Trump soll Angriff auf Atom-Anlage im Iran erwogen haben

Washington – USA-Präsident Donald Trump hat sich nach Optionen für ein militärisches Vorgehen gegen eine iranische Atom-Anlage erkundigt. Eine Reihe hochrangiger Berater – darunter der geschäftsführende Kriegsminister Christopher Miller und Generalstabschef Mark Milley – habe ihm davon bei einem Treffen am vergangenen Donnerstag im Oval Office abgeraten, berichteten die »New York Times« und das »Wall Street Journal« unter Berufung auf mehrere aktuelle und frühere Regierungsbeamte, die über das Treffen Bescheid wüßten. Trump sei gewarnt worden, daß ein militärisches Vorgehen in den verbleibenden Wochen seiner Präsidentschaft leicht zu einem umfassenderen Konflikt eskalieren könnte.

Der Iran reagierte gelassen auf die Berichte. Trump würde kaum vor dem bevorstehenden Ende seiner Amtszeit solche Überlegungen anstellen und neue militärische Spannungen in der Region riskieren, so Regierungssprecher Ali Rabiei am Dienstag. Zugleich warnte er vor den Konsequenzen eines solchen Angriffs. »Die iranische Reaktion würde für die USA definitiv verheerende Folgen haben«, so der Sprecher nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Am Tag vor dem berichteten Treffen von Trump mit hochrangigen Beratern hatte die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) bekannt gegeben, daß der Iran ein Vielfaches der im internationalen Atomabkommen erlaubten Menge an Uran angereichert habe.

Die USA waren 2018 einseitig aus dem Atomabkommen ausgestiegen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll. Außerdem verhängte die USA-Regierung harte Sanktionen, um den Iran zu zwingen, ein neues Abkommen mit weiter reichenden Auflagen zu verhandeln. Die Strafmaßnahmen verschärften die Wirtschafts- und Finanzkrise im Iran.

Auch die wortreichen Erklärungen der EU und einiger ihrer Mitgliedstaaten, insbesondere von Deutschland als Partner des Atomabkommens mit dem Iran, sich an das Abkommen halten zu wollen, änderten nichts an der Situation. Zudem schaden die engen Beziehungen der EU – und wiederum vornehmlich Deutschlands – mit Israel, dem erklärten Erzfeind des Iran, sowie die fortgesetzten Waffenlieferungen an Saudi-Arabien der Position des Iran in der Region.

Als Reaktion erklärte die Führung in Teheran, daß sie sich nicht mehr an alle Auflagen des Abkommens halten wolle. Inzwischen soll der Iran laut IAEA mehr als 2.400 Kilogramm angereichertes Uran besitzen. Im Abkommen hatte Teheran der Einhaltung einer Obergrenze von rund 200 Kilogramm zugestimmt.

(dpa/ZLV)

Mittwoch 18. November 2020