Auslagerung bei der Polizei

Zahl der Uniformierten soll bis Ende 2023 um 30 Prozent, die der Zivilisten um 60 Prozent steigen

Vier Tage nach Amtsantritt hat der neue Minister für »Innere Sicherheit«, Henri Kox (Déi Gréng), am Montag die neue Rekrutierungsprozedur der großherzoglichen Polizei und die neuen Ausbildungsmodalitäten für Polizeianwärter präsentiert. Wie es auf der Pressekonferenz mit dem Generaldirektor der Polizei, Philippe Schrantz, und Alain Engelhardt, ihrem Direktor für »Strategie und Performanz«, hieß, soll in naher Zukunft »mehr Wert« auf die polizeiliche Praxis gelegt werden.

Um dem schon seit Jahren grassierenden Personalmangel entgegenzuwirken, wollen Ministerium und Polizeiführung im übernächsten Frühjahr eine »Rekrutierungsoffensive« beginnen, mit der bis Ende des Jahres 2023 607 uniformierte Polizisten sowie 240 Zivilmitarbeiter eingestellt werden sollen. Derzeit arbeiten für die großherzogliche Polizei rund 2.000 Uniformierte und ca. 400 Zivilisten. Die Zahl der Uniformträger im Polizeidienst soll demnach lediglich um 30,35 Prozent steigen, während die der Polizeimitarbeiter in Zivil bis Ende 2023 um 60 Prozent, also um das Doppelte, steigen soll.

Der Personalmangel, so Generaldirektor Schrantz, sei die Ursache für »interne Unruhe« bei der Polizei und dafür, daß der »Dienst am Bürger« in seinen Augen derzeit »nicht gut genug« sei. Abhilfe sollen Neuerungen in drei Bereichen bringen: Erstens seien Überlegungen angestellt worden, welche Polizeiaufgaben an Externe abgegeben werden könnten, damit sich die Polizei »auf ihr Kerngeschäft konzentrieren« könne. Zweitens sei versucht worden, mehr Polizisten »op den Terrain ze kréien«, indem interne Polizeiaufgaben verstärkt von neueingestellten Zivilmitarbeitern übernommen werden. Drittens sei grundsätzlich geschaut worden, wo im Polizeiapparat Synergieeffekte möglich sind. Es gehe darum, Einheiten zusammenzulegen, aus kleinen Einheiten große zu machen, die mehr Personal zur Verfügung haben, und dadurch flexibler seien und für den »Dienst am Bürger« bereitstünden. Ihrem Generaldirektor zufolge geht an der Rekrutierungsoffensive für die Polizei »kein Weg vorbei«. Es werde aber sicherlich nicht leicht, die dringend benötigten neuen Polizisten in Uniform und Zivil zu finden.

Zur neuen Einstellungsprozedur bei der Polizei hieß es gestern, Bewerber für die Besoldungsgruppen A1, B1 und C1 müßten zunächst das Staatsexamen ablegen, während Bewerber für die Kategorie C2 das nicht müssen, da sie bereits in der Luxemburger Armee gedient haben. Um auch mögliche Quereinsteiger anzusprechen, besteht beim Staatsexamen keine Altersgrenze mehr. Das Mindestalter beträgt 17 Jahre. Dem folgt ein spezifisches Examen, das aus Sprachprüfungen in Französisch und Deutsch, einem Sportexamen sowie mehreren psychologischen Tests besteht.

Die Ausbildung an der Polizeischule dauert zwei Jahre und soll künftig praxisnaher ausgerichtet werden. Dazu wird den Rekruten im zweiten Ausbildungsjahr ein erfahrener Polizist an die Seite gestellt. Damit künftig 200 Rekruten pro Jahr die Polizeischule durchlaufen können – dieses Jahr waren es wieder nur 93 –, wird unweit des neuen Hauptquartiers der Polizei am Flughafen derzeit ein neues Gebäude errichtet, das im Frühjahr nächsten Jahres bezugsfertig sein soll.

oe

V.l.n.r.: Polizeigeneraldirektor Philippe Schrantz, Minister Henri Kox und Alain Engelhardt, Direktor für »Strategie und Performanz«, während der gestrigen Pressekonferenz (Foto: Polizei)

Oliver Wagner : Montag 27. Juli 2020