Aus den Betrieben:

Arbeitskraft aufwerten, Arbeitsbedingen verbessern

Immer häufiger muss sich das Nationale Schlichtungsamt mit Dossiers zur Erneuerung von Kollektiverträgen befassen, nachdem die Verhandlungen aufgrund der immer sturer werdenden Haltung der Unternehmer in der Sackgasse gelandet sind.

Es gibt zahlreiche Beispiele die belegen, dass das Patronat alles aus der Welt geschafft sehen möchte, was die Finanzen des Betriebs belastet. So drücken die Unternehmer besonders bei Lohnfragen immer fester aufs Bremspedal. Dies, mit der fadenscheinigen Begründung, Lohnforderungen, und seien diese auch noch so gering, würden die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sehr gefährden.

Eine Lohnpolitik, die zur Folge hat, dass in so manchen Firmen die Anfangslöhne für neue Mitarbeiter nicht nur nach unten revidiert wurden, sondern von Patronatsseite vielfach auch kaum noch die Bereitschaft besteht, Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen, zu erhalten oder neue zu schaffen, geschweige denn über lineare Lohnaufbesserung zu diskutieren.

So darf es nicht wundern, dass die Zahl der Beschäftigten, die während ihrer gesamten Laufbahn nicht mehr als den sozialen oder den qualifizierten Mindestlohn (+20 %) verdienen, ständig steigt. Es sind deren inzwischen nahezu 70.000. Ihr Einkommen wird lediglich nur dann aufgebessert, wenn die Löhne an die Preisentwicklung angepasst werden (Index).

Wie es Studien aufweisen, wirkt diese Lohnpolitik vielfach demotivierend auf die Leistung der Schaffenden. Was die Unternehmer jedoch nicht daran hindert, an ihrer sturen Linie festzuhalten. Doch damit nicht genug: Seit Jahren mehrt sich auch die Zahl an Betrieben, in denen Fehlstunden wegen Krankschreibungen als Vorwand genommen werden, um Gratifikationen, Urlaubsgeld oder Jahresprämien zu kürzen oder gar zu streichen.

Doch nicht nur Forderungen nach Lohnaufbesserungen stoßen bei den Unternehmern zunehmend auf taube Ohren. Auch Zugeständnisse aus früheren Jahren, die aus ihrer Sicht die Lohnmasse in die Höhe treiben, möchte das Patronat abgeschafft, zumindest deutlich beschnitten sehen. Dies gilt besonders für hart erkämpfte Prämien, Zuschüsse und Sonderregelungen, die nicht im Arbeitsrecht festgehalten sind.

Seine Absicht, die Gewinne über eine Reduzierung der Lohnmasse zu maximieren, setzt das Patronat, für viele unbemerkt, seit Jahren über Umwege um. So zum Beispiel durch maximale Flexibilisierung und völlige Deregulierung der Arbeitszeitorganisation – weniger Personal, nicht besetzte Posten, auf die Restbelegschaft aufgeteilte Mehrarbeit, längere Tages-, Wochen- und Monatsarbeitszeiten, nicht gewährte Überstunden, usw.

Wenn man die vielen Unannehmlichkeiten betrachtet, mit denen sich Personalvertreter in größeren Unternehmen aufgrund der inzwischen aufgezwungen Arbeitsweise täglich auseinandersetzen müssen, muss einem bange vor der Frage sein, wie groß eigentlich die Probleme und Schikanen in Betrieben sein müssen, in denen es weder Personalvertretung, noch Kollektivverträge gibt. Immerhin betrifft dies mehr als die Hälfte aller Schaffenden.

g.s.

(Foto: Archiv ZLV)

Mittwoch 11. März 2020