Die Arbeitslosenzahl wird systematisch heruntergespielt

Es gibt nicht 20.000 sondern 30.000 Arbeitsuchende in Luxemburg

Der seit einem Jahr anhaltende konjunkturelle Abschwung, der infolge der Coronakrise in eine Wirtschaftskrise überging, führte inzwischen dazu, dass die Zahl der Arbeitslosen stark im Ansteigen ist.

Einer Mitteilung vom 22. Juni zufolge waren zum 31. Mai dieses Jahres 20.209 Frauen und Männer, die ihren Wohnsitz in Luxemburg haben, beim Arbeitsamt eingeschrieben. Das waren 5.085 oder 33,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Besonders stark stieg die Arbeitslosenzahl während der vergangenen drei Monate an: Von 16.652 im Februar, auf 18.398 im März und 20.253 im April. Mit 20.209 Arbeitslosen im Mai blieb die Zahl, die einer Arbeitslosenrate von 7 Prozent entspricht, fast identisch.

In der Mitteilung des Arbeitsamtes und in den Medien wird die Zahl von 20.209 als offizielle Arbeitslosenzahl herumgereicht, aber das ist eine Irreführung der Öffentlichkeit, weil die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer, die einen festen Arbeitsplatz suchen, bedeutend höher ist.

Um das zu erkennen, muss man entweder den Anhang an die offizielle Mitteilung oder die Schlüsselzahlen für Mai 2020 ansehen, welche das Arbeitsamt separat veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass es neben den »offiziellen« Arbeitslosen mit Wohnsitz in Luxemburg auch noch die arbeitslosen Grenzgänger gibt, die hierzulande arbeitslos wurden und nun »dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen«. Ende Mai waren das 3.381 Männer und Frauen – 906 Personen oder 36,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Damit wären wir dann schon bei 23.590 Arbeitslosen, die in Luxemburg wohnen oder Grenzgänger sind. Nicht in dieser Zahl einbegriffen sind die (500?, 1000?) Arbeitslosen, die im Krankenschein sind und die arbeitslosen Frauen im Mutterschaftsurlaub. Über die wird nicht berichtet.

Richtigerweise sollte man – wie das seinerzeit Arbeitsminister Biltgen tat, wenn er von der Arbeitslosigkeit »im breiteren Sinne« sprach – auch die Männer und Frauen, die in den zeitlich begrenzten Beschäftigungsmaßnahmen eingeschrieben sind, für die Berechnung der Arbeitslosenzahlen berücksichtigen, denn auch sie suchen einen festen Arbeitsplatz. Zum 31. Mai dieses Jahres waren 3.829 Arbeitsuchende in den unterschiedlichen Beschäftigungsmaßnahmen eingeschrieben, 408 weniger als ein Jahr zuvor.

Rechnet man die Männer und Frauen hinzu, deren Dossiers nicht vollständig und daher oft über Monate anhängig sind oder die erst gar nicht mehr beim Arbeitsamt vorsprechen, da sie die Hoffnung aufgegeben haben, von dort überhaupt noch Angebote zu bekommen, dürfte die Zahl der Arbeitsuchenden inzwischen die Zahl von 30.000 überschritten haben.

Von den 20.209 offiziellen Arbeitslosen, bekamen 10.631 eine Arbeitslosenunterstützung. Die Lohnabhängigen, die im Ausland wohnen, aber hier arbeitslos wurden, bekommen in Luxemburg keine Arbeitslosenunterstützung bezahlt, es sei denn, ihnen wird eine reduzierte Arbeitsfähigkeit bescheinigt, was im Mai in 500 Fällen geschah.

Weitere 3.126 Arbeitslose bekommen eine Warteentschädigung (»indemnité d’attente« oder »indemnité professionnelle d’attente«, davon 1.618 Lohnabhängige, die ihren Wohnsitz im Land haben. Auch die 3.829 Arbeitsuchenden in den zeitlich begrenzten Beschäftigungsmaßnahmen bekommen eine Entschädigung, in der Regel den Mindestlohn.

Viele Arbeitslosen leben von der Hand in den Mund und in der Angst, überhaupt keine Arbeit mehr zu finden. Die Regierung tut sehr wenig, um ihnen diese Angst zu nehmen.

A.R.

Ali Ruckert : Mittwoch 24. Juni 2020