Gesundheit auf der »Intensivstation«

Erschreckende Zustände in öffentlichen Krankenhäusern in Griechenland

Athen – Am Mittwoch sind Mitglieder des Panhellenisches Verbandes der Krankenhausangestellten (POEDIN) in den Streik getreten und haben zu einer Demonstration vor dem Athener Krankenhaus »Alexandras« aufgerufen, berichtet die »Griechenland Zeitung«.

Die Rede ist von Bedingungen, die einem Land der Dritten Welt gleichen. Es gebe weder Brandschutz, noch Notausgänge. Der Krankenhausleitung sei bereits in der Vergangenheit Mißwirtschaft vorgeworfen worden, es sei jedoch nichts dagegen unternommen worden, so POEDIN. Außerdem unterstützt der Verband eine geplante Arbeitsniederlegung der Mitarbeiter des Gesundheitswesens am 23. Januar.

In der vergangenen Woche veröffentlichte die POEDIN eine Pressemitteilung. In dieser war davon die Rede, daß sich die Öffentliche Gesundheit in Griechenland auf der »Intensivstation« befinde. Das Land benötige unbedingt mehr Personal. Man sprach von 45.000 Neueinstellungen. Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten 25.000 Mitarbeiter ihre Arbeit im Öffentlichen Gesundheitssektor verlassen; es seien aber keine neuen Kollegen hinzugekommen, so POEDIN.

Im »Hipokrates«-Krankenhaus in Thessaloniki etwa, wie auch im »Evangelismos« in Athen fehlen 40 Prozent des benötigten Personals. Im genannten Krankenhaus in Thessaloniki müsse ein Patient bis zu acht Monate warten, um operiert zu werden; in der Notaufnahme sei mit einer Wartezeit der Patienten von bis zu acht Stunden zu rechnen, so POEDIN.

Der Verband rechnet außerdem vor, daß die Ausgaben für die Öffentliche Gesundheit in Griechenland etwa 5 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) ausmachen. Die Bürger hätten parallel dazu private Ausgaben in Höhe von 3,5 Prozent des BIP im Bereich der Gesundheitsbetreuung zu bestreiten.

Protestaktion von Mitarbeitern des Gesundheitswesens am 11. Dezember in Athen (Foto: EPA-EFE/ALEXANDROS BELTES)

Mittwoch 15. Januar 2020