Uni mit Entwicklung zufrieden, aber:

Viele Probleme nur auf Belval lösbar!

Es ist keinesfalls so, wie Minister Biltgen es anklingen hat lassen, daß sich die Uni-Leitung so lang wie möglich vor einem Umzug nach Belval drücken möchte. Im Gegenteil, bei der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz der Uni war Rektor Tarrach auf unsere Frage, wann denn die Uni auf Belval sei, mehr als klar: »Hoffentlich bald, so bald es möglich ist, gehen wir dorthin. Sobald wir die Gebäude haben und die Möbel stehen, sind wir dort.«

In der Tat: die Öffnungszeiten der Bibliothek, die an vier Standorten verstreut ist, liegen unterm EU-Standard. Idealerweise sollte eine Uni-Bibliothek sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet sein: das ist unter heutigen Umständen finanziell untragbar. Das von den Studierenden in einer Umfrage als höchst nachteilig bewertete Bibliotheksproblem »hat keine Lösung, so lange sie an 3-4 Standorten sind«, bedauert Rolf Tarrach.

Ein anderes Problem, das in besagter Umfrage stark negativ bewertet wurde, sind die mangelhaften Verbindungen der verschiedenen Uni-Standorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der akademische Vize-Rektor Lucien Kerger erwartet da definitiv auch erst mit Belval eine Verbesserung. Es ist aber festzuhalten, daß in der Avenue de la Faïencerie eine Buslinie beginnt, die bis zum Beggener Fußbalfeld führt – 1,5 km vom Campus Walferdingen entfernt. Würde die Linie verlängert, wäre zumindest die Verbindung Limpertsberg – Walferdingen da. Klingt äußerst einfach, ist aber in der realen kleinen Luxemburger Welt kompliziert, da eine Gemeindegrenze zu überschreiten ist. Und da wird’s hierzulande kompliziert: ob Mr. RGTR im Transportministerium vom Problem weiß, war am Freitagnachmittag nicht herauszufinden.

Ein weiterer Kritikpunkt der sonst eigentlich sehr zufriedenen Studierenden ist die Verköstigung. Lucien Kerger ist sich klar, daß da Überlegungen nötig sind, ebenso wie bei der (kritisierten fehlenden) Campus-Animation. Das stößt aber ans Problem, daß die Luxemburger Politik seit Nanterre 1968 einen Horror vor einem Campus hat, und so etwas unter allen Umständen unterbinden will – etwa nach dem Motto »3 Leute sind ein Aufruhr, 5 eine Revolution«.

Lucien Kerger seinerseits beugt sich auch diesem Dogma der Campus-Verhinderer, wenn er beim Wohnungsproblem erklärt: »Wir wollen keine Einheit mit 300 Zimmern nebeneinander«. Nun sind die Wohnungspreise Hauptkritikpunkt der von außerhalb Luxemburgs Kommenden (Landesbewohner haben unabhängig von ihrer Nationalität das unschlagbar günstige Hotel Mama zur Verfügung!). Zur Zeit hat die Uni 430 Zimmer, bis Ende 2013 werden es 600, wobei die durchschnittliche Monatsmiete bei 370 € liegt. Das Maximum von 650 € geht an Doktoranden, die rund 2.500 € im Monat von der Uni kriegen, und sich das so leisten können. Ziel ist’s aber im bis 2013 laufenden Vierjahresplan, für 20% der Studierenden eine Wohnung in Uni-Händen anbieten zu können: mit 1200 sind das doppelt so viel wie die 600, die nach heutigem Stand sicher sind. Wie das Loch gefüllt wird, steht in den Sternen – und das ist nicht einfach, sollen doch überall nur kleine, verstreute Einheiten hin (eh schon wissen warum)!

Mit Lehre und Betreuung herrscht ansonsten große Zufriedenheit, die bei der Einschreibeprozedur zahlenmäßig sofort nachvollziehbar ist: auf einen Antrag auf Einschreibung in einen Bachelor-Lehrgang warten Studierende aus dem Ausland in Luxemburg nur 16 Tage, während der allgemeine Durchschnitt in Europa bei 41 Tagen, weltweit gar bei 50 Tagen liegt. Bei einem Master dauert es in Luxemburg 24 Tage bis zur Antwort, in Europa sind es 51, weltweit 46 Tage im Durchschnitt. Die Uni Luxemburg hat bei dieser Umfrage unter 131 den Spitzenplatz eingenommen bei den Antwortfristen. Dasselbe gilt übrigens beim Thema Sicherheit.

Ein großes Problem für Studierende aus dem Ausland sind die Möglichkeiten Geld zu verdienen. Die Uni selbst wird sich bemühen, mehr Hilfsdienste mit Arbeitsvertrag anzubieten. Ein Job ist seit kurzem bereits im zweiten Semester möglich, wenn aus dem ersten Semester über 20 ECTS-Kredite da sind (25 müssen nämlich nach dem 1. Studienjahr mindestens erreicht sein, um weiterstudieren zu dürfen). Allerdings gibt’s da ein Problem mit dem gesetzlichen Rahmen: Studierende von außerhalb der EU dürfen im ersten Jahr nicht arbeiten – und auch danach ist ihre Arbeitszeit zu enge begrenzt. Das ist maximal schlecht für eine Uni, die international ist und es bleiben möchte.

Ansonsten ist Zufriedenheit mit der Entwicklung angesagt. 2009 stieg die Zahl der Professoren um 13, es gab 1.242 wissenschaftliche Publikationen, 115 Forschungsprojekte, davon 15 neue mit Drittfinanzierung, und 2011 im Sommer gibt das frisch geschaffene »Luxembourg Center for Systems Biomedicine« als erstes Uni-Institut auf Belval so richtig Gas.

1221 Diplome und Zertifikate wurden 2009 ausgestellt, davon 282 Bachelor, 173 Master und 23 Doktorate. Wobei Studierende an der Uni Luxemburg bemerkenswert schnell sind. Für Bachelor, wo die Mindeststudienzeit 6 Semester beträgt, kommt es zu einem Durchschnitt von 6,6 Semestern, für Master mit mindestens 4 Semestern durchschnittlich zu 4,3 Semestern.

Bemerkenswert auch der Erfolg im ersten Semester mit Luxemburger Sekundarschulabschluß: von maximal erreichbaren 60 ECTS-Krediten werden von Luxemburger Staatsangehörigen 44,1, von sonstigen 37,7 erreicht, während Luxemburger mit ausländischem Diplom nur auf 35,8, Nicht-Luxemburger auf 37,5 kommen.

jmj

Samstag 22. Mai 2010