Konjunkturflash des Statec

Risse im wirtschaftlichen Gefüge werden wahrscheinlicher

Da die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft und die öffentlichen Finanzen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abzusehen sind, kommen wirtschaftliche Prognosen eher einem Stochern im Nebel gleich.

In seinem Konjunkturflash vom 24. März 2020 informiert das statistische Amt darüber, dass seine nächsten Wirtschaftsprognosen für Luxemburg in einer Konjunkturnote am 11. Juni 2020 veröffentlicht werden. Zu diesem Zeitpunkt könnte sich der Nebel über der Coronakrise gelichtet haben. Allerdings geht das Statec bereits heute davon aus, dass es sich genötigt sehen wird, bisherige kurzfristige Prognosen stark nach unten zu korrigieren.

Noch im Februar dieses Jahres waren zahlreiche Wirtschaftsinstitute davon ausgegangen, dass in China der Höhepunkt der Pandemie im er­sten Trimester 2020 überschritten und die Auswirkungen in anderen Ländern deutlich gemäßigter ausfallen würden, so dass die Wirtschaft weitgehend verschont würde.

Aber das erwies sich als Trugschluss. Anders als bei der Finanzkrise 2008/2009, die eine Folge der Spekulation war und von der Finanzwirtschaft ausging, um anschließend die reale Wirtschaft zu erschüttern, traf die Coronakrise zuerst die Handels-, Transport-, Dienstleistungs- und Industriebetriebe, bevor sie die Börsianer in Panik versetzte. Die entledigten sich in Windeseile einer Unmenge von Aktienpaketen von Betrieben, weil sie Verluste wegen eines möglichen Rückgangs der Profite und zunehmender Schulden befürchteten, was einen Einbruch der Börsenkurse provozierte.

Die Kurseinbrüche verstärkten sich dann noch einmal mit dem Ölcrash vom 9. März. Im Juli 2018 betrug der Preis für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent noch 70 Dollar, inzwischen ist er aber in Etappen auf knapp 25 Dollar abgesackt – der niedrigste Preis seit 17 Jahren.

Sollte die Krise, der bereits ein Abschwung der Konjunktur vorangegangen war, lange andauern oder sich gar verschärfen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es Risse im wirtschaftlichen Gefüge geben wird, die Staatsfinanzen stark belastet werden und die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigen wird. Das wird zwangsläufig das Bruttoinlandprodukt beeinträchtigen.

Bislang ging das statistische Amt lediglich von einer leichten Erhöhung der Arbeitslosenzahlen während der Jahre 2020 und 2021 aus. Nun wird eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit nicht mehr ausgeschlossen. In der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 bis 2009 waren die vom Arbeitsamt veröffentlichten Arbeitslosenzahlen um mehr als 20 Prozent angestiegen, von 4,2 Prozent (2007) auf 5,4 Prozent (2009). Ende Februar 2020 waren es 5,5 Prozent – ohne Finanz- und Wirtschaftskrise. Eines von einer ganzen Reihe von Indizien dafür, dass dieses System immer weniger in der Lage ist, den Bedürfnissen der schaffenden Menschen nachzukommen.

Abgefedert werden könnte der Anstieg der Arbeitslosigkeit für eine bestimmte Zeit durch Kurzarbeit, die für die Lohnabhängigen allerdings mit starken Lohnverlusten verbunden ist, da die Regierung – anders als das OGBL und KPL fordern – nicht daran denkt, den Kurzarbeitern 100 statt lediglich 80 Prozent des üblicherweise bezogenen Lohnes zu zahlen.

A.R.

Die Coronakrise und deren Auswirkungen auf die reale Wirtschaft versetzten die Börsianer in Panik, was einen heftigen Einbruch der Börsenkurse provozierte (Grafik: Statec)

Dienstag 24. März 2020