Wut und Trauer

Raubbau bei Karstadt

Mit zahlreichen Aktionen haben Beschäftigte der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH (GKK) am vergangenen Samstag gegen die ersten 35 Filialschließungen des Konzerns protestiert. »Die Beschäftigten haben alles getan, um die Häuser zu erhalten. Viele von ihnen werden nun wegen des Mißmanagements der bisherigen Geschäftsleitung ihrer Existenzgrundlage beraubt«, kritisiert der für den Einzelhandel zuständige ver.di-Bundesfachgruppenleiter Orhan Akman das Unternehmen, das in den kommenden Wochen mehrere tausende Beschäftigte entläßt.

»In die Trauer um die Jobverluste mischt sich daher auch berechtigte Wut der Kolleginnen und Kollegen auf die derzeitige Unternehmensleitung«, so Orhan Akman. Es sei längst an der Zeit gewesen, angesichts der Mißwirtschaft des angeschlagenen Konzerns eine neue Führungsmannschaft zu installieren, die sich erst beweisen müsse, kommentierte Akman Medienberichte über eine kurz bevorstehende Personalveränderung an der Spitze.

ver.di und die Betriebsräte hatten mit den Beschäftigten bis zuletzt hartnäckig um den Erhalt von Filialen und Arbeitsplätzen gekämpft und dazu lokale Bündnisse mit vielen betroffenen Städten und deren Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern geschlossen. »Alle Schließungen konnten wir nicht verhindern. Aber von den ursprünglich 62 Filialen auf der Schließungsliste konnten wir 21 Häuser, also ein Drittel, retten. Das war ein Kraftakt, den wir mit vielen gewerkschaftlichen Aktionen und einem großen Bündnis hingekriegt haben«, sagte Orhan Akman.

Von den nunmehr 41 verbliebenen GKK-Schließungsfilialen sollen 35 zum 31. Oktober 2020 und sechs Filialen zum 31. Januar 2021 geschlossen werden. Insgesamt verlieren durch die Schließungen in den GKK-Filialen rund 2.500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Gerd Ziegler

In Düsseldorf zeigte sich der Karnevalswagenbauers Jacques Tilly solidarisch mit den Beschäftigten. Er stellte den Kolleginnen und Kollegen eine überlebensgroße Pappfigur zur Verfügung, die den Firmenchef René Benko darstellte. Die ließen ihre berechtigte Wut an der Figur aus, bis sie schließlich auseinanderbrach. (Foto: Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Donnerstag 22. Oktober 2020