Unser Leitartikel:
Kontakte reduzieren und Abstand halten!

Entgegen dem Rat von Experten, beispielsweise dem deutschen Robert-Koch-Institut, ist das Tragen einer einfachen Maske über Mund und Nase in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens und im Arbeitsumfeld derzeit auch in Luxemburg obligatorisch. Ein solcher »Mund-Nase-Schutz« schützt jedoch weder seinen Träger vor einer Virusansteckung, noch ist er ein sicheres Mittel, andere Personen vor einer Ansteckung z.B. mit SARS-CoV-2 zu bewahren.

Tragen Infizierte einen »Mund-Nase-Schutz«, so wird die Verbreitung von Tröpfchen in der Atemluft als potentiellen Virenträgern zwar etwas vermindert, kleinste Tröpfchen, sogenannte Mikroaerosole, dringen jedoch durch die meisten verwendeten Gewebe ungehindert hindurch wie eine Fliege durch das Netz eines Fußballtors.

Hinzu kommt, daß das Tragen der für die meisten ja ungewohnten Maske zu einem mehr oder weniger häufigen, oft unwillkürlich erfolgenden Zurechtrücken des unbequemen Stoffteils verleitet. Dabei gelangt die Hand vor allem durch den immer wieder zu beobachtenden einhändigen Griff zur Nasenwurzel ins Gesicht und in die Nähe der Augen. Gleiches gilt für das An- und Ausziehen der Maske außerhalb der eigenen Wohnung.

Denn ALLE Gesichtsschleimhäute – neben denen der von Nase und Mund auch die Schleimhäute der Augen – sind die Einfallstore für das Virus in den menschlichen Organismus. Deshalb ist es ja so wichtig, die Hände regelmäßig und gründlich mit Seife zu waschen und möglichst nicht mit den Händen in die Nähe des Gesichts zu kommen.

Von verschiedenen Seiten wird argumentiert, eine Mundschutzpflicht sei schon in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor bei der Eindämmung von Epidemien in asiatischen Ländern wie China und Südkorea gewesen, doch leider gibt es keine gesicherten wissenschaftlichen Daten, die diese Behauptung belegen können.
Die erfolgreiche Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Asien ist vielmehr auf die deutlich strikteren Anordnungen zur Distanzwahrung oder gar vollständigen Isolation, die Desinfektion vielfrequentierter Gebäude und ganzer Straßenzüge, die konsequente Verfolgung der Infektionsketten sowie Massentests und die Rückverfolgung der jeweiligen Bewegungsprofile durch Apps zurückzuführen.

Ob sich dabei das Tragen von Gesichtsmasken – die in Asien seit Jahrzehnten verbreitet als Schutz vor Luftverschmutzung getragen werden – fördernd, nicht oder kontraproduktiv ausgewirkt hat, ist keinesfalls wissenschaftlich geklärt.

Auch das angeführte Beispiel der deutschen Stadt Jena, die bereits Anfang April eine Maskenpflicht verhängt hat, und wo seit dem 10. April keine Infektion mehr nachgewiesen wurde, ist mit 155 bestätigten Infektionen angesichts der geringen Fallzahlen und der vor dem 2. April angeordneten Maßnahmen nicht als aussagekräftig anzusehen.

Vor allem aber darf das Maskentragen nicht dazu führen, daß wir die beiden nachweislich wirksamen Maßnahmen – persönliche Kontakte auch nach der nun begonnenen Lockerung des Lockdowns weiterhin möglichst zu meiden, und wenn immer möglich, einen Abstand von zwei Metern zu anderen zu halten – vernachlässigen. Maskenträger, die glauben, sich nun nicht mehr an die Abstandregeln halten zu müssen, gefährden sich und andere.

Oliver Wagner

Oliver Wagner : Mittwoch 13. Mai 2020