Unser Leitartikel:
Bestehende Maßnahmen stärker durchsetzen

Am Dienstag kündigten Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert eine Verschärfung der administrativen Maßnahmen an, wenn die tägliche Zahl der Neuinfektionen 500 weiterhin übersteigen sollte. Nun sind auch Restaurants und Cafés als Infektionsherde wieder in den Fokus gerückt. Die Lage ist angespannt: Auch wenn die Zahlen stagnieren, tun sie das doch auf einem zu hohen Niveau, als daß im Falle eines weiteren Anstiegs das Gesundheits- und Krankenhaussystem noch angemessen reagieren könnte.

Die Krankenhäuser sind bereits jetzt am Limit. Die seit drei Wochen geltenden Beschränkungen, wie die pathetisch verkündete nächtliche Alibi-Ausgangssperre von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens scheinen ihre Wirkung nicht entfaltet zu haben. Mit Blick auf die Polizeiberichte aus den Corona-Kontrollen zeigt sich auch schnell, warum: Hunderte Verstöße wurden allein im Norden und in der Hauptstadt in den letzten beiden Wochen registriert und darüber hinaus noch immer zahlreiche Cafés und Privatpersonen, denen Hygienemaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie völlig schnuppe zu sein scheinen.

Ein speziell luxemburgisches Problem ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch die hohe Anzahl von Einwohnern, die keine der offiziellen Landessprachen beherrschen, beziehungsweise, keine nationalen Medien konsultieren, um sich auf dem Laufenden zu halten. Dazu kommt die hohe Bewegung von Menschen aus den Nachbarländern im Teil- oder Komplett-Lockdown, um die offenen Geschäfte und Kneipen hierzulande auszunutzen. Mehr Sensibilisierung in den entsprechenden Sprachen ist daher nötig.

Doch es sind auch die kleinen Nachlässigkeiten: Eine Bedienung im Restaurant mit Maske unter der Nase oder Maskenverweigerer in Zügen können das Virus genau so weiter verbreiten wie eine kleine Unachtsamkeit eines ansonsten gewissenhaften Bürgers: Einmal nicht die Hände gewaschen oder desinfiziert und schon ist es geschehen. Wobei die Aerosole nachweislich die weitaus größere Gefahr darstellen. Doch nach wie vor zieren sich Betriebe, die Notwendigkeit der Umsetzung vorgeschriebener hygienischer Maßnahmen einzusehen. Zu tief verwurzelt sind Präsentismus und Vernachlässigung von Gesundheit am Arbeitsplatz noch aus Vor-Corona-Zeiten, was uns als Gesellschaft in der Krise nun auf die Füße fällt.

Aus diesen Gründen sind es nicht immer wieder neue Maßnahmen, die das Blatt wenden können, sondern vor allem die Überwachung der bestehenden hygienischen Maßnahmen. Während in asiatischen Ländern, wie China, Japan oder Korea ein allgemeines Bewußtsein vorherrscht, durch das Tragen einer Maske seine Mitmenschen vor einer eigenen Atemwegserkrankung zu schützen, dominiert in Europa und Nordamerika in erster Linie die egoistische Position, persönliche Interessen über die der Gemeinschaft zu stellen.

Daß derartige Mechanismen nicht in der Pandemie überwunden werden können, ist klar. Aus diesem Grund muß neben der Aufklärung auch auf entsprechend hohe materielle Strafen gesetzt werden, so schwer es fällt. Ansonsten wird weiterhin die solidarische Mehrheit unter den wenigen Uneinsichtigen und Verschwörern leiden müssen. Mit fatalen Folgen.

Christoph Kühnemund

Christoph Kühnemund : Mittwoch 18. November 2020