:
Opfer von Insolvenzen besser schützen

Der Pleitegeier drehte auch letztes Jahr erfolgreich seine Runden über Luxemburg. Laut der von der privaten Agentur »Creditreform« vor Tagen veröffentlichten Zahlen erreichten die Firmenpleiten mit 1.263 registrierten Konkursen (+5,69% im Vergleich zu 2018) sogar einen absoluten Höchststand, wobei 75,85 Prozent aller in Konkurs gegangenen Firmen älter als fünf Jahre waren. Trauriger Spitzenreiter war abermals der breitgefächerte Dienstleistungsbereich mit 884 Insolvenzen, gefolgt vom Sektor Handel (254 Pleiten), während der Bausektor mit 124 Konkursen einen Anstieg von 9,82% verzeichnete.

Meldet eine Firma Konkurs an, so sind es stets die die Lohnabhängigen, die am schlimmsten zu leiden haben – bei 1.263 Firmenpleiten dürften es deren auch im Vorjahr einige Tausend gewesen sein. Sie verlieren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern müssen immer wieder eine längere Zeit ohne Einkommen ausharren. Das Superprivileg, eine von den Gewerkschaften erkämpfte Entschädigung, die den Leidtragenden Geldleistungen vom Beschäftigungsfonds in Höhe von bis zu maximal sechs Mindestlöhnen garantiert, gelangt nämlich meistens erst nach Monaten zur Auszahlung. Erschwerend hinzu kommt, dass das Anrecht auf Arbeitslosengeld erst drei Monate nach der gerichtlichen Verkündung der Insolvenz in Kraft tritt.

Besonders schlecht ist es immer wieder um jene bestellt, die keine Reserven haben, um sich in den Monaten, in denen sie ohne Einkommen auskommen müssen, über Wasser zu halten. Was ohne finanziellen Beistand von Familie oder Freunden kaum möglich ist. Zumal den Konkursen in den meisten Fällen Monate vorausgehen, in denen den Mitarbeitern die ihnen geschuldeten Löhne ganz oder teilweise vorenthalten wurden.

Mit der Folge, dass viele recht schnell nicht mehr ein, noch aus wissen. Wie zahle ich meinen Kredit ab, womit meine Miete, beziehungsweise Rechnungen für kommunale Dienstleistungen? Wie schaffe ich es, meine Familie zu ernähren, meine Kinder zu kleiden? Alles Fragen, auf die unter diesen Umständen nur schwer eine Antwort zu finden ist. Es wachsen die Sorgen, dass einem die Wohnung gekündigt, der Strom abgeschaltet werden könnte.

Kein Wunder also, dass viele der Leidgeprüften recht schnell mit den Nerven am Ende sind. Besonders wenn sie, zusätzlich zu den finanziellen Problemen, auch noch vom nur schwer zu ertragenden Gefühl geplagt werden, nicht mehr gebraucht zu werden, überflüssig zu sein, ausgedient zu haben. Wer sich in solchen Situationen nicht auf den finanziellen und moralischen Beistand von Familie und Freunden stützen kann, riskiert in ein tiefes Loch zu fallen, aus dem es so schnell kein Heraus mehr gibt.

Damit muss ein für allemal Schluss sein. Das Ziel der anstehenden Reform des Insolvenzgesetzes muss deshalb in erster Linie darin bestehen, die Betroffenen vor finanziellen Engpässen zu schützen. Lohnrückstände sollten deshalb künftig über einen zu schaffenden Fonds – gespeist von Staat und Betrieben (je nach Profit) – gezahlt, und Vorschüsse des geschuldeten Superprivilegs unbürokratisch und auf schnellstem Weg vom Beschäftigungsfonds zur Auszahlung gelangen.

Das Schaffen einer staatlichen Auffanggesellschaft, die Firmen, die ohne eigenes Verschulden in Konkurs getrieben werden, Möglichkeiten zur Rekapitalisierung anbieten könnte, um über diesen Weg »Know-how« und Arbeitsplätze zu erhalten, wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 14. Januar 2020