Das Frauenzentrum CID zum Nationalen Aktionsplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern

»Viele gute Ideen, wenig konkrete Maßnahmen«

»Viele gute Ideen, wenig konkrete Maßnahmen« – unter diesem Titel fasst das Frauenzentrum »CID ı Fraen an Gender« ihre Stellungnahme zum Nationalen Aktionsplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern zusammen, der am 17. Juli dieses Jahres vorgestellt wurde.

Das Frauenzentrum freut sich, dass die Ministerin zuvor Aussprachen mit einer Reihe von Organisationen hatte, darunter das CID, und dass die Mehrzahl der vom CID vorgeschlagenen Punkte im Plan aufgenommen wurde. Viele davon schafften den Sprung in den Hauptteil, der Ziele und Aktionen definiert, allerdings nicht.

Begrüßt wird, dass der Einfluss von Sprache auf das Denken und Handeln anerkannt wird, ohne dass bisher aber konkrete und mutige Aktionen folgten, um sexistische Sprachpraktiken abzuschaffen oder sexistische Werbung zu verbieten.
Gefordert wird, dass neues, didaktisches Bildungsmaterial nicht nur ohne stereotype Darstellungen auskommt, sondern auch, dass bestehendes Material auf sexistische Klischees untersucht und gegebenenfalls ersetzt werden muss.

Das Frauenzentrum bedauert, dass eine zentrale Forderung des CID, Inhalte der »Gender Studies«, in Zusammenarbeit mit der Universität, dem Ausbildungsinstitut des Erziehungsministeriums (IFEN), dem Koordinierungsdienst für pädagogische und technologische Forschung und Innovation (SCRIPT) und dem Nationalen Jugenddienst (SNJ), in die verpflichtende Basisausbildung sämtlicher Lehrkräfte zu integrieren, nicht berücksichtigt wurde.

Freuen würde sich das CID, würden Kompetenzen in den Bereichen Kochen, Putzen, Flicken, Waschen für alle in den Lehrplan aufgenommen.

Das Kapitel zur Gleichberechtigung der Geschlechter im Berufsleben enthält laut CID viele gute Ideen, aber keine verbindlichen Vorsätze. Ohne Kontrollen der Gewerbeinspektion und Konsequenzen beim Verstoß gegen das Lohngleichheitsgesetz würde die tatsächliche Lohngleichheit noch lange auf sich warten lassen, heißt es.

In Luxemburg leisten Frauen doppelt so viel unbezahlte gesellschaftlich nützliche Arbeit wie Männer. Vor diesem Hindergrund fragt sich das CID, welche konkreten Maßnahmen erfolgen werden, um den Missstand zu beseitigen, dass gegenwärtig 43 Prozent der Frauen im Rentenalter lediglich Anspruch auf eine Mindestrente haben; bei den Männern sind es nur 4,5 Prozent.

Begrüßen tut das CID, dass die Parität in der Politik und die Weiterbildung für Bedienste im öffentlichen Dienst in Gleichstellungsfragen systematisch gefördert werden sollen, allerdings bleibt auch hier offen, wie diese Maßnahmen in der Praxis umgesetzt werden könnten. In diesem Zusammenhang wird auch darauf hingewiesen, dass sexistische Gewalt in der Arbeitswelt, im öffentlichen Raum und im Internet nicht als unwichtige Nebensache behandelt werden darf.

Die Stellungnahme des CID ist im Wortlaut auf der Internetseite des Frauenzentrums (www.cid-fg.lu) zu finden.

A.R.

Ali Ruckert : Donnerstag 30. Juli 2020