Unser Leitartikel:
Ein Virus treibt sonderbare Blüten

Viren haben die Fähigkeit zur Replikation und Evolution und können eine Vielzahl von Krankheiten beim Menschen verursachen.

Bis heute wurden mehr als 3.000 Virenarten identifiziert – drunter auch solche aus dem nicht-medizinischen Bereich, die sich allerdings nur innerhalb bestimmter Wirtszellen vermehren können die da sind: Ignoranz und Dummheit.
Zu diesen Viren gehört seit mehr als hundert Jahren der Antikommunismus und seit einem späteren Zeitpunkt dessen antichinesische Variante, die gegenwärtig sonderbare Blüten treibt.

Während der nächsten Tage wird Luxemburg aus Beijing und Shanghai mit 5 Millionen Atemschutzmasken für Ärzte und medizinisches Personal, weiteren 1,1 Millionen Schutzmasken, 4,7 Millionen Paar Schutzhandschuhen, 120.000 Schutzbrillen und 50 Beatmungsgeräten beliefert. Und die Provinz Henan, mit zu der es besonders enge Kontakte gibt, schenkt Luxemburg zusätzliche Atemschutzmasken, Schutzanzüge, Brillen und Thermometer.

Auf den Containern, die von Cargolux geladen wurden, steht in großen Lettern »Frëndschaft iwwert d’Grenzen eraus«. Dem geht voraus, dass Luxemburg im Februar dieses Jahres, wenn auch in weit bescheidenerem Umgang, China im Kampf gegen den Corona-Virus mit Atemschutzmasken Schutzanzügen half.
Das hinderte das »Tageblatt«, das nicht müde wird, immer wieder gegen China und die Kommunistische Partei Chinas Front zu machen, nicht daran, gestern im Zusammenhang mit den Lieferungen nach Luxemburg auf der ersten Seite zu behaupten: »China sichert sich Einfluss in Europa.«

Angesichts humanitärer Hilfe solcherart zu reagieren, zeugt nicht nur von krankhaftem Antikommunismus, sondern hat wohl auch die Funktion, davon abzulenken, dass die Europäische Union, dieser »Leuchtturm der Zusammenarbeit und Solidarität«, vollkommen versagt.

Russland, das wahrlich auch ohne Coronavirus genug wirtschaftliche und soziale Probleme hat und das die Putinhasser am liebsten während des ganzen Jahres mit Militärmanövern provozieren möchten, liefert Medikamente und schickt Ärzte nach Italien. Und ausgerechnet das kleine Kuba, das seit mehr als 60 Jahren unter der Wirtschaftsblockade der USA leidet, schickte 52 Mediziner in die Lombardei, den am schlimmsten vom Corona-Virus betroffenen Landesteil.

Chinesische und kubanische Wissenschaftler haben bereits erste Erfolge bei der Suche nach einem neuen Impfstoff aufzuweisen – während die EU und die USA Milliardensummen in ihre Pharmakonzerne buttern, statt über eine Zusammenarbeit nachzudenken.

Nach Angaben der Weltbank gehört Kuba zu den Ländern, die die höchste Ärztedichte im Vergleich zur Bevölkerung haben – im Gegensatz zu Italien, Portugal, Spanien und anderen EU-Ländern, in denen zunehmend Ärztemangel zu beklagen ist und die Sparwut im Gesundheitswesen dazu führte, dass der öffentliche Gesundheitsdienst generell und die Zahl der Krankenhausbetten und der Akutbetten in den vergangenen Jahren systematisch herabgesetzt wurde und ein Teil der Bevölkerung medizinisch unterversorgt ist.

Auch das ist eine Systemfrage, die gerade in Krisenzeiten deutlich macht, wo der Mensch vor Profit geht und wo das Gegenteil der Fall ist.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Montag 23. März 2020