Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Es bleibt noch viel zu tun

Wir werden nicht müde immer wieder darauf hinzuweisen, dass in punkto Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz noch viel zu tun ist. Dies zeigt ein jedes Jahr die hohe Zahl an Arbeitsunfällen, die bei der Unfallversicherung gemeldet werden.
Auch wenn sich nahezu 20 Prozent dieser Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeit ereignen (sogenannte Wegeunfälle), so werden jedoch immerhin vier von fünf Unfällen durch Verstöße gegen die Sicherheitsvorgaben oder dem Nichteinhalten vorhandener Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz verursacht.

Erinnert sei in dieser Hinsicht daran, dass für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist in erster Linie das Patronat verantwortlich ist und es als fahrlässig zu betrachten ist, wenn Unternehmer diese Aufgabe viel zu oft nur auf Informationen und einzuhaltende Mitteilungen an ihre Mitarbeiter beschränken, in denen sie auf Unfallgefahren und einzuhaltende Sicherheitsbestimmungen aufmerksam machen.

Allerdings sind ordnungsgemäße Absicherungen von Baustellen nicht nur in bunt gemalten Broschüren zu zeigen, sie müssen »um Terrain« auch unbedingt angebracht werden. Gleiches gilt übrigens auch für die Bereitstellung von regelkonformer Sicherheitskleidung und Maschinen und Werkzeug, die allesamt den Sicherheitsnormen entsprechen müssen. Neben der wichtigen Lärmbekämpfung muss auch darauf geachtet werden, dass Arbeitsplätze ausreichend beleuchtet sind und Mitarbeiter jederzeit vor Lärm, Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit geschützt werden. Eine Aufzählung, die man im Sinne der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz problemlos fortzusetzen könnte und in so manchen Betrieben zweifellos bestehende Defizite schamlos aufdecken würden.

Von den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz ganz zu schweigen. Eine gesetzliche Regelung gegen Überbelastung, Stress, Druck oder Mobbing gibt es weiterhin nicht, obwohl eindeutig nachgewiesen ist, dass diese Faktoren allesamt gesundheitsschädigend sind. Dass die Einführung eines solchen, von den Gewerkschaften geforderten Gesetzes beim Patronat auch Widerstand stößt, ist in erster Linie dadurch zu erklären, dass ein derartiges Gesetz immer wider Konfliktpunkte wegen des vielerorts herrschenden Personalmangels und der zunehmenden Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitregelung aufzeigen würde.

Allzu große Befürchtungen brauchen die Unternehmer in dieser Hinsicht jedoch nicht zu haben. Gepfefferte finanzielle Strafen, die eventuell zu einem Umdenken veranlassen könnten, dürfte es auch künftig kaum geben. Schließlich gilt es für die Regierenden auch in dieser Frage, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmer nicht zu gefährden.

Da fällt es schon einfacher, bei Unfällen nach eventuellem menschlichem Versagen zu forschen und weiter mit dem Finger auf das schwächste Glied im Bunde – also auf das Unfallopfer – zu zeigen.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 26. Juni 2020