Unser Leitartikel:
Arbeitsbedingungen werden immer unerträglicher

Seit Jahren schon weisen wir darauf hin, dass sich in zahlreichen Betrieben die Arbeitsbedingungen aufgrund des zunehmenden Drucks und des inzwischen allgegenwärtigen Stress deutlich verschlechtert haben. Eine Entwicklung, die nicht nur negative Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima als Folge hat, sondern auch die Gesundheit der Schaffenden immer schwerer belastet.

Die Leiden, über die inzwischen immer mehr arbeitende Menschen immer häufiger klagen, sind vielfältig und reichen von Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Verdauungsproblemen bis hin zu völliger Erschöpfung, Angstgefühlen und Depressionen. So wurde beispielsweise das Burnout-Syndrom in den letzten Jahren zu einer Krankheit, die Erwerbstätigen immer häufiger schwer zu schaffen macht.

Diese neuen psychosozialen Erkrankungen haben allerdings nicht nur negative Auswirkungen auf die Gesundheit der arbeitenden Menschen, logischerweise belasten sie auch in einem immer größeren Maße die Finanzen der Gesundheitskasse (CNS) – Kosten für Honorare, Medikamente, Krankengeld, meist lange Behandlungen.

Wieso diese Entwicklung, über die kaum geredet wird? Nun, auch wenn es dafür sicher mehrere Ursachen geben dürfte, so dürften doch in erster Linie unterbesetzte Belegschaften, maximale Flexibilisierung und massive Deregulierung der Arbeitszeitregelung – häufig abgeänderte Schichtpläne, längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhepausen, gestrichene Urlaubstage, kaum noch freie Wochenenden – zu den Hauptursachen dafür gehören, dass die Arbeitsbedingungen, die den Schaffenden seit Jahren aufgezwungen werden, immer unzumutbarer und unerträglicher wurden und werden.

Hinzu kommt die Angst um den Erhalt des Arbeitsplatzes. Und dies nicht erst seit Ausbruch der Corona-Krise. Fakt ist, dass schon seit vielen Jahren Erwerbstätige immer häufiger nur noch mit Zeitverträgen eingestellt werden, diese Verträge jedoch oft nicht verlängert oder schon während der Probezeit gekündigt werden, Eine Entwicklung, die rasant voranschreitet. Mit der Folge, dass heute fast die Hälfte aller arbeitenden Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren nur noch einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen.

Eine Personal- und Lohnpolitikpolitik, die es dem Patronat allerdings nicht nur ermöglicht, die Lohnmasse zu reduzieren und somit die Gewinne zu maximieren – sie führt auch dazu, die innerbetriebliche Konkurrenz zu steigern, dauerhafte Freundschaften unter den Beschäftigten so weit wie möglich zu verhindern, die Solidarität innerhalb der Belegschaft sowie das Erstarken der Gewerkschaften zu erschweren.

Dabei wäre uneingeschränkte Solidarität innerhalb der gesamten Belegschaft gerade jetzt von größter Bedeutung, um gemeinsam an der Seite der Gewerkschaften gegen jede vom Patronat als Folge der Corona-Krise beabsichtigte Verschlechterung – Entlassungen, Stilllegung von Produktionsanlagen, längere Arbeitszeiten, völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, usw. – zu kämpfen.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 30. Juni 2020