Die »Verteidigung der freien Welt«

Die »Verteidigung der freien Welt« wurde ideologisch durch den so genannten Kalten Krieg eingerahmt, eine Bezeichnung, mit der der Kreuzzug des US-amerikanischen Imperialismus gegen die ungestüme nationale Befreiungs- und soziale Emanzipationsbewegung, die auf den zweiten Weltkonflikt folgte, in die Geschichte einging.

Dieses ebenso vereinfachte wie rätselhafte Narrativ erwies sich als besonders wirksam: auf der einen Seite »die freie Welt«, angeführt (und verteidigt) von den Vereinigten Staaten von Amerika; auf der anderen Seite »die Tyrannei«, angeführt von der Sowjetunion und, im Allgemeinen, von den Kräften des Fortschritts, des Friedens und des Sozialismus.

Nach dieser Formel waren die Gründung der NATO und die Beteiligung der portugiesischen faschistischen Diktatur an ihrer Gründung (mit dem voll funktionsfähigen Konzentrationslager Tarrafal) Teil der »Verteidigung der freien Welt« sowie der Vernichtungskriege gegen die Völker Koreas und Vietnams.
In der Version des Imperialismus, jeweils durch die dominierenden Medien verstärkt und gerechtfertigt, zielten die im Iran, in Guatemala, Brasilien, Indonesien oder Chile geförderten Staatsstreiche, die alle mit einem Blutbad und der Errichtung reaktionärer oder faschistischer Diktaturen einhergingen, auf die »Verteidigung« einer solchen »freien Welt« ab. Laut diesem Narrativ standen Pinochet, Suharto, Savimbi, Banzer, Salazar, die griechischen Obersten, die brasilianischen Generäle und auch die Apartheid auf der Seite der »freien Welt«. Und im gegenüberliegenden Lager waren Lumumba, Cabral, Mandela, Ho Chi Minh, Ché Guevara, Allende...

Im 21. Jahrhundert und wieder einmal auf die tatkräftige Unterstützung der großen Medienkonzerne zählend, war der »Krieg gegen den Terrorismus« der Vorwand, der gefunden wurde, um die »Verteidigung der freien Welt« zu rechtfertigen – das heißt, die Ausweitung der imperialistischen Herrschaft auf neue Regionen der Welt und die Garantie riesiger Gewinne für die Rüstungsindustrie. Die Opfer, die als Kollateralschäden behandelt wurden, zählten wieder in die Millionen. Im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Libyen, Syrien, Somalia…

Dies ist einmal mehr eines der Argumente, die der USA-Imperialismus benutzt, um die wahre Natur seiner räuberischen und ausbeuterischen Umtriebe zu verschleiern, mit denen er auf die schwere Krise, in der er sich befindet – die des kapitalistischen Systems selbst –, reagieren will. Die Volksrepublik China und ihre außerordentliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung sind nicht das bevorzugte Ziel, sondern der ideale Vorwand, der von den politischen Führern, Kommentatoren und Analysten, die die wichtigsten Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten der Welt monopolisieren, mit großem Eifer nachgeahmt wird.

Die Methoden für die »Verteidigung der freien Welt« werden, wie wir bereits wissen, die üblichen sein: Militarisierung, Aggression, Destabilisierung, Einmischung. Was die Antwort anbelangt, so wird es eine Antwort des Kampfes sein müssen!

Gustavo Carneiro

Aus: »Avante!«,
Organ der Portugiesischen
Kommunistischen Partei (PCP)
Übersetzung: ZLV

Donnerstag 22. Oktober 2020