234 Millionen Euro für die Filmförderung

Minister Biltgen und Modert bilanzieren 20 Jahre LuxemburgerFilmfonds

Auch wenn sich die »inhaltliche Qualität« hier und da noch verbessern ließe, habe sich die Luxemburger »Filmindustrie« seit der Gründung des Fonds national de soutien à la production audiovisuelle vor 20 Jahren beachtlich entwickelt, bilanzierte am Donnerstag die zur Ministerin für Kultur und Kultus beförderte ehemalige Staatssekretärin Octavie Modert, als sie zusammen mit dem seit einem Jahr auch als Kommunikationsminister fungierenden François Biltgen den Jahresbericht 2009 des Filmfonds präsentierte.

Nicht weniger als 16 Filmproduktionsfirmen und rund 500 Schauspieler und Filmtechniker waren am 31. Dezember 2009 vom Luxemburger Filmfonds anerkannt, bilanzierte Biltgen. Wobei sich diese 500 Filmschaffenden freilich nicht das ganze Jahr in Luxemburg aufhielten. Die Zahl der luxemburgischen (oder zumindest im Großherzogtum lebenden) Schauspieler liege mittlerweile immerhin bei 45. Dafür habe sich die Regierung die Filmförderung in den vergangenen 20 Jahren »einiges kosten lassen«. Insgesamt seien 234 Millionen Euro in den Filmsektor ge-steckt worden, wobei davon 48 Millionen Euro für direkte Finanzhilfen, sogenannte aides financières sélectives (AFS), draufgingen und 170 Millionen Euro für Steuervergünstigungen im Rahmen des CIAV-Programms (CIAV steht für Certificat d’Investissement audiovisuelle).

In Zukunft, so Biltgen, wolle man »bei Koproduktionen mehr für Luxemburger Elemente tun« und man überlege, »vor allem bei kleineren Produktionen eher die Entwick-lung als die Produktion des Films zu fördern«. Damit sich angehende Schauspieler, Regisseure oder auch Filmkritiker besser über Studienmöglichkeiten im Ausland informieren können, soll es auf der nächsten Foire de l’Etudiant am 11. und 12. November eine »Anlaufstelle« des Filmfonds geben. Mangels eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Luxemburg liefen Gespräche mit RTL, »als Filmfonds künftig mehr im Fernsehen zu machen«.

Modert zufolge wurden im vergangenen Jahr 32 Projekte mit einer AFS gefördert, was sich der Filmfonds insgesamt 5,4 Millionen Euro habe kosten lassen. Weitere 11,2 Millionen Euro seien im Rahmen des CIAV-Programms an insgesamt 17 Produktionen geflossen. Zur Förderung der Kurzfilmproduktion soll es vor der nächsten Verleihung des Lëtzebuerger Filmpräis im nächsten Jahr ein nationales Kurzfilmfestival geben.

»Diesen Film werde ich meinen Kollegen ans Herz legen« Ganz besonders rührte Biltgen die Werbetrommel für den belgisch-luxemburgisch-französischen Film »Illégal« von Olivier Masset-Depasse, der auf dem Filmfestival in Cannes den Preis der Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques (SACD) gewonnen hat. Das sozio-politische Drama erzählt die Geschichte der 39-jährigen Russin Tania (gespielt von Anne Coesens) und ihres 13-jährigen Sohns Ivan, die sich acht Jahre lang ohne Papiere in Belgien aufhielten, bis die Mutter eines Tages bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle verhaftet wird. Während ihrem Sohn die Flucht gelingt, kommt Tania in ein »Centre de rétention«, wo ihr nach einem Monat Haft die Abschiebung droht – und damit die Gefahr, ihren geliebten Sohn nie mehr wiederzusehen.

Ein »harter Film«, so Biltgen, der aber zum Nachdenken anrege. Wenn »Illégal« Anfang Oktober Weltpremiere im Multiplexkino Utopolis auf Kirchberg habe, werde er seinen Ministerkollegen, die zum Herbsttreffen der EU-Justiz- und Innenminister nach Luxemburg kommen, einen Besuch ans Herz legen.

oe

Oliver Wagner : Freitag 30. Juli 2010