»Ein neues Modell der Verfügbarkeit«:

BGL BNP Paribas will sieben Filialen schließen

Die BGL BNP Paribas will sieben Filialen, die nach dem pandemiebedingten ersten Lockdown ab Mitte März bis heute nicht mehr geöffnet wurden, für immer schließen. Wie das von der französischen Großbank BNP Paribas kontrollierte Kreditinstitut am Donnerstagabend erklärte, hat das Management die Zweigstellen in Bettemburg (in der Rue de la Gare), Clerf (Grand-Rue), eine in Esch/Alzette (auf der Place Benelux), die Agentur Jardins de Luxembourg in der Rue Guillaume de Machault in Luxemburg-Merl, Fels (Place Bleiche), Vianden und Wasserbillig (beide in der jeweiligen Grand-Rue) zum Abschuß freigegeben.

Noch vor ein paar Jahren war die mittlerweile auf Platz fünf abgerutschte BGL BNP Paribas der größte Patron des Finanzplatzes Luxemburg und nach dem Stahlkonzern ArcelorMittal das Unternehmen mit den zweitmeisten Beschäftigten. Davon sind bis Ende vergangenen Jahres 2.375 Mitarbeiter in Luxemburg geblieben, heißt es in der Pressemitteilung. Früheren Angaben zufolge wurden während des Lockdowns rund 700 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Mit Steuermilliarden vor Untergang gerettet

Zwölf Jahre ist es mittlerweile her, daß die damalige CSV/LSAP-Regierung im September 2008 über zweieinhalb Milliarden Euro aus der Staatskasse lockergemacht hat, um die damals noch als Fortis firmierende (nach der Spuerkeess) zweitgrößte Privatkundenbank des Landes zu retten. Seitdem hält der Staat gut 34 Prozent an der BGL BNP Paribas.

Die Pressemitteilung über die geplanten Filialschließungen ist irreführend mit »Ein neues Modell der Verfügbarkeit« überschrieben: »Angesichts der sich ändernden Verhaltensweisen der Kunden gegenüber ihrer Bank und der Entwicklung digitaler Dienstleistungen« passe die BGL BNP Paribas »die Verfügbarkeit ihrer Zweigstellen an die Erwartungen ihrer Kunden in Luxemburg an.«

»Corona ist schuld«

Und da die Coronakrise fast immer herhalten muß, wenn das Patronat in diesen Tagen unpopuläre Maßnahmen verkündet, heißt es in der Mitteilung weiter: »Diese Anpassung wurde nicht zuletzt dadurch beschleunigt, daß die Krise eine Entwicklung verstärkt hat, die sich seit Jahren abzeichnet, nämlich die immer stärkere Nutzung von digitalen Lösungen für die täglichen Bankgeschäfte«. Jene aber, die mehr als nur »die täglichen Bankgeschäfte« abwickeln wollen, also Leute »mit spezifischen Bedürfnissen wie Immobilienkredite oder (noch lukrativer, Anm. d. A.) Anlageberatung«, weiterhin in den Genuß einer »persönlichen Betreuung« kämen.

oe

Filiale der BGL BNP Paribas in der Escher Alzettestraße (Archivfoto) (Foto: ZLV)

Freitag 23. Oktober 2020