Italiens Regierung will Alitalia verstaatlichen

Die bankrotte Airline könnte vom Milliardenkredit für Corona-Schäden profitieren

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, darunter auf die italienische Wirtschaft, haben aufschlußreiche Kehrseiten. So schöpft die seit 2017 insolvente Airline Alitalia Hoffnung auf einen Ausweg. Von den Milliardensummen, die die Regierung von Premierminister Giuseppe Conte für den Corona-Notfall zur Verfügung stellt, soll die traditionsreiche nationale Fluggesellschaft 600 Millionen erhalten. Zudem plant die Regierung, die 2008 unter der Regierung des Chefs der rechtsextremen Forza Italia Silvio Berlusconi privatisierte Linie wieder zu verstaatlichen. Denn Alitalia kassierte seitdem staatliche Zuschüsse von 10 Milliarden Euro.

2014 erwarb die Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) Etihad Airways, für 560 Millionen Euro 49 Prozent der Anteile an Alitalia und wurde Hauptaktionärin. Zustande gebracht hatte diese umstrittene Beteiligung der damalige Präsident von Alitalia, der frühere Ferrari-Chef und Direktor des Fiat-Impereriums, Luca Cordero di Montezemolo. Die übrigen Teilhaber waren italienische Investoren, darunter die Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo. 2017 sagte Etihad zur Sanierung eine Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro zu. Dafür sollten die Betriebskosten um eine Milliarde Euro gesenkt, die Gehälter der Piloten um 20 Prozent und die des Bordpersonals um 32 Prozent gekürzt sowie 2.000 Mitarbeiter des Bodenpersonals entlassen werden. Zunächst herrschte Optimismus, denn der Emir von Katar hatte Ende 2016 mit sieben Milliarden Euro die Pleite gegangene Banca Monte dei Paschi di Siena zunächst vor dem Konkurs bewahrt. Das Vorhaben scheiterte bei Alitalia, nicht zuletzt am Widerstand der Belegschaft.

Seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens 2017 flog die Linie nur noch mit Staatskrediten, die 1,3 Milliarden Euro ausmachten. Die letzte, im Dezember 2019 gewährte Tranche betrug 400 Millionen Euro. Die zahlreichen Versuche, einen privaten Käufer zu finden, scheiterten. Unter den Interessenten befanden sich die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato, der Infrastrukturkonzern Atlantia, die US-amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines und die deutsche Lufthansa. Den meisten ging es nur um Filetstücke. Die Lufthansa zum Beispiel wollte nur »durchsanierte« Teile übernehmen.

Die sich auf dem internationalen Flug-Markt verschärfende Konkurrenz hatte der Italienerin schwer zu schaffen gemacht. Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet drangen auf den italienischen Markt vor und eroberten beträchtliche Anteile. Die irische Billigfluglinie beförderte 2015 in Italien 29,7 Millionen Passagiere, Alitalia noch 23 Millionen. Auf die britische Easyjet entfielen 14,4 Millionen Fluggäste. 2018 flogen noch 22 Millionen Passagiere mit Alitalia. 2015 machte das italienische Unternehmen 200 Millionen Euro Verlust, 2016 waren es 460 Millionen. Ein Minus von weiteren 600 Millionen im Jahr 2017 führte zum Konkurs. Der Ausbruch der Corona-Pandemie gab Alitalia jetzt den Rest. Weltweit fielen unzählige Flüge aus, Der Wegbruch des Reisemarktes brachte ganze Strecken zum Erliegen, Flughäfen. mußten schließen.

Nun will die Regierung die Fluglinie, die noch rund 10.000 Beschäftigte zählt und zuletzt mehrere hundert Strecken beflog, wieder verstaatlichen. Das in der vergangenen Woche angenommene Regierungsdekret sieht laut Nachrichtenagentur ANSA zwei Optionen vor: Die Bildung einer neuen, dem Wirtschafts- und Finanzministerium unterstellten Fluglinie, oder ihre Kontrolle durch eine Gesellschaft, die sich mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindet. Näheres wurde bisher nicht bekannt.

Wie verlautete, soll der größte Teil der 600 Millionen Euro an die Verstaatlichung gebunden werden. Die Corona-Krise habe die Regierung in der Idee bestärkt, daß Alitalia »ein nationales Unternehmen von strategischer Bedeutung« für Italien ist, erklärte Verkehrsministerin Paola De Micheli vom sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) im Fernsehsender Rai News 24. Vor allem der PD war und ist treibende Kraft bei den Bemühungen zur Verstaatlichung der Airline.

Gerhard Feldbauer

Flugzeuge der Alitalia auf dem Flughafen von Mailand
(Foto: EPA-EFE/MOURAD BALTI TOUATI)

Mittwoch 25. März 2020