Gewerkschaften und Patronat unterzeichnen neue Konvention über Telearbeit

Am 11. September dieses Jahres einigte sich der Wirtschafts- und Sozialrat, dem Regierung, Patronat und Gewerkschaften angehören, auf ein Gutachten zur Telearbeit. Ergänzt wurde das Gutachten durch einen Entwurf einer neuen Konvention, welche die Konvention von 2006 ablösen wird.

Eine neue Konvention ist umso dringender, als die erste zu einem Zeitpunkt abgeschlossen wurde, als die Digitalisierung in den Betrieben und die Telearbeit noch weitgehend in den Kinderschuhen steckten.

Seit dem Beginn der Gesundheitskrise im März 2020 musste aber über Nacht knapp die Hälfe aller lohnabhängigen Einwohner und Grenzgänger Telearbeit verrichten, wozu auch neue bilaterale Abmachungen mit unseren drei Nachbarstaaten über Telearbeit notwendig waren.

Diese Woche nun unterzeichneten die Gewerkschaften OGBL und LCGB mit der Patronatsvereinigung UEL eine neue Konvention über Telearbeit.

Mit ihr wird die Definition für Telearbeit gestrafft und präzisiert und deutlich zwischen regelmäßiger und gelegentlicher Telearbeit unterschieden. Letzteres ist der Fall, wenn Telearbeit weniger als zehn Prozent der Jahresarbeitszeit ausmacht. Doch der Lohnabhängige hat kein Recht auf Telearbeit, noch kann er dazu verpflichtet werden.
Ausdrücklich ausgeschlossen von der Telearbeit werden unter anderem Lohnabhängige, die ins Ausland entsendet werden, Beschäftigte aus dem Transportsektor, es sei denn, sie arbeiten in der Verwaltung, Handelsvertreter und Lohnabhängige, die in Räumlichkeiten außerhalb ihres Betriebs arbeiten.

Besonders wichtig ist, dass in der Konvention, unabhängig davon, welche internen Regelungen ein Betrieb über Telearbeit treffen will, festgehalten ist, dass die Personaldelegation über alle Entscheidungen in Kenntnis gesetzt werden muß.

In Betrieben ab 150 Lohnabhängigen geht nichts ohne das Einverständnis der Personaldelegation. Festgehalten wurde, dass Abmachungen über Telearbeit auch in Kollektivverträgen oder in Vereinbarungen mit der Personaldelegation festgehalten werden können.

Bei regelmäßiger Telearbeit muss das Unternehmen dem Lohnabhängigen die technische Ausrüstung zur Verfügung stellen und für die finanziellen Kosten aufkommen, welche durch die Telearbeit entstehen – auch für die Übertragung von Dateien, zum Beispiel über die Zahlung einer Monatspauschale.

Handelt es sich um gelegentliche Telearbeit, muss der Unternehmer dem Lohnabhängigen einen schriftlichen Bescheid zukommen lassen. Bei regelmäßiger Telearbeit müssen die genauen Modalitäten in beiderseitigem Einvernehmen schriftlich festgehalten werden.

Auch müssen Lohnabhängige, die Telearbeit verrichten, mit allen anderen Betriebsangehörigen gleichgestellt bleiben, auch was die Arbeitsbedingungen und die Löhne angeht.

Das heißt auch, dass auf die Personaldelegationen viel zusätzliche Arbeit zukommen wird, denn sie werden – wie im Betrieb – im Fall von Verstößen gegen das Arbeitsrecht eingreifen müssen, zum Beispiel dann, wenn der Lohnabhängige regelmäßig zu Überstunden gedrängt wird.

Die neue Konvention wird für sämtliche Betriebe ab dem Zeitpunkt gelten, als der Arbeitsminister sie mit seiner Unterschrift allgemeinverbindlich erklären wird.

A.R.

Während der Unterzeichnung der Konvention über die Telearbeit (Foto: OGBL)

Ali Ruckert : Donnerstag 22. Oktober 2020