Gewerkschaften rufen am 17. September zum Protest auf

Luxair-Generaldirektion beschließt radikalen Sozialabbau

Zwei Monate nach der ersten Zusammenkunft der sektoriellen Tripartite im Luftfahrtbereich und zwei Tage vor der nächsten Sitzung am Donnerstag dieser Woche, stehen die Zeichen auf Sturm.

Die Gewerkschaften OGBL, LCGB und NGL-SNEP informierten gestern in einer gemeinsamen Mitteilung darüber, dass die Generaldirektion der Luxair den Personalvertretern in Sitzungen vom 20. August und 3. September einen Aktionsplan vorlegte, um überschüssiges Personal abzubauen und die sozialen Errungenschaften der Beschäftigten aus den vergangenen vier Jahrzehnten stark einzuschränken, beziehungsweise abzuschaffen.

Andererseits weigerte sich die Generaldirektion hartnäckig, Diskussionen oder Verhandlungen über einen gewerkschaftlichen Zukunftsplan auf der Grundlage eines »Plan de maintien dans l’emploi« und eines Investitionsplans zu führen.

Ein solcher Plan sollte es erlauben, die Aktivitäten von Luxair aufrecht zu erhalten und die Arbeitsplätze und die kollektivvertraglich ausgehandelten sozialen Verbesserungen für die Belegschaft für die Zukunft abzusichern. Den Gewerkschaften zufolge sollte über diesen Plan während der Verhandlungen, welche im Rahmen der sektoriellen Tripartite geführt werden, diskutiert werden.

Zu den Vorschlägen der Gewerkschaften zählt eine Arbeitsplatzgarantie während der Zeit des Aktionsplans, gekoppelt an einen Verzicht des Unternehmens, Entlassungen vorzunehmen, eine Ausweitung der Kurzarbeit, die Schaffung einer »Cellule de Reclassement«, mit dem Ziel, alle Beschäftigten im Betrieb zu halten und Weiterbildungsmaßnahmen durchzuführen, Beschäftigte zeitweise an andere Unternehmen zu verleihen, verbunden mit dem Recht, zu Luxair zurückzukehren und die Frühpensionierung verstärkt zu nutzen.

Um die Durchführung der einzelnen Maßnahmen zu begleiten und notwendige Anpassungen zu diskutieren, schlagen die Gewerkschaften ein »Comité de suivi« vor, welchem auch Vertreter der Personaldelegation und der Gewerkschaften angehören sollten.

Löhne einfrieren, Laufbahnen demontieren, Urlaubstage senken…

Die Generaldirektion von Luxair will von solchen Vorschlägen nichts wissen und hat inzwischen einseitig – und ohne die Tripartite-Sitzung vom 17. September 2020 abzuwarten – beschlossen, ganz rabiat die sämtlichen Rechte und sozialen Verbesserungen aus den vergangenen Jahrzehnten abzuschaffen.

Zu diesen Maßnahmen zählt, dass die Löhne während drei Jahren eingefroren werden, die Laufbahnen demontiert werden, indem die Beförderungen nach der Betriebszugehörigkeit für Piloten nach 15 Jahren und für alle anderen Beschäftigten nach 20 Jahren abgeschafft werden, der 13. Monatslohn während drei Jahren gestrichen wird, verschiedene Prämien wegfallen, die Urlaubstage auf das gesetzliche Minimum reduziert werden, das Geschenk für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit und die Abgangsprämie beim Renteneintritt abgeschafft werden, für Überstunden nur noch das gesetzliche Minimum bezahlt wird, die bezahlte Pause von 15 Minuten zurückgenommen wird, die Parkplätze für die Beschäftigten kostenpflichtig werden und die Arbeitszeiten weiter flexibilisiert werden.

Zu allem Überdruß beschimpfte die Generaldirektion laut Gewerkschaften einen beträchtlichen Teil der Beschäftigten auch noch als »Low Performers« (schwache Leistungserbringer).

Um gegen den von der Generaldirektion von Luxair beschlossenen Sozialabbau zu protestieren, rufen die Gewerkschaften für Donnerstag 8.00 Uhr zu einem Protest auf dem Europaplatz auf Kirchberg auf. Eine Stunde später tritt dort die sektorielle Tripartite im Luftfahrtbereich zusammen.

Gespannt darf man sein, was die Regierungsvertreter Bausch, Kersch und Gramegna, die an der Tripartite teilnehmen werden, zu den rabiaten Methoden der Luxair-Generaldirektion sagen werden, hält der Staat doch direkt oder indirekt mehr als zwei Drittel der Luxair-Aktien.

A,R.

Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften mussten sich in der Vergangenheit wiederholt gegen rabiaten Sozialabbau im Luftfahrtbereich und auch bei Luxair zur Wehr setzen
(Foto: Archiv ZLV)

Ali Ruckert : Montag 14. September 2020