Einkommensungleichheit hat deutlich zugenommen

Sozialpanorama der Salariatskammer : Das Fünftel mit den höchsten Nettoeinkommen hat mittlerweile fast sechsmal so viel wie das Fünftel der Haushalte, das die niedrigsten Einkommen bezieht

Unter anderem mit der Entwicklung des sogenannten Einkommensquintilverhältnisses wird im »Sozialpanorama 2020« der Salariatskammer aufgezeigt, wie die soziale Kluft in den vergangenen Jahren immer breiter wurde.

Dabei wird das addierte Nettoeinkommen des Fünftels mit den höchsten Einkommen ( »oberstes Quintil« ) mit dem Gesamteinkommen des Fünftels mit den niedrigsten Einkommen ( »unterstes Quintil« ) ins Verhältnis gesetzt. In Luxemburg lag dieses Verhältnis im Jahr 2005 bei 3,9. Das »einkommensstärkste« Fünftel der Bevölkerung hatte also vor 15 Jahren »erst« knapp viermal so viel wie das unterste Fünftel der nach Nettoeinkommen geschichteten Privathaushalte. Damals lag Luxemburg (rote Linie in der unteren Grafik) noch ein ganzes Stück unter dem Durchschnitt der Eurozone (blaue Linie) von 4,7 im selben Jahr.

Doch während die Ungleichheit der Einkommensverteilung seitdem in Luxemburg um durchschnittlich drei Prozent pro Jahr wuchs, stieg sie in der gesamten Eurozone nur um 0,7 Prozent pro Jahr. Von 2017 auf 2018 machte die Einkommensungleichheit in Luxemburg einen »großen Sprung nach vorn« , als sie um 14,4 Prozent zulegte, während sie in der Eurozone nur um 0,6 Prozent wuchs. In Luxemburg verschlechterte sich das Einkommensquintilverhältnis somit in einem einzigen Jahr von 5,0 auf 5,7. 2018 hatte das Fünftel mit den höchsten Nettoeinkommen also schon fast sechsmal so viel wie das Fünftel der Haushalte, das die niedrigsten Einkommen bezieht.

Mittlerweile befindet sich Luxemburg (rote Säule in der oberen Grafik) in Sachen Einkommensungleichheit nach Portugal und Griechenland auf dem fünftletzten Platz unter den 19 Ländern der Eurozone. Noch ungerechter war die Einkommensverteilung 2018 nur noch in Spanien, Italien, Lettland und Litauen, das auf ein Einkommensquintilverhältnis von 7,1 kam. Hingegen schnitten unsere drei Nachbarländer deutlich besser ab : Deutschland (und die gesamte Eurozone) kamen auf 5,1, Frankreich auf schon deutlich gerechtere 4,2 und Belgien gar auf 3,8. Das Fünftel der Belgier mit den höchsten Einkommen hatte also 2018 ein weniger als viermal so hohes Nettoeinkommen wie das unterste Fünftel.

oe

(Grafiken : CSL)

Oliver Wagner : lundi 18 mai 2020